Facebook-Post sorgt für Aufregung: Holt Deutschland Corona-infizierte Flüchtlinge ins Land?

Netz/Berlin - In einem Text auf Facebook und auf Telegram wird behauptet, die Bundesregierung bringe etwa 100 Geflüchtete von Griechenland nach Deutschland, die alle "nachweislich" mit Corona infiziert seien. Was ist dran?

Dieses Posting wurde oft geteilt und im Netz zitiert.
Dieses Posting wurde oft geteilt und im Netz zitiert.  © Screenshot/Facebook

Im Facebook-Posting heißt es: "Die Bundesregierung will am kommenden Freitag ca. 100 mit dem Coronavirus infizierte Aslyforderer aus den griechischen Lagern direkt in die BRD einfliegen."

Und weiter: "Sie sollen bequem in Kassel landen und dann auf neun Bundesländer verteilt werden, hieß es am Freitag aus dem Bundesinnenministerium.  Obwohl sie nachweislich mit Covid-19 infiziert sind, müssen die Neuankömmlinge nicht in Quarantäne., teilte das Ministerium mit." (Schreibweisen vom Original übernommen)

Was steckt hinter dieser Behauptung? 

Die Bundesregierung will am kommenden Freitag mehrere Dutzend kranke minderjährige Flüchtlinge mit ihren Angehörigen aus Griechenland holen. Es gibt keine Belege dafür, dass sie mit Corona infiziert sind. 

Das Posting ist somit Fake. Die Menschen sind laut Bundesinnenministerium bereits auf das Virus untersucht und gemeinsam untergebracht worden.

Darum nimmt die Regierung die kranken Flüchtlinge wirklich auf

Eine Gruppe minderjähriger Flüchtlinge stieg Anfang Juli in Griechenland in ein Flugzeug nach Portugal. (Archivbild)
Eine Gruppe minderjähriger Flüchtlinge stieg Anfang Juli in Griechenland in ein Flugzeug nach Portugal. (Archivbild)  © dpa/Lefteris Partsalis/XinHua

Nach einem Koalitionsbeschluss im März beteiligt sich Deutschland an der Aufnahme von Flüchtlingskindern aus überfüllten griechischen Flüchtlingslagern in andere EU-Länder. Schon im April waren rund 50 junge Menschen angekommen.

Geplant ist, am 24. Juli mehrere Dutzend weitere junge Flüchtlinge, die krank sind, sowie ihre Angehörige zunächst nach Kassel zu fliegen und dann auf die Bundesländer zu verteilen. Laut griechischem Migrationsministerium handelt es sich insgesamt um 85 Menschen.

Nach Auskunft des Bundesinnenministeriums ist es nicht geplant, die ankommenden Menschen in eine Corona-Quarantäne zu schicken, da Griechenland kein Risikogebiet ist. Außerdem wurden sie laut Ministerium schon auf das Virus Sars-CoV-2 getestet und vor dem Abflug gemeinsam untergebracht.

Die Entscheidung über Quarantänemaßnahmen liege aber bei den Bundesländern.

Der Original-Beitrag, welcher mehrfach in ähnlicher Form verbreitet wurde

Auf dem Foto des Posts sind junge Flüchtlinge zu sehen, die am 18. April 2020 in Griechenland in ein Flugzeug steigen, das sie nach Hannover bringt.

Titelfoto: dpa/Lefteris Partsalis/XinHua

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