Frau gab vor, blind zu sein und im Rollstuhl zu sitzen: Ihr Ehemann ahnte jahrelang nichts

Runcorn - Sie wird von ihrem Ehemann als die "gewiefteste Frau aller Zeiten" bezeichnet. Und das vollkommen zu Recht: Christina Pomfrey (65) gab jahrelang vor, blind zu sein und einen Rollstuhl benutzen zu müssen. Sie erschlich sich somit Leistungen in Millionenhöhe.

Die Dame gab an, blind zu sein (Symbolbild). Das war nicht ihre einzige Lüge.
Die Dame gab an, blind zu sein (Symbolbild). Das war nicht ihre einzige Lüge.  © 123RF/bialasiewicz

Nein, er hatte wirklich nichts geahnt, zumindest behauptet das John (60), Ehemann von Christina Pomfrey, gegenüber der DailyMail. Seine Frau hatte bis zu 14.000 Euro monatlich an zusätzlichen Sozialleistungen erschlichen, indem sie betrügerische Behauptungen aufstellte.

John war 15 Jahre lang mit Christina verheiratet und er hatte nicht den Hauch einer Ahnung, was ihm seine Ehefrau alles verschwieg. Vor den Behörden tat sie, als wäre sie blind und müsse im Rollstuhl aufgrund Multipler Sklerose sitzen.

Christina besaß zwei Identitäten, um dieses Versteckspiel aufrechterhalten zu können. Sie erschlich sich so ziemlich jede Leistung, die sie bekommen konnte - von Einkommensunterstützung über Wohngeld bis hin zur Unterhaltsbeihilfe für Behinderte. 

In ihren Höchstzeiten nahm sie über 14.000 Euro monatlich ein, mehr als das fünffache eines durchschnittlichen, britischen Angestellten.

Der Moment, als John begriff, wie sehr ihn seine Frau jahrelang betrogen hatte, kam, als ein Polizist ihm ihren Führerschein zeigte. "Na und", hatte er noch gesagt "Hat nicht jeder einen?" Die Antwort des Polizisten ließ das Weltbild des Mannes in sich zusammenbrechen "Nein - wenn sie blind sind, nicht." 

Nach 15 Jahre Ehe war es das erste Mal gewesen, dass der Brite von der angeblichen Sehschwäche seiner Frau erfuhr. Doch das war erst der Anfang einer skurrilen Geschichte, die letztlich aufdecken sollte, wie eine Großmutter über eine Million Euro von Steuerzahlern ergatterte.

Gefälschte Briefe, kreative Lügengeschichten: Christina war sehr einfallsreich

Einen Rollstuhl benötigte die Großmutter nicht (Symbolbild). Sie besaß jedoch einen für eventuelle Kontrollen durch das Amt.
Einen Rollstuhl benötigte die Großmutter nicht (Symbolbild). Sie besaß jedoch einen für eventuelle Kontrollen durch das Amt.  © 123RF/bialasiewicz

Das betrügerische Genie schlug bereits im Jahr 2002 zu. Damals war Christina noch mit Ehemann Nummer zwei von drei verheiratet. Unter den Familiennamen ihres damaligen Mannes Brown beanspruchte sie Leistungen aus dem Gemeindehaus ihrer Heimatstadt Runcorn. Später forderte sie weitere Almosen unter den Namen von Ehemann Nummer drei, Pomfrey.

Christina gab an, alleinstehend zu sein und keine weiteren finanziellen Mittel zur Verfügung zu haben. Sie schaffe es angeblich nicht, alleine aus dem Bett aufzustehen, sich zu waschen, anzuziehen, den Haushalt zu erledigen, einzukaufen, kurz: jeglicher Aspekt des täglichen Lebens bereitete ihr Schwierigkeiten.

Sie nutzte die Daten von Freunden und Familien, um zu behaupten, dass diese Pflegeleistungen erbrächten. Diese ahnten davon nichts. Die Polizei entdeckte später gefälschte Briefe, die Christina an die Behörden geschickt hatte.

Der 60-jährige Mann stellte sich als komplett unwissend und als Opfer ihrer Taten da. "Sie hat mein Leben zerstört und ich kann ihr das nicht verzeihen. Sie ist die gewiefteste Frau, die ich kenne."

Das Paar hatte sich im Urlaub bei einer Disco getroffen. Damals erzählte Christina ihrem künftigen Ehemann, sie sei reich und besäße zahlreiche Zeitungskioske rund um Liverpool. Die Wirklichkeit sah jedoch etwas anders aus: Sie war Angestellte eines Zeitungsladens und wurde schließlich gefeuert, weil sie aus der Kasse gestohlen hatte.

Christina ist froh, aufgeflogen zu sein

"Sie war aufgeweckt und sprudelnd gewesen" berichtet John. Zudem habe sie ihn niemals um Geld gebeten. Er war bereits einmal 21 Jahre lang verheiratet gewesen. Die Trennung seiner damaligen Frau hatte ihn sehr mitgenommen. Bis er Christina traf. Gemeinsam machten sie oft luxuriöse Urlaube.

Schließlich wurde Christina jedoch unter Beobachtung gestellt. Was oder wer genau den Ausschlag gab, ist nicht bekannt. Sie wurde gefilmt, wie sie allerlei tägliche Arbeiten verrichtete, die sie angeblich durch ihre Krankheiten nicht erledigen konnte.

Im Jahr 2017 wurde sie verhaftet. Ihr Ehemann wurde zunächst auch festgenommen, doch schnell stellte sich heraus, dass der 60-Jährige tatsächlich nichts von den Aktivitäten seiner Frau geahnt hatte. Die 65-Jährige wurde gegen Kaution ebenfalls wieder freigelassen. Die Gerichtsanhörung fand erst vor wenigen Tagen statt. In diesen wurde die ungeheuerliche Summe genannt, die sie sich insgesamt erschlichen hatte: über 1 Millionen Euro!

Christina selbst sagte, dass sie froh ist, dass das Versteckspiel nun ein Ende gefunden hat. Sie wurde zu 3 Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Ihr Ehemann hatte sich von ihr getrennt.

"Ich kann nicht glauben, was für ein Idiot ich gewesen bin", sagt er. "Hier stehe ich nun, ein Mann, der noch nie in seinem Leben eine Kreditkarte hatte und stehe vor dem Nichts."

Titelfoto: 123RF/bialasiewicz

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