Nach Milliarden-Verlust: Lufthansa droht Personal mit Entlassungen

Frankfurt am Main - Nach einem erneut Milliarden schweren Quartals-Verlust hat die Lufthansa ihrem Personal erstmals mit Betriebs-bedingten Kündigungen gedroht.

Zur Jahreshälfte beträgt der Konzernverlust bei der Lufthansa bereits 3,62 Milliarden Euro. (Archivbild)
Zur Jahreshälfte beträgt der Konzernverlust bei der Lufthansa bereits 3,62 Milliarden Euro. (Archivbild)  © dpa/Boris Rössler

Bei Vorlage der Halbjahreszahlen zeigte sich Vorstandschef Carsten Spohr am Donnerstag enttäuscht über die weiter heftigen Corona-Einschränkungen im Luftverkehr sowie über die schleppenden Verhandlungen zu Sparbeiträgen des Personals in Deutschland.

Es sei daher nicht mehr realistisch, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, erklärte der Chef der mit neun Milliarden Euro Staatshilfe gestützten Lufthansa.

Der Zusammenbruch des Flugverkehrs in der Corona-Pandemie hat dem MDax-Konzern im zweiten Quartal einen Nettoverlust von 1,5 Milliarden Euro eingebrockt - im Vorjahreszeitraum stand noch ein Gewinn von 226 Millionen Euro.

Einzig das Rekord-Ergebnis der Frachttochter Lufthansa Cargo, die von der stark gestiegenen Nachfrage nach Fracht-Flügen profitierte, linderte das tiefrote Zahlenwerk.

Zur Jahreshälfte beträgt der Konzernverlust damit schon 3,62 Milliarden Euro, was auch für das Gesamtjahr einen deutlichen Milliarden-Verlust erwarten lässt.

Lufthansa-Chef macht Gewerkschaften für schleppende Verhandlungen verantwortlich

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG.
Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Das Unternehmen versuche mit allen Mitteln gegenzusteuern, wie Spohr betonte: Die Kosten sollen bis 2023 um 15 Prozent sinken und die Flotte mindestens 100 Flugzeuge kleiner werden, dabei aber das Gleiche leisten wie vergangenes Jahr.

Auch von seinen Dienstleistern wie den Flughäfen verlangt der Lufthansa-Konzern Sparbeiträge, wozu bislang nur der Frankfurter Betreiber Fraport nicht bereit sei. Spohr drohte damit, Flüge bevorzugt an günstigeren Flughäfen zu planen.

Beim Personalabbau sei man aber fast nur im Ausland vorangekommen, sodass die Zahl der Konzern-Beschäftigten seit einem Jahr um knapp 8300 auf 129.400 gesunken sei.

In Deutschland, wo 11.000 der 22.000 einzusparenden Stellen verortet sind, sei bisher kaum etwas passiert. "Es gibt keine Airline auf dieser Welt, die ohne Entlassungen auskommt. Ich wäre gerne die einzige gewesen", sagte Spohr.

Verantwortlich für die schleppenden Verhandlungen machte er die Gewerkschaften Verdi und Vereinigung Cockpit (VC), mit denen seit Monaten über alternative Sparmöglichkeiten wie Teilzeit und Ruhestands-Regelungen gesprochen wird.

Auch die Mitglieder der Kabinen-Gewerkschaft Ufo haben dem erreichten Eckpunkte-Papier, mit dem 2600 Entlassungen verhindert werden sollen, noch nicht zugestimmt.

"Es geht mir viel zu langsam", kritisierte Spohr. "Selbst mit der Bundesregierung waren wir schneller als mit den Gewerkschaften am Boden und im Cockpit."

Gewerkschaft Ufo: "Jetzt mit Kündigungen zu drohen, ist unnötig"

Ufo-Geschäftsführer Nicoley Baublies weist Lufthansa-Kritik zurück (Archivbild).
Ufo-Geschäftsführer Nicoley Baublies weist Lufthansa-Kritik zurück (Archivbild).  © dpa/Frank Rumpenhorst

Die Gewerkschaften wiesen Spohrs Kritik zurück. Ein Krisen-Paket müsse auch die mittelfristige Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sichern und Schutz vor Ausgründungen bieten, forderte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle.

Sie vertritt viele Mitglieder bei der Wartungstochter Lufthansa Technik, für die der Konzern verschiedene Optionen wie einen Teilbörsengang oder die Einbringung in ein Gemeinschaftsunternehmen prüft.

Die Ufo mahnte von der Lufthansa erneut konkrete Umsetzungs-Pläne für Arbeitszeit-Verkürzungen, Abfindungen sowie Kurzarbeitergeld an.

"Jetzt mit Kündigungen zu drohen, ist unnötig und in der Kabine sogar vertragswidrig", sagte Ufo-Geschäftsführer Nicoley Baublies. Ein Sprecher der VC verwies auf die laufenden Verhandlungen. Erst nach Abschluss könne man sagen, ob es vereinzelte Personalüberhänge gebe.

Spohr hatte gesagt, dass allein die Lufthansa-Kerngesellschaft 800 Piloten zu viel an Bord hat.

"Auf diese Situation können wir nicht mit den Methoden, Prozessen und Zeithorizonten der Vergangenheit reagieren", betonte der Vorstand in einem Brief an die Mitarbeiter.In den kommenden Wochen solle über die endgültige Stilllegung einzelner Flugzeugtypen und Teilflotten entschieden werden.

Titelfoto: dpa/Boris Rössler

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