Rund 1800 minderjährige Flüchtlinge werden vermisst

Berlin - Knapp 1800 minderjährige Flüchtlinge werden in Deutschland vermisst. Der Umgang der Bundesregierung mit den Flüchtlingskindern wird von der Linksfraktion und Flüchtlingsverbänden scharf kritisiert.

Zwei Migranten an der türkisch-griechischen Grenze.
Zwei Migranten an der türkisch-griechischen Grenze.  © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Wie die Berliner Morgenpost berichtet, werden zum Stand Ende März 1074 Jugendliche und 711 Kinder vermisst. Demnach sind das 1785 unbegleitete, unauffindbare Flüchtlingskinder, wie als Antwort auf Anfrage der Linkspartei von der Bundesregierung hervorgeht.

Dabei ist die Zahl der vermissten Flüchtlingskinder bereits gesunken. Im Jahr 2018 waren es noch über 4000, im Jahr 2019 rund 3200 Fälle.

Laut den offiziellen Angaben stammen die meisten der vermissten Kinder und Jugendlichen ohne Familien in Deutschland aus Syrien, Marokko, Somalia, Guinea und Afghanistan.

In den vergangenen drei Jahren wurden rund 21.000 Fälle aufgeklärt. Dass die Zahl der vermissten Flüchtlingskinder in diesem Jahr so stark gesunken ist, hat hauptsächlich zwei Gründe.

Zum einen kamen viel weniger Asylbewerber im Vorjahr nach Deutschland. Zum anderen fallen viele Jugendliche, die ihr 18. Lebensjahr erreichen, aus der Statistik heraus.

Die Hauptgründe für das Verschwinden der Minderjährigen sind laut Bundesregierung vielfältig. Doch besonders oft wird die Weiterreise zu Familienangehörigen genannt oder die Unzufriedenheit der Unterkunft und der Verteilung.

Kritik am Umgang der Verteilung

Syrische Flüchtlingskinder in der türkischen Grenzstadt Edirne.
Syrische Flüchtlingskinder in der türkischen Grenzstadt Edirne.  © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Die Verteilung der unbegleiteten Flüchtlinge richtet sich meist nach den Quoten der Kommune. Es spielt oft keine Rolle, wo sich Familienangehörige oder vertraute Personen der Flüchtlingskinder aufhalten. Das sei ein großer Grund, weshalb die jungen Menschen meist freiwillig abtauchen.

Zudem laufen die minderjährigen Migranten Gefahr, Opfer durch Menschenhändler zu werden. 

Der Innenexperte der Linken im Bundestag sagte, dass es Betreibern der Aufnahmeeinrichtungen für Asylsuchende häufig für die richtige Qualifikation für den Umgang der Kinder fehle.

Er betonte, wie wichtig es wäre, die Bedürfnisse der Kinder bei dem Ort der Unterbringung stärker zu berücksichtigen.

Die Bundesregierung regierte auf diese Kritik. Sie hebt hervor, dass die derzeitige Methode zur Verteilung der Flüchtlingskinder ein "sehr gut funktionierendes Instrument" sei.

Das Wohl der Kinder und die Verteilgerechtigkeit zwischen den Ländern werden sichergestellt. Zudem sollen die familiären Bindungen immer berücksichtigt werden.

Das Jugendamt wirkt auf eine Zusammenführung des Kindes mit seinen Familienangehörigen, so das Bundesfamilienministerium, hin.

Deutschland hatte sich dazu bereit erklärt, weitere unbegleitete Flüchtlinge aufzunehmen. Nach derzeitigen Stand könnten so 1600 Kinder von Griechenland in andere EU-Staaten verteilt werden. Die SPD plädiert dafür, noch mehr Kinder aufzunehmen. 

Titelfoto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

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