140 Jahre altes Projekt "Ewiger Roggen" in Mitteldeutschland: Aus der Vergangenheit lernen

Halle (Saale) - Der "Ewige Roggen" ist laut Experten der älteste deutsche Dauerfeldversuch der Agrarwirtschaft - und der zweitälteste weltweit.

Philipp Götze, Leiter der Versuchsstation.
Philipp Götze, Leiter der Versuchsstation.  © Jan Woitas/dpa

Das wissenschaftliche Projekt, das seit rund 140 Jahren in Halle läuft, werde auch künftigen Generationen wichtige Erkenntnisse liefern.

Dabei gehe es unter anderem darum weiter zu erforschen, wie das Getreide mit Stress zurechtkommt und er sich auf die Erträge auswirkt, sagte der Leiter der Versuchsstation, Philipp Götze, von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Dazu gehören extreme Hitze und Trockenheit.

"Früher war Roggen die Hauptkultur für Brot, Brotgetreide", sagte der promovierte Agrarwissenschaftler. Der Anbau von Roggen sei vom Weizen verdrängt worden, da er höhere Erträge je Hektar ermöglicht habe. Die Ernährungsgewohnheiten der Menschen seien aber im Wandel. Heute sei Roggen als Brotgetreide wieder gefragter.

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Hinzu komme, dass angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung theoretisch mehr Fläche nötig sei, um die Menschheit zu ernähren. "Die haben wir aber nicht", sagte Götze. Deshalb sei es wichtig, Kulturen zu erhalten und zu erforschen, die am Besten auch mit dem Klimawandel zurechtkommen. "Da, wo anderes Getreide kaum mehr wächst, wächst der Roggen immer noch", sagte er.

Für den Laien sieht das Feld mit dem historischen Dauerversuch aus wie ein Acker, der in mehrere Parzellen eingeteilt wurde. Dort wächst Roggen mal mit, mal ohne Dünger. Das Getreide wird jährlich geerntet und dann wieder neu angebaut.

Dauerfeldversuch begann im 19. Jahrhundert

Für den Laien sieht es auf der ersten Blick einfach aus wie ein Acker, der in mehrere Flächen aufgeteilt ist. Für die Wissenschaft aber ist es viel mehr.
Für den Laien sieht es auf der ersten Blick einfach aus wie ein Acker, der in mehrere Flächen aufgeteilt ist. Für die Wissenschaft aber ist es viel mehr.  © Jan Woitas/dpa

In einem Gebäude ist das Archiv des "Ewigen Roggenbaus" und anderer Dauerversuche untergebracht. Hier werden Bodenproben für zukünftigte Untersuchungen gelagert. Für die Wissenschaft sei dies "Gold wert", sagte Götze.

Der Dauerfeldversuch in Halle begann im 19. Jahrhundert, als der Agrarwissenschaftler Julius Kühn (1825-1910) ein Versuchsfeld angelegt und das Projekt "Ewiger Roggenanbau" gestartet hatte.

Seither werde auf einer Fläche von 0,6 Hektar im sogenannten mitteldeutschen Trockengebiet angebaut. Das Versuchsfeld steht auch wegen seiner baulichen Anlage seit 2007 unter Denkmalschutz.

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Nachwuchswissenschaftler interessieren sich auch dafür. So fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Arbeit eines jungen Teams mit bis zu 1,8 Millionen Euro.

Ziel ist es, die Auswirkungen von Nährstoffmangel auf die genetische Vielfalt in Roggenpflanzen zu untersuchen, wie die DFG Anfang 2022 mitgeteilt hatte.

In den Parzellen werden unter unterschiedlicher Mineralstoffzugabe - industrieller und Kuhstalldünger - die Bodenverhältnisse untersucht. Ein Streifen mit Roggen sei auf dem Versuchsfeld auch spannend für den Öko-Landbau, denn dieses Stück wurde seit 1878 nie gedüngt.

Titelfoto: Jan Woitas/dpa

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