Gesundheitsamts-Chef beklagt: Arme Menschen nach Corona-Pandemie kränker

Frankfurt am Main - Der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts rechnet damit, dass während der Coronavirus-Pandemie arme Menschen kränker geworden sind.

Peter Tinnemann, der Leiter des Gesundheitsamts der Stadt Frankfurt am Main, beklagt, dass sozial benachteiligte Menschen durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie kränker geworden sind.
Peter Tinnemann, der Leiter des Gesundheitsamts der Stadt Frankfurt am Main, beklagt, dass sozial benachteiligte Menschen durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie kränker geworden sind.  © Arne Dedert/dpa

"Durch Corona hat sich die gesundheitliche Situation unserer Hauptzielgruppe – sozioökonomisch benachteiligte Menschen – verschlechtert", sagte Peter Tinnemann der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

"Die Gesundheit benachteiligter Menschen wird noch weiter beeinträchtigt sein als vor Corona. Je ärmer, je kränker stimmt leider immer noch, und das hat sich vermutlich verstärkt."

Wie groß diese indirekten Folgen der Pandemie wirklich sind, sei noch nicht abzuschätzen, sagte Tinnemann, der am 1. Juni vor einem Jahr Nachfolger von René Gottschalk als Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes wurde.

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Während der vergangenen zwei Jahre habe das Gesundheitsamt "auf dem Rücken gelegen". Alle gut 300 Mitarbeiter seien nahezu komplett mit Corona beschäftigt gewesen. Andere Aufgaben, vor allem im sozialmedizinischen Bereich, seien liegen geblieben.

Die Liste ist lang: Schuleingangsuntersuchungen, zahnärztliche Untersuchungen in Kitas und Schulen, die Betreuung psychisch Kranker in ihren eigenen vier Wänden, die Unterstützung belasteter Frauen nach der Geburt, die medizinische Betreuung Prostituierter, die humanitäre Sprechstunde für Menschen ohne Krankenversicherung – "all das hat nicht oder nur eingeschränkt stattfinden können, weil wir nicht die Kapazitäten dafür hatten."

Seit einigen Wochen fährt das Gesundheitsamt diese Angebote wieder hoch. Tinnemann hofft, dass im nächsten Winter, wenn die Corona-Zahlen wieder steigen, diese Aufgaben weitergeführt werden können.

Ständig neue Aufgaben: "Wir brauchen ganz klar mehr Personal"

Außerdem kämen ständig neue Aufgaben dazu, zum Beispiel mit dem Klimawandel: Bei Extremwetter-Ereignissen würden Gesundheitsämter zunehmend gebraucht, zum Beispiel um abzuschätzen, ob das Wasser noch trinkbar ist. "Wir brauchen ganz klar mehr Personal."

Tinnemann ist Facharzt für öffentliches Gesundheitswesen und hat einen in Großbritannien erworbenen Master in Public Health. Internationale Erfahrung sammelte er in Amsterdam, London, Haiti und in zahlreichen Ländern Afrikas.

In Deutschland arbeitete er an der Charité in Berlin, in der Senatsverwaltung Berlin, an der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf und leitete zwei Gesundheitsämter im ländlichen Raum.

Titelfoto: Arne Dedert/dpa

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