Flughafen schlachtet letzte Lufthansa-Legende aus

Hamburg - Ein Stück Luftfahrt-Geschichte verschwindet aus Hamburg! Der Hamburger Flughafen trennt sich von einem Museumsflugzeug.

Die Boeing 707-430 steht derzeit im nördlichen Bereich des Flughafengeländes nahe der Betriebsfeuerwehr.
Die Boeing 707-430 steht derzeit im nördlichen Bereich des Flughafengeländes nahe der Betriebsfeuerwehr.  © Hamburg Airport/Oliver Sorg

Es handelt sich dabei um die mehr als 60 Jahre alte Maschine Boeing 707-430 mit dem Kennzeichen D-ABOD. Es ist die einzige von fünf Maschinen des Typs, die für die Lufthansa flogen.

"Mehrere Versuche des Hamburger Flughafens, das historische Flugzeug zu übergeben und als Ausstellungsstück zu erhalten, sind leider gescheitert", teilte die Gesellschaft am Mittwoch mit.

Ein schwerer Schlag für Aviation-Fans: Die letzte Boeing 707-430 der Lufthansa wird nun ausgeschlachtet.

In feinem PR-Deutsch heißt das: "Hamburg Airport hat sich daher entschlossen, die Maschine zu verwerten." Es wird also geprüft, was sich zu Geld machen lässt.

Dafür soll der Jet ab Frühjahr zurückgebaut werden. Besonders interessante Einzelteile werden vom Auktionshaus Dechow versteigert. Dazu zählen Elemente aus dem Cockpit, aus gesuchte Beleuchtungselemente und Teile der Klappen an den Tragflächen.

So könne die 707-430 nach Flughafenangaben "zumindest in Teilen wieder zu neuem Leben erweckt und für die Nachwelt erhalten werden". Der Rest dürfte verschrottet werden.

Die Boeing 707-430 hatte für Hamburg große Bedeutung

Eine baugleiche Boeing 707-430 der Lufthansa im Flug. Die Fluggesellschaft nutzte die Maschinen von 1960 bis 1977.
Eine baugleiche Boeing 707-430 der Lufthansa im Flug. Die Fluggesellschaft nutzte die Maschinen von 1960 bis 1977.  © Lufthansa dpa/lno
Die erste Boeing B 707-430 der Lufthansa trifft am 2. März 1960 in Hamburg ein und eröffnet damit das Düsenzeitalter im Linienverkehr. Im Hintergrund steht eine Convair 340.
Die erste Boeing B 707-430 der Lufthansa trifft am 2. März 1960 in Hamburg ein und eröffnet damit das Düsenzeitalter im Linienverkehr. Im Hintergrund steht eine Convair 340.  © Hamburg Airport/Michael Penner

Der Flughafen Hamburg trennt sich von dem Flugzeug, da die Corona-Krise geschätzte 130 Millionen Euro Verlust - Stand November 2020, also vor dem zweiten Lockdown - gebracht hat.

Im Zuge der "wirtschaftlich schwierigen Situation" wurden Kosten und Strukturen überprüft. Ergebnis: Den Unterhalt für das Museumsstück kann und will sich der Flughafen nicht mehr leisten.

Dabei verbindet die Maschine viel mit der Hansestadt.

Im Jahr 1960 läutet sie für Lufthansa das Düsenzeitalter ein und flog bis 1975 unter den Namen "Frankfurt" für die Fluggesellschaft.

Danach wurde der Jet fest in Hamburg stationiert und diente den angehenden Flugzeug-Technikern zur Ausbildung, bis sie durch modernen Methoden ersetzt wurde. Im Jahr 1999 kaufte der Hamburger Flughafen die Maschine für einen symbolischen Euro.

Seitdem stand sie nicht nur als Anschauungsobjekt für Luftfahrtfreunde am Flughafen, sondern diente auch als Kulisse mehrerer Filmproduktionen. In "Deutschlandspiel" (2000), "Kick it like Beckham" (2002), "Im Schatten der Macht" (2003) und "Rocca verändert die Welt" (2019) war sie zu sehen.

Außerdem trainierten Flughafenfeuerwehr, Rettungskräfte, Polizei und Flugzeugenteiser mit dem Jet. Für sie wird nun nach einem Ersatz gesucht.

Titelfoto: Hamburg Airport/Oliver Sorg

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