Mit einziger Gruppe Ostdeutschlands: Sommerlager der Akademischen Flieger

Stendal/Dresden - Zum dritten Mal haben die akademischen Flieger ihr Sommerlager auf dem Flugplatz Stendal Borstel aufgebaut. Unter den fliegenden Studierenden war auch die einzige ostdeutsche akademische Fliegergruppe aus Dresden.

Davide Schulz von der Akaflieg Dresden.
Davide Schulz von der Akaflieg Dresden.  © Annette Schneider-Solis/-/

In Reih und Glied sind die Segelflugzeuge auf dem Rasen neben der Start- und Landebahn aufgestellt und warten auf passendes Wetter. Damit haben die akademischen Flieger in diesem Jahr nicht viel Glück gehabt, denn für den Segelflug braucht es Thermik. Doch die flugfreie Zeit wurde genutzt - mit Vorträgen, Diskussionen, Fachsimpeleien.

Bis zu 150 Teilnehmer gleichzeitig sind in diesem Jahr zum Sommerlager des akademischen Fliegernachwuchses nach Stendal gekommen. Der Flugplatz in der Altmark ist zum dritten Mal Schauplatz und soll es auch im kommenden Jahr wieder sein.

Zum vierten Mal war Davide Schulz dabei. Er studiert an der TU Dresden Luft- und Raumfahrt. Der angehende Diplomingenieur hat sich die Hochschule ausgesucht, weil es dort eine sogenannte Akaflieg Gruppe gibt, eine akademische Fliegergruppe.

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"Ich habe Modellflug gemacht und wollte unbedingt an eine Hochschule mit einer Akaflieg Gruppe. Ich weiß, dass man da coole Projekte realisieren und gleich Anschluss finden kann in einer neuen Stadt", sagt der Berliner. Sein erstes Unternehmen bei der Akaflieg war wie bei vielen anderen Studierenden der Pilotenschein.

Die Akaflieg Dresden ist die einzige Gruppe in Ostdeutschland. "Zu DDR-Zeiten gab es nur die GST", weiß Schulz und verweist damit auf die damalige Gesellschaft für Sport und Technik. "1998 hatte die spätere Gründerin Kontakt zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und dort von den Akafliegs erfahren. Daraufhin wurde die Gruppe neu gegründet."

Flugzeuge noch im Dunkeln aus dem Hangar schieben

Idaflieg-Sprecher Fernando Trabucchi mit der Nimeta von Ex-Weltmeister Bruno Gantenbrink.
Idaflieg-Sprecher Fernando Trabucchi mit der Nimeta von Ex-Weltmeister Bruno Gantenbrink.  © Annette Schneider-Solis/dpa-Zentralbild/dpa

Mit 25 mehr oder weniger aktiven Mitgliedern gehören die Dresdner zu den Kleineren. Unter ihnen sind Flugzeug- oder Maschinenbauer, Mediziner, Chemiker und Landschaftsgärtner. Sie alle eint die Leidenschaft für die Luftfahrt.

"Unser größtes Projekt in Dresden ist die Konstruktion der DB11, eines doppelsitzigen Schulflugzeugs, das auch als Messplattform genutzt werden kann. Wir legen großen Wert auf Sicherheit, sodass bei einem Crash möglichst keine Verletzungen auftreten", erklärt Schulz.

Bei der Messplattform betrachten die Studierenden die Kräfte, die auf Flügel und Rumpf wirken. Dafür werden die Flugzeuge in die Luft geschickt, gespickt mit Messinstrumenten und begleitet von einem Referenzflugzeug.

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Früh am Morgen, wenn die ersten Sonnenstrahlen den Tau aus den Wiesen verdunsten lassen, ist die beste Zeit für diese Messungen. Dass Studierende noch im Dunklen die Flugzeuge aus dem Hangar schieben und startklar machen, ist im Sommerlager normal. Obwohl an den Abenden noch lange debattiert und geklönt wird.

"Hauptziel unseres Sommerlagers ist es, dass wir Flugeigenschaften und Flugleistungen von Flugzeugen genau ermitteln", erklärt Fernando Trabucchi, Sprecher von Idaflieg, der Interessengemeinschaft von Akaflieg. "Einmal werden die Flugleistungen im Vergleich zu einem Referenzflugzeug vermessen. Daneben zachern wir, das heißt, wir vermessen die Flugeigenschaften von Prototypen und Serienflugzeugen in der Luft."

"Hier fliegen immer interessante Prototypen und Einzelmodelle herum"

Segelflugzeuge in Reih und Glied: Im Sommerlager der akademischen Flieger starten auch besondere Prototypen und Einzelmodelle.
Segelflugzeuge in Reih und Glied: Im Sommerlager der akademischen Flieger starten auch besondere Prototypen und Einzelmodelle.  © Annette Schneider-Solis/-/

Das geschieht in Kooperation mit dem DLR, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Die Ergebnisse werden in eine Datenbank eingetragen, die potenziellen Käufern die Entscheidung für ein Flugzeug erleichtern soll.

Bei vielen Studierenden beeinflusst die Arbeit in der Akaflieg das spätere Leben. In den Projekten lernen sie, zielgerichtet über lange Zeit im Team zu arbeiten. Etliche Themen für Diplom-, Bachelor- oder Masterarbeiten werden hier geboren, viele Stunden wissenschaftliche Arbeit geleistet.

Davon wiederum profitiert die Wirtschaft, die sich diese zeitaufwendigen Forschungsarbeiten gar nicht leisten kann. "Die meisten Unternehmen sind klein, haben wenige Mitarbeiter", erklärt Trabucchi.

Allerdings sind auch die Projekte für die Studierenden zeitfressend, sodass das Studium meist länger dauert. Schulz etwa studiert derzeit im zehnten Semester und rechnet mit vier weiteren. Danach wollte er ursprünglich wieder zu dem Triebwerkshersteller, bei dem er eine Ausbildung zum Fluggerätemechaniker gemacht hat. Inzwischen will er lieber in den Kleinflugzeugbau.

Das Sommerlager ist für Schulz eine tolle Veranstaltung, weil man viele Gleichgesinnte aus ganz Deutschland kennenlernt oder wiedertrifft. Weil man Freundschaften schließen, Messungen durchführen und mal andere Flugzeuge fliegen kann.

"Hier fliegen immer interessante Prototypen und Einzelmodelle herum." Dazu gehört etwa der größte Einsitzer der Welt mit einer Flügelspannweite von über 30 Metern. Es gehört Ex-Weltmeister Bruno Gantenbrink und wurde in diesem Jahr in Stendal vermessen.

Titelfoto: Annette Schneider-Solis/dpa-Zentralbild/dpa

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