Nach Rettung von Flüchtlingen: Strafbefehl gegen Kapitän Reisch aufgehoben

München - Den Strafbefehl gegen den deutschen Kapitän Claus-Peter Reisch (60) wegen einer Flüchtlingsrettung hat ein Gericht in Italien ausgesetzt.

Kapitän Claus-Peter Reisch (60) im Jahr 2019 auf dem Deck des Rettungsschiffes "Eleonore".
Kapitän Claus-Peter Reisch (60) im Jahr 2019 auf dem Deck des Rettungsschiffes "Eleonore".  © Johannes Filous/dpa

Das Zivilgericht in Ragusa habe die Strafe von 300.000 Euro aufgehoben, sagte Reisch aus Landsberg am Lech der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag.

Auch die Beschlagnahmung seines Schiffes "Eleonore" sei aufgehoben worden.

Er war im September 2019 mit dem Schiff und mehr als 100 Flüchtlingen nach einer Blockade auf stürmischer See in den Hafen von Pozzallo eingefahren, obwohl ein Hafenverbot des einstigen Innenministers Matteo Salvini (48) galt.

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Die "Eleonore" wurde festgesetzt. Das Schiff werde keine solchen Einsätze mehr fahren, sagte Reisch.

Das Urteil zeige, dass internationales Recht über dem Willen eines einzelnen Ministers stehe. "Es lässt sich auch festhalten, dass Seenotrettung und Menschlichkeit nie und nimmer ein Verbrechen sind."

Salvini von der rechten Lega hatte mehrere Rettungsschiffe tage- oder wochenlang auf dem Meer blockiert und mit seinen Sicherheitsdekreten international für Aufruhr gesorgt.

Reisch ist in der Seenotretterszene bekannt. In Malta stand er vor Gericht, weil er das Schiff "Lifeline" mit mehr als 230 Migranten im Juni 2018 in maltesische Gewässer gesteuert hatte. Er wurde letztlich freigesprochen.

Titelfoto: Johannes Filous/dpa

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