Situation in Belarus spitzt sich zu: Massenhaft Flüchtlinge durchbrechen Grenze

Warschau - Zwei größere Gruppen von Migranten haben auf ihrem erhofften Weg in die EU die Grenze von Belarus nach Polen durchbrochen.

Deutsche Aktivisten der Initiativen Seebrücke und LeaveNoOneBehind lieferten Hilfsgüter an die Grenze zwischen Polen und Belarus.
Deutsche Aktivisten der Initiativen Seebrücke und LeaveNoOneBehind lieferten Hilfsgüter an die Grenze zwischen Polen und Belarus.  © Michael Kappeler/dpa

Mehreren Dutzend Migranten sei es gelungen, Zäune in der Nähe der Dörfer Krynki und Białowieża zu zerstören und die Grenze zu passieren, berichtete die polnische Nachrichtenagentur PAP am späten Dienstagabend unter Berufung auf den örtlichen Sender Białystok.

Der Sender zitierte eine Sprecherin des Grenzschutzes, dass in beiden Fällen Zäune und Barrieren gewaltsam niedergerissen worden seien.

Einige der Migranten seien nach Belarus zurückgebracht worden, andere seien auf freien Fuß.

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Der belarussische Grenzschutz veröffentlichte Bilder mehrerer Menschen, die am Kopf und an den Händen bluteten. Zu sehen waren tiefe Schnittwunden in Handflächen, nachdem Menschen versucht hätten, die Stacheldrahtzäune zu überwinden.

Es handele sich um Kurden. Sie hätten medizinische Hilfe bekommen, hieß es.

Überprüfbar waren die von der autoritär geführten Ex-Sowjetrepublik am Morgen veröffentlichten Nachtaufnahmen nicht. Gezeigt wurden auch Dutzende Menschen, die in Zelten und an Lagerfeuern ausharrten. Es war zudem ein weinendes Kind zu hören.

Die belarussische Staatspropaganda wirft den polnischen Sicherheitskräften ein brutales Vorgehen gegen die Schutzsuchenden vor.

Alexander Lukaschenko weist Anschuldigungen gegen ihn zurück

Belarussische Soldaten hielten am Dienstag Wache, während die Migranten sich an der Grenze zu Polen versammelten. Am Abend spitzte sich die Situation zu.
Belarussische Soldaten hielten am Dienstag Wache, während die Migranten sich an der Grenze zu Polen versammelten. Am Abend spitzte sich die Situation zu.  © Leonid Shcheglov/BelTA/AP/dpa

Auf der belarussischen Seite befänden sich Hunderte Menschen. Nach Angaben der polnischen Behörden hätten die Flüchtlinge von belarussischen Organisationen Lebensmittel erhalten, hieß es weiter.

Das EU-Mitglied Polen hat Tausende Soldaten an der Grenze stationiert, die einen Durchbruch an den Anlagen mit Stacheldraht verhindern sollen.

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko (67) hatte am Dienstag gefordert, die Menschen durchzulassen.

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Sie wollten sich nicht in Polen niederlassen, sondern vor allem in Deutschland, sagte er in einem Interview.

Der als "letzter Diktator Europas" verschriene Politiker steht im Ruf, die Menschen aus Krisenstaaten wie Syrien, Afghanistan, Libyen und Irak gezielt einfliegen zu lassen, um sie dann in Richtung EU-Grenze zu schleusen.

Lukaschenko hatte die Anschuldigungen zurückgewiesen und internationale Schleusernetzwerke für die Organisation der Reisen der Menschen verantwortlich gemacht.

Er räumte erneut ein, die Migranten auf ihrem Weg in die EU nicht mehr aufzuhalten.

Titelfoto: Michael Kappeler/dpa

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