Seebrücke und Linke: Empörung über Pläne der Bundesregierung

Hamburg - Die Flüchtlingsorganisation Seebrücke Hamburg und die Hamburger Linke haben empört auf Pläne der Bundesregierung reagiert, in Deutschland nur 150 Minderjährige aus dem niedergebrannten Flüchtlingslager Moria aufzunehmen.

Blick auf Teile des ausgebrannten Flüchtlingslagers Moria.
Blick auf Teile des ausgebrannten Flüchtlingslagers Moria.  © Socrates Baltagiannis/dpa

"13.000 Menschen seit Jahren im Dreck und in der Hoffnungslosigkeit leben zu lassen, war schon zutiefst inhuman und zynisch", sagte Lea Reikowski von der Seebrücke Hamburg am Freitag. 

Jetzt nach der Zerstörung des Lagers auf der griechischen Insel Lesbos die sofortige Evakuierung zu verweigern und nicht allen zu helfen, sei ein Verbrechen. "Wer bei einem Verkehrsunfall abwartet, ob nicht andere etwas tun, anstatt selbst zu helfen, macht sich strafbar. Das Verhalten der Bundesregierung ist nicht anders zu bewerten".

Bei 150 minderjährigen Flüchtlingen für ganz Deutschland bedeute dies für Hamburg, dass die Hansestadt nach dem Königsteiner Schlüssel gerade einmal drei bis vier Kinder aufnehmen müsste, kritisierte die Linksfraktion. 

Deren flüchtlingspolitische Sprecherin Carola Ensslen forderte vom Senat ein Bekenntnis zur Aufnahme von mindestens 1000 Geflüchteten aus Moria. 

Gleichzeitig rief sie zur Teilnahme an der Demonstration "United against Racism" am Samstag um 14 Uhr auf dem Rathausmarkt auf, an der sich auch die Seebrücke beteiligen will.

Seebrücke appelliert auch an den Hamburger Senat

Aktivisten der Seebrücke Hamburg demonstrieren auf dem Rathausmarkt für die Aufnahme von Flüchtlingen.
Aktivisten der Seebrücke Hamburg demonstrieren auf dem Rathausmarkt für die Aufnahme von Flüchtlingen.  © Markus Scholz/dpa

Die Flüchtlingsorganisation nahm auch den rot-grünen Senat in die Pflicht, der wiederholt die Bereitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingen signalisiert hat. "Schöne Worte haben wir schon viele gehört, aber stets fehlte der Hamburger Politik der ernsthafte Wille, diesen Worten auch Taten folgen zu lassen", erklärte Christoph Kleine von der Seebrücke.

Er forderte den Senat auf, 1000 Menschen aus Moria in Hamburg aufzunehmen und bei einer Weigerung des Bundesinnenministeriums dagegen zu klagen.

Das Lager Moria war in der Nacht zum Mittwoch bei mehreren zeitgleichen Bränden fast vollständig zerstört worden (TAG24 berichtete). Statt der vorgesehenen rund 3000 Migranten waren dort mehr als 12.000 Menschen untergebracht.

Die griechische Regierung erteilte einer schnellen Verlegung weiterer Flüchtlinge eine Absage und stellte gezielte Brandstiftung als Auslöser fest.

Titelfoto: Socrates Baltagiannis/dpa

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