Flüchtling in Asyl-Unterkunft erstochen: Bewohner berichten Details

Großkrotzenburg/Hanau - Nach dem gewaltsamen Tod eines 25 Jahre alten Mannes in einer Flüchtlingsunterkunft in Großkrotzenburg bei Hanau haben die Bewohner der Einrichtung von den Behörden Aufklärung gefordert.

Rettungsdienste waren nach einer tödlichen Messer-Attacke in einer Asyl-Unterkunft in Großkrotzenburg im Einsatz.
Rettungsdienste waren nach einer tödlichen Messer-Attacke in einer Asyl-Unterkunft in Großkrotzenburg im Einsatz.  © 5vision.media/dpa

In einem offenen Brief, der der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt, berichten die 38 Unterzeichner unter anderem von einer defekten und blockierten Fluchttür, durch die der 25-Jährige vor seinem Angreifer habe entkommen wollen.

Außerdem sei am Tag der Bluttat kein Sicherheitsdienst in der Einrichtung gewesen. "Es waren mehrere Bewohner, die den Täter überwältigten", heißt es in dem an den Landrat des Main-Kinzig-Kreises, Thorsten Stolz (SPD), und Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos) adressierten Schreiben.

Bauroth kündigte eine "lückenlose Aufklärung" der Hintergründe an. Die Strafverfolgungsbehörden könnten sich "jedweder Unterstützung durch die Gemeinde Großkrotzenburg sicher sein".

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Der Staatsanwaltschaft in Hanau ist der Brief nach eigener Darstellung bekannt. Er werde bei den noch laufenden Ermittlungen "selbstverständlich berücksichtigt", sagte ein Sprecher der Behörde.

Details dazu nannte er aus "ermittlungstaktischen Gründen" nicht.

Flüchtlingsrat übt deutliche Kritik an gemischten Massenunterkünften

Der Hessische Flüchtlingsrat, über dessen Mail-Verteiler der offene Brief unter anderem verbreitet wurde, forderte kleinere Unterkünfte für Flüchtlinge und Asylsuchende. Gemischte Massenunterkünfte seien "ein strukturelles Problem", sagte Geschäftsführer Timmo Scherenberg in Frankfurt.

Der Main-Kinzig-Kreis kritisierte, dass in Flüchtlingsunterkünften auch Menschen "zwischen einer Haftstrafe und der angekündigten Abschiebung" untergebracht werden.

"Hier müssten aus dem Vorfall die Konsequenzen gezogen werden und auf Landesebene das Verfahren geändert werden", sagte ein Sprecher.

Tödliche Messer-Attacke in Flüchtlingsunterkunft

Der 25 Jahre alte Bewohner der Unterkunft war Mitte Januar mutmaßlich von einem Mitbewohner im Streit mit einem Messer erstochen worden. Der 33 Jahre alte Somalier wurde festgenommen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war er bereits 2014 wegen versuchten Totschlags zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte damals im benachbarten Maintal eine ähnliche Tat begangen.

Die Haftstrafe saß der Mann den Angaben zufolge komplett ab.

Titelfoto: 5vision.media/dpa

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