Achtjähriger möchte mit Spielgeld zahlen: Hausdurchsuchung, Polizeiakte, Verhör

Diegten - Ein achtjähriger Bub versuchte in einem Schweizer Dorfladen, mit Spielgeld zu zahlen. Diese Aktion löste umfangreiche Ermittlungen der Polizei aus.

Ein kleiner Junge steht in einem Supermarkt. (Symbolbild)
Ein kleiner Junge steht in einem Supermarkt. (Symbolbild)  © 123rf/jollier

Hausdurchsuchung, stundenlange Verhöre und einen Eintrag in die Polizeiakte bis 2032. Was nach einem Schwerverbrecher klingt, ist die Folge eines Vergehens seitens eines kleinen Jungen aus der Schweiz.

Wie die Baseler Zeitung berichtet, kam der Achtjährige am Ende des Monats April auf die Idee, Falschgeld, das er während eines Karnevalsumzugs auf der Straße gesammelt hatte, gegen Waren einzutauschen. 

Die Scheine sind offenkundig unecht. Sie bestehen aus gewöhnlichem Papier ohne Sicherheitsmerkmale und sind mit blauen, chinesischen Schriftzeichen bedruckt.

Der kleine Mann machte sich mit seinem Bruder (10) auf in den hiesigen Dorfladen. Er trat schnurstracks an die Kasse und fragte, ob er mit dem Spielgeld etwas kaufen könne. Die Kassiererin habe auf den ersten Blick das Falschgeld erkannt. Sie bezeichnete die Aktion als "unhöflich" und schickte die Lausbuben weg. Diese entfernten sich umgehend.

Dennoch fühlte sich das Personal des Ladens verpflichtet, die Polizei zu alarmieren. Der Uniformierte am Apparat nahm die Sache sehr ernst. Er forderte die Überwachungsbilder an. Nach rund einem Monat folgte der große Durchbruch, der Achtjährige war identifiziert.

Stundenlange Verhöre ohne Rechtsbelehrung

Gut gefälschte Euro-Scheine liegen auf einem Tisch (Symbolbild). Selten ist es so offensichtlich wie bei dem Spielgeld, dass eine Fälschung vorliegt.
Gut gefälschte Euro-Scheine liegen auf einem Tisch (Symbolbild). Selten ist es so offensichtlich wie bei dem Spielgeld, dass eine Fälschung vorliegt.  © Boris Roessler/dpa

Sonderlich schwierig sollte das eigentlich nicht gewesen sein, immerhin sind die Eltern Kunden des Ladens und ihr Sohnemann trug während des Verbrechens ein Shirt mit dem Logo der Firma seines Vaters. Seine Mama und der Papa zeigten sich kooperationsbereit und auch etwas schockiert. Die Frau befürchtete das Schlimmste.

Am 28. Mai war es dann soweit. Die Buben mussten sich den Folgen ihrer Tat stellen. Wie Schwerverbrecher wurden sie vor eine Kastenwand gestellt und fotografiert. Von der Seite, von vorne. 

Eine Hausdurchsuchung fand ebenfalls statt. Dabei wurden dreimal 50, zweimal 20, fünfmal 10 und dreimal 5 Euro Spielgeld beschlagnahmt. Dies solle weitere Straftaten verhindern, hieß es in der offiziellen Mitteilung der Polizei.

Rund drei Stunden mussten sich die Kinder befragen lassen - ohne Rechtsmittelbelehrung. Der Kleine fragte seine Mutter: "Komme ich nun ins Gefängnis, Mami?" Doch der junge Knirps, welcher als Haupttäter gilt, ist noch nicht strafmündig. 

Daher gab es keine Anklage und somit selbstverständlich auch keine Haft. Jedoch besitzt er nun einen Eintrag im Polizeisystem, welcher erst 2032 gelöscht wird. Gemeinsam mit seinen Eltern muss er zum Präventionsgespräch bei dem Jugenddienst der Baselbieter Polizei.

Titelfoto: 123rf/jollier

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