Grenzkontrollen eingestellt: Mehr als 6000 Migranten erreichen schwimmend die EU

Madrid - Sie schwammen durch das Mittelmeer oder liefen bei Ebbe am Strand entlang: Mindestens 6000 Migranten erreichten bis Dienstagmorgen von Marokko aus die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta.

Spanische Beamte der Guardia Civil beobachten an der marokkanisch-spanischen Grenze in der spanischen Enklave Ceuta, wie Menschen aus Marokko schwimmend in spanisches Territorium eindringen.
Spanische Beamte der Guardia Civil beobachten an der marokkanisch-spanischen Grenze in der spanischen Enklave Ceuta, wie Menschen aus Marokko schwimmend in spanisches Territorium eindringen.  © Antonio Sempere/Europa Press/dpa

Die marokkanische Polizei habe faktisch die Kontrolle der Grenze eingestellt, berichteten spanische Medien unter Berufung auf Augenzeugen in Fnideq.

Als möglichen Grund nannten spanische Medien die Verärgerung der Regierung in Rabat darüber, dass Spanien die medizinische Behandlung des Chefs der Unabhängigkeitsbewegung Polisario für Westsahara, Brahim Ghali (71), erlaubte.

Marokko beansprucht das Gebiet an seiner Südgrenze als Teil seines Staatsgebietes. Eine Erklärung aus Rabat gab es zunächst nicht.

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Etwa 1500 der angekommenen Migranten seien Minderjährige, schrieb die in Ceuta erscheinende Zeitung "El Faro". Mindestens ein Mensch sei ertrunken.

Die Lage sei chaotisch, das Aufnahmelager der Exklave völlig überfüllt und viele der Migranten irrten in der Stadt mit 85.000 Einwohnern herum.

Das spanische Militär in Ceuta habe logistische Hilfe angeboten und den Schutz seiner eigenen Einrichtungen verstärkt. Die Zentralregierung in Madrid kündigte die Entsendung 200 zusätzlicher Polizisten an.

Die Zeitung "El País" schrieb, nie zuvor seien so viele Menschen auf einmal nach Ceuta gekommen. Es sei wie eine "Autobahn auf dem Meer". Die meisten der Ankommenden seien Männer, aber es seien auch Frauen und Familien dabei.

Nach unbestätigten Medienberichten machten sich auch in der Stadt Tanger Migranten aus Ländern südlich der Sahara auf in Richtung Ceuta.

Grenze seit März 2020 wegen der Corona-Pandemie geschlossen

Ein Mann aus Marokko, nachdem er schwimmend in das spanische Territorium gelangt ist, in der spanischen Enklave Ceuta.
Ein Mann aus Marokko, nachdem er schwimmend in das spanische Territorium gelangt ist, in der spanischen Enklave Ceuta.  © Antonio Sempere/EUROPA PRESS via AP/dpa

Viele Marokkaner im Umfeld von Ceuta und der anderen spanischen Nordafrika-Exklave Melilla haben ihre Arbeit und Einkommen verloren, seit Marokko die Grenze zu den beiden Gebieten im März 2020 wegen der Corona-Pandemie geschlossen hat.

Immer wieder demonstrierten Menschen, die sonst in den Exklaven arbeiteten, für ein Ende der Schließung.

Bereits am 26. April hatten 128 Marokkaner schwimmend Ceuta erreicht. Die meisten wurden bald darauf nach Marokko abgeschoben. Auch dieses Mal ist damit zu rechnen, dass viele der Migranten bald zurückgebracht werden könnten.

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Westsahara an der nordafrikanischen Atlantikküste war bis 1975 spanische Kolonie. Marokko kontrolliert große Teile des dünn besiedelten Gebiets an seiner Südgrenze. Die Polisario strebt nach Unabhängigkeit für die Westsahara. Marokko will der Region nur Autonomie zugestehen.

Im Dezember hatte der damals bereits abgewählte, aber noch amtierende US-Präsident Donald Trump (74) Marokkos Souveränität über Westsahara anerkannt. Seither wachsen die Spannungen zwischen Marokko und europäischen Ländern, die Trumps Entscheidung kritisierten. So rief Rabat Anfang Mai seine Botschafterin aus Berlin zurück.

Der Radiosender Cadena Ser meldete, dass allein am Montag mehr als 5000 marokkanische Migranten auf spanisches Gebiet gelangt sind - so viele wie noch nie zuvor an einem Tag.
Der Radiosender Cadena Ser meldete, dass allein am Montag mehr als 5000 marokkanische Migranten auf spanisches Gebiet gelangt sind - so viele wie noch nie zuvor an einem Tag.  © Antonio Sempere/Europa Press/dpa

Migranten in Ceuta werden in Stadion gebracht, erste Abschiebungen

Am Dienstag haben die Behörden der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta damit begonnen, die Erwachsenen in einem Stadion unterzubringen. Sie sollten anschließend nach Marokko zurückgebracht werden, heißt es in einem weiteren Bericht von "El Faro".

Etwa 1600 der Ankömmlinge wurden bereits in das Nachbarland zurückgebracht, sagte Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska dem TV-Sender RTVE. Minderjährige werden in der Regel nicht sofort zurückgeschickt.

Auf marokkanischer Seite gebe es immer noch Menschen, die versuchen wollten, illegal nach Ceuta zu kommen, sagte der Minister.

Titelfoto: Antonio Sempere/Europa Press/dpa

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