Sea-Eye beklagt "Schikane": Italien schickt Migranten zu anderem Hafen

Rom - Italien hat das deutsche Hilfsschiff "Sea-Eye 4" mit mehr als 400 Migranten an Bord in die Stadt Pozzallo geschickt, obwohl es sich am anderen Ende der Mittelmeerinsel Sizilien befand.

Wird das Seenotrettungsschiff "Sea-Eye 4" von Italien schikaniert?
Wird das Seenotrettungsschiff "Sea-Eye 4" von Italien schikaniert?  © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Die private Betreiberorganisation Sea-Eye aus Regensburg äußerte am Donnerstag Kritik an der Entscheidung. "Es ist für uns völlig unverständlich, dass Pozzallo der nächste sichere Hafen für die Menschen sein soll, wo wir doch in Palermo sind", sagte Sprecher Gorden Isler der dpa. Die Maßnahme könne als "Schikane" eingestuft werden.

Italien hatte die offizielle Anweisung zur Fahrt in den Hafen südöstlich von Ragusa laut der Nachrichtenagentur Ansa am Mittwochabend erteilt. Zuvor hatte das Schiff Palermo angesteuert, wo der Bürgermeister sich offen für Hilfe gezeigt hatte.

Am Mittwochnachmittag war Sea-Eye zufolge ein junger Mann aus der Gruppe der 415 Bootsmigranten von der Küstenwache wegen eines Herzleidens abgeholt worden.

Messerattacke in Asylheim: 35-Jähriger tot, weiterer Mann schwer verletzt
Flüchtlinge Messerattacke in Asylheim: 35-Jähriger tot, weiterer Mann schwer verletzt

"Die Geretteten, darunter etwa 150 Kinder und auch schwangere Frauen, müssen wegen der Fahrt noch mal zwei Nächte auf dem Schiff verbringen", erläuterte Isler. Es gehe Rom offenbar darum, "auch künftig unsere Missionen zu verzögern".

Unterdessen gaben die italienischen Behörden ein anderes Schiff, die "Sea-Watch 3", nach 59 Tagen vorläufig frei, wie die deutsche Organisation Sea-Watch auf Twitter mitteilte. Die Küstenwache hatte das Schiff im März in Augusta auf Sizilien festgesetzt und Sicherheitsbedenken angeführt. Nun bekam die "Sea-Watch 3" eine "einmalige Fahrerlaubnis" in eine Werft nach Spanien, hieß es.

Flüchtlinge brechen meist von Libyen und Tunesien nach Italien auf

Die Bootsmigranten brechen meist von Libyen und Tunesien in Richtung Italien auf. Nach UN-Angaben starben 2021 schon mehr als 575 Menschen beim Versuch, das zentrale Mittelmeer zu überqueren. Auf der italienischen Insel Lampedusa kamen kürzlich an einem Wochenende mehr als 2000 Geflüchtete an.

Titelfoto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema Flüchtlinge: