Turbulenzen um Greensill Bank: Sind jetzt Millionen futsch?

Bremen - Kommunen in Deutschland bangen um Millionen. Die Turbulenzen der bisher allenfalls Finanzprofis bekannten Bremer Greensill Bank ziehen immer weitere Kreise.

Die Bremer Greensill Bank ist in Schwierigkeiten geraten.
Die Bremer Greensill Bank ist in Schwierigkeiten geraten.  © Sina Schuldt/dpa

Die Stadt Osnabrück hat 14 Millionen Euro und die Stadt Monheim 38 Millionen bei dem Institut angelegt, das die Finanzaufsicht wegen drohender Überschuldung vorerst geschlossen hat. Und es dürften nicht die einzigen Kommunen sein, die um ihr Geld fürchten.

Denn die Greensill Bank AG bot in Zeiten von Null- und Negativzinsen Tages- und Festgeldanlagen zu ungewöhnlich hohen Sparzinsen an - nicht nur Kleinsparer griffen zu.

Nach Information aus Finanzkreisen stehen bei der Bremer Bank rund 3,6 Milliarden Euro an Einlagen im Feuer. Davon sind etwa 3,1 Milliarden Euro durch die gesetzliche Einlagensicherung sowie den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) gesichert. Das gilt vor allem für die Gelder von Privatkunden.

Bund, Länder und Kommunen sowie bestimmte Wertpapierfirmen profitieren seit dem 1. Oktober 2017 nicht mehr von der freiwilligen Einlagensicherung der privaten Institute, die in der Regel wesentlich höher ausfällt als die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro.

Im Fall von Greensill sind nach Angaben des Bankverbandes bis zu knapp 75 Millionen Euro pro Kunde abdeckt. Bevor Anleger entschädigt werden, müsste die Finanzaufsicht Bafin die Insolvenz der Bank und den Entschädigungsfall feststellen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Bafin hat das Geschäft der Greensill Bank geschlossen. (Archivbild)
Die Bafin hat das Geschäft der Greensill Bank geschlossen. (Archivbild)  © Boris Roessler/dpa

Bereits in der Vergangenheit sind Kommunen mit ihren Geldanlagen in Turbulenzen geraten. So hatten Kommunen der US-Investmentbank Lehman ihr Geld anvertraut, die im September 2008 in die Pleite stürzte und so eine weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise auslöste.

Die Bafin hatte die Bremer Tochter des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill in dieser Woche für den Kundenverkehr geschlossen. Bei einer Sonderprüfung sei festgestellt worden, dass das Institut nicht in der Lage sei, "den Nachweis über die Existenz von bilanzierten Forderungen zu erbringen, die sie von der GFG Alliance Group angekauft hat".

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Greensill Bank AG, die Bafin hatte zuvor Strafanzeige gestellt. Dem Vernehmen nach geht es um den Vorwurf der Bilanzfälschung.

Auch Finanzprofis wie die Schweizer Großbank Credit Suisse hatten mit dem umstrittenen britisch-australischen Finanzkonglomerat Greensill Geschäfte gemacht. Die Bank schließt nun vier Investmentfonds, so genannte Lieferketten-Finanzierungs-Fonds (Supply-Chain-Finance). Das Volumen der Fonds betrage zusammen etwa 8,4 Milliarden Euro.

Privatanleger haben Greensill Bank über Zinsportale Geld geliehen

Die Großbank Credit Suisse hat wegen der Turbulenzen vier Fonds geschlossen. (Archivbild)
Die Großbank Credit Suisse hat wegen der Turbulenzen vier Fonds geschlossen. (Archivbild)  © Steffen Schmidt/epa/dpa

Die Fonds handelten mit Lieferantenforderungen. Greensill hatte das Geschäftsmodell entwickelt, Lieferanten offene Rechnungen abzukaufen. Er bezahlte die Lieferanten sofort, mit einem Abschlag, und machte Gewinn, wenn die Schuldner die Rechnungen später voll bezahlten. Die Bremer Tochter sorgte innerhalb der Greensill-Gruppe für die nötigen frischen Gelder für das Geschäft der Lieferkettenfinanzierung.

Die Anlagen wurden im Internet auch auf Portalen wie "Weltsparen" oder "Zinspilot" beworben. Zinsportale verteidigen das Vermitteln von Spareinlagen an die Greensill Bank. Man arbeite nur mit lizenzierten Instituten zusammen, die der jeweiligen Bankenaufsicht und teilweise weiteren Kontrollgremien unterlägen, teilte die Berliner Finanzfirma Raisin mit, die hinter dem Portal "Weltsparen" steht.

"Einlagen sind eine äußert sichere Anlageform", betonte die Hamburger Firma Deposit Solutions, die die Portale "Zinspilot" und "Savedo" betreibt.

Deposit Solutions kooperiere nur mit Banken, die eine Erlaubnis zum Einsammeln von Privatkundeneinlagen hätten und deren Kundeneinlagen durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt seien. Die Zusammenarbeit mit Greensill habe man inzwischen beendet.

Titelfoto: Sina Schuldt/dpa

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