Schleuser kassieren dafür ab: Fünf Migranten harren 48 Stunden auf Lkw-Auflieger aus

Stephanskirchen/Rosenheim - Nur einen Tag nachdem der Bundespolizei in Rohrdorf am Inn illegal eingereiste Migranten auf einem Lkw-Auflieger ins Netz gingen, haben Beamte nun eine Schleusung in einem Gewerbepark in Stephanskirchen (Landkreis Rosenheim) gestoppt.

Zwei Tage und Nächte verbrachten die afghanischen Männer offenbar zwischen der Ladung (r.).
Zwei Tage und Nächte verbrachten die afghanischen Männer offenbar zwischen der Ladung (r.).  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Bundespolizei (Bildmontage)

Am Dienstag sprangen dort plötzlich fünf Männer beim Entladen eines Lastwagens von der Ladefläche und rannten davon. Die fünf Afghanen hatten sich offenbar zwischen der Ladung versteckt, wie die Beamten am Mittwoch mitteilten.

Erkenntnissen der Bundespolizei in Rosenheim zufolge sind skrupellose Schleuser für diese lebensgefährliche Fahrt bei niedrigen Temperaturen von Rumänien nach Deutschland verantwortlich.

Ein Zeuge alarmierte die Polizei, die die Geflüchteten in der Nähe des Gewerbeparks in Gewahrsam nahmen.

Der bulgarischen Lkw-Fahrer versicherte, dass er von den Menschen im Auflieger nichts gewusst habe. Die Migranten sagten aus, dass sie sich in einer "Nacht und Nebelaktion" Zutritt zu der Ladefläche verschafft hatten.

Die zwei Jungen im Alter von 15 und 16 Jahren sowie die drei Männer, 18, 22 und 29 Jahre alt, wurden zur Bundespolizeidienststelle nach Rosenheim gebracht. 

Den Ermittlern gegenüber schilderten sie, dass sie die Flucht aus ihrer Heimat schon vor Monaten angetreten hätten. Der 29-Jährige erklärte, sein Haus verkauft zu haben, um die Schleuser bezahlen zu können. 

Schleuser kassieren Tausende von Euro

Übereinstimmend schilderten die fünf afghanischen Staatsangehörigen, dass sie unabhängig voneinander über die Türkei nach Europa gekommen wären. Die Fahrt auf der Ladefläche sei die letzte Etappe gewesen. Allein hierfür hätten die Schlepper zwischen 2000 und 2500 Euro pro Person verlangt.

Einer der Schleuser habe sie in Rumänien nachts zu dem Lkw geführt und die Plane des Aufliegers geöffnet. Nachdem alle hineingeklettert waren, habe der Mann diese wieder verschlossen. Zwei Tage und zwei Nächte mussten die fünf Afghanen eigenen Angaben zufolge in dem Anhänger zwischen der Ladung ausharren.

Die zwei Minderjährigen wurden am Mittwochvormittag der Obhut des zuständigen Jugendamtes anvertraut.

Der 29-Jährige Afghane wurde einer Aufnahmestelle für Flüchtlinge zugeleitet. Die beiden anderen Erwachsenen werden wohl wieder abgeschoben. Sie waren bereits vor einigen Monaten von Aufnahmebehörden in Griechenland beziehungsweise Rumänien registriert worden. 

Titelfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Bundespolizei (Bildmontage)

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