Aktienmarkt in Aufruhr: Wirecard-Chef Braun tritt zurück

Aschheim - Dem in einen Bilanzskandal verwickelten Dax-Konzern Wirecard droht der Verlust von Milliardenkrediten. 

Ein Schild mit der Aufschrift "wirecard" hängt während der Wirecard-Hauptversammlung 2019 im Tagungsgebäude in München.
Ein Schild mit der Aufschrift "wirecard" hängt während der Wirecard-Hauptversammlung 2019 im Tagungsgebäude in München.  © Peter Kneffel/dpa

Wenn das Unternehmen heute (Freitag) keinen von Wirtschaftsprüfern testierten Jahres- und Konzernabschluss vorlegt, könnten Kredite von etwa zwei Milliarden Euro gekündigt werden. 

Das hatte der Zahlungsdienstleister am Donnerstag bekannt gegeben.

Wirecard wickelt bargeldlose Zahlungen für Händler ab, sowohl an Ladenkassen als auch online. Das Unternehmen ist seit über einem Jahr in Bedrängnis, seit die Londoner "Financial Times" dem Management in einer Serie von Artikeln Bilanzmanipulationen vorwarf. 

Am Donnerstag hatte Wirecard schließlich offenbart, dass die Bilanzprüfer Zweifel an der Existenz von 1,9 Milliarden Euro haben, die auf Treuhandkonten in Asien verbucht wurden (TAG24 berichtete).

Deswegen hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY (Ernst & Young) auch den Jahresabschluss nicht testiert. Ernst & Young vermutet Täuschungsabsicht. 

Wirecard fürchtet einen "gigantischen" Milliardenbetrug und will Strafanzeige erstatten.

Finanzaufsicht Bafin und die Münchner Staatsanwaltschaft wollen den Fall unter die Lupe nehmen

Markus Braun, Geschäftsführer bei Wirecard, spricht während der Innovationskonferenz DLD (Digital Life Design) auf der Bühne.
Markus Braun, Geschäftsführer bei Wirecard, spricht während der Innovationskonferenz DLD (Digital Life Design) auf der Bühne.  © Lino Mirgeler/dpa

"Es kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass die Wirecard AG in einen Betrugsfall erheblichen Ausmaßes zum Geschädigten geworden ist", sagte Wirecard-Vorstandschef Markus Braun in einer Stellungnahme des Vorstands am Donnerstagabend.

Unabhängig davon haben die Finanzaufsicht Bafin und die Münchner Staatsanwaltschaft angekündigt, den Fall unter die Lupe nehmen zu wollen.

Der Aufsichtsrat des bedrängten Unternehmens hatte am Donnerstagabend noch Vorstandsmitglied Jan Marsalek kalt gestellt, der als Vertrauter Brauns gilt. Marsalek war für das Tagesgeschäft verantwortlich und ist nun vorerst suspendiert. 

Stattdessen hat der Aufsichtsrat nun mit sofortiger Wirkung den US-Manager James Freis berufen, der für die Rechtstreue zuständig sein soll. Eigentlich hätte Freis seinen Posten erst am 1. Juli antreten sollen.

An der Frankfurter Börse hatte der Skandal am Donnerstag einen Ausverkauf der Wirecard-Aktien zur Folge. Die Papiere hatten zum Handelsschluss gut 60 Prozent verloren und waren nach Börsenschließung etwa acht Milliarden Euro weniger wert als einen Tag zuvor.

Update 12.55 Uhr: Wirecard-Chef Braun tritt zurück

Der Vorstandschef des Dax-Konzerns Wirecard, Markus Braun, tritt mit sofortiger Wirkung zurück. 

Interims-Chef wird der erst am Vorabend in den Vorstand berufene US-Manager James Freis, wie Wirecard am Freitag in München mitteilte.

Update 11 Uhr: Wirecard-Treuhandkonto existiert laut Philippinische Bank nicht

Die Indizien für einen Betrugsfall von großem Ausmaß um den Dax-Konzern Wirecard verdichten sich. 

Die philippinische Bank BDO Unibank, bei der angeblich eines von zwei suspekten Treuhandkonten für Wirecard geführt wurde, erklärte am Freitag, dass das deutsche Unternehmen kein Kunde sei: "Das Dokument, in dem die Existenz eines Wirecard-Kontos bei BDO behauptet wird, ist ein manipuliertes Dokument, das gefälschte Unterschriften von Bankangestellten trägt", hieß es in der Stellungnahme des in der Stadt Makati ansässigen südostasiatischen Geldhauses. 

"Der Fall ist an die Zentralbank der Philippinen berichtet worden." Zuvor hatte die US-Nachrichtenagentur Bloomberg über die Stellungnahme berichtet.

Update 9.20 Uhr: Wirecard-Aktien brechen weiter ein

Die Aktien des in einen Bilanzskandal verwickelten Dax-Konzerns Wirecard haben am Freitagmorgen weiter massiv nachgegeben. Der Kurs fiel kurz nach dem Handelsstart um über 21 Prozent auf 31,35 Euro.

Am Donnerstag waren die Papiere um knapp 62 Prozent abgestürzt, nachdem der Zahlungsdienstleister wegen milliardenschwerer Unklarheiten in der Bilanz seinen Jahresabschluss erneut nicht vorgelegt hatte.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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