Gut gewappnet gegen Grippe und Co.? So schützt Ihr Euch am besten!

Dresden - Vakzine schützen nicht nur gegen Kinderkrankheiten. Die STIKO gibt neben Impfempfehlungen für Säuglinge, Kinder und Jugendliche auch Leitlinien für Erwachsene über 60 Jahre heraus. Virologen haben eine Faustformel: Wenn man die Winterreifen aufzieht, sollte man auch gleich an einen Termin für die Grippeschutzimpfung denken. Und was passiert eigentlich bei einer Impfung?

"Auch noch später in der Welle gegen Grippe zu impfen, ist besser als gar nicht impfen", sagt Prof. Dr. Alexander Dalpke (50), Direktor am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Virologie am Uniklinikum Dresden.
"Auch noch später in der Welle gegen Grippe zu impfen, ist besser als gar nicht impfen", sagt Prof. Dr. Alexander Dalpke (50), Direktor am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Virologie am Uniklinikum Dresden.  © DPA/Robert Michael

Ob die bevorstehende Grippewelle stark oder schwach ausfällt, ist noch unklar. "In jedem Fall ist auch in diesem Jahr die Grippeschutzimpfung sinnvoll", sagt Prof. Dr. Alexander Dalpke (50), Direktor am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Virologie am Uniklinikum Dresden.

Gespritzt wird dabei ein Vierfach-Impfstoff. "Er ist gut verträglich - besser als die Corona-Impfung - und verursacht in der Regel nur marginale Nebenwirkungen wie Schmerzen und Schwellungen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, selten Fieber."

Die Impfung wird insbesondere Diabetikern, Nierenpatienten sowie Bewohnern und Mitarbeitern von Pflegeeinrichtungen empfohlen. Prof. Dalpke: "Weil das Immunsystem altert, gibt es für über 60-Jährige Hochdosis-Impfstoffe mit Wirkverstärker oder höherer Dosierung."

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Die Impfärzte wissen Bescheid. Die Grippeimpfung kann übrigens gleichzeitig mit der COVID-19-Impfung durchgeführt werden, sollte jedoch nicht in denselben Oberarm erfolgen.

Allerdings könnten bei gleichzeitiger Impfung häufiger Impfreaktionen auftreten.

Schutz gegen Gürtelrose und Lungenentzündung

"Nach der Impfung manchmal ein bis zwei Tage lang platt": Nebenwirkungen wie Fieber sind ein Beweis dafür, dass das Immunsystem arbeitet.
"Nach der Impfung manchmal ein bis zwei Tage lang platt": Nebenwirkungen wie Fieber sind ein Beweis dafür, dass das Immunsystem arbeitet.  © imago images/YAY Images

Voraussetzung für eine Gürtelrose ist eine frühere Windpocken-Infektion im Kindesalter.

"Die verursachenden Varicella-Zoster-Viren überwintern jahrzehntelang im Körper, können aber bei Stress Nervenzellen dauerhaft schädigen", erklärt Prof. Lorenz Hofbauer (53), Facharzt für Innere Medizin und Altersmedizin am Uniklinikum Dresden. Meist bildet sich ein halbseitiger, gürtelförmiger Hautausschlag mit kleinen Bläschen an Bauch, Rücken, Bein oder Gesicht.

Betroffen sind jährlich etwa zwei bis fünf von 1000 Menschen. "Viele Betroffene berichten über höllische Schmerzen, das Gefühl, als ob jemand ein Messer ins Bein sticht oder jemandem Elektroschocks verpasst werden, auch im Ruhezustand und nachts", erzählt Prof. Hofbauer.

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Ist die Krankheit erst ausgebrochen, muss sie schnell mit Virusmedikamenten und vor allem Schmerzmitteln behandelt werden, damit sich die Schmerzen nicht verfestigen.

"Andernfalls kann eine sogenannte Neuralgie entstehen, bei der sich die Schmerzen und deren Verarbeitung im Gehirn verfestigen. Manche Patienten werden darüber depressiv, sind sogar suizidgefährdet", warnt Prof. Hofbauer.

STIKO empfiehlt Pneumokokken-Impfung für über 60-Jährige und Kleinkinder

"Ich habe alle von der STIKO empfohlenen Impfungen im Impfausweis", sagt Prof. Lorenz Hofbauer (53). Der Facharzt für Innere Medizin am Uniklinikum Dresden geht mit gutem Beispiel voran.
"Ich habe alle von der STIKO empfohlenen Impfungen im Impfausweis", sagt Prof. Lorenz Hofbauer (53). Der Facharzt für Innere Medizin am Uniklinikum Dresden geht mit gutem Beispiel voran.  © Steffen Füssel

Doch es gibt eine Impfung, die die STIKO Erwachsenen über 60 Jahren empfiehlt und die von Krankenkassen getragen wird. Prof. Hofbauer: "Die zweite Impfung im Abstand von zwei bis sechs Monaten baut einen 92-prozentigen Schutz auf. Allerdings kann man nach den Spritzen ein bis zwei Tage lang platt sein, dennoch überwiegt der Nutzen dieses Risiko bei Weitem."

Ebenfalls von der STIKO für über 60-Jährige empfohlen ist die Pneumokokken-Impfung, die vor insgesamt 23 derartigen Bakterientypen schützt.

"Vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Thrombosen, nach Organtransplantationen oder wenn die Milz entfernt wurde, sollten sich impfen lassen, insbesondere auch Träger von Cochlea-Implantaten (Hörprothese) und Schweißer, die Metalldämpfen ausgesetzt sind, die die Abwehr schwächen", rät Prof. Hofbauer.

Die Impfung ist gut verträglich, kann mit der Grippeschutzimpfung kombiniert werden und wird von den Kassen bezahlt. Nach sechs Jahren ist eine Auffrischungimpfung nötig.

"Pneumokokken verursachen Hirnhaut-, Lungen- und Mittelohrentzündungen. Manchmal bleiben Schäden wie eine Schwerhörigkeit oder geistige Behinderung zurück." Besonders Säuglinge und Kleinkinder sind durch eine Infektion durch die tückischen Bakterien gefährdet.

Für sie werden drei Impfungen empfohlen: die erste im Alter von zwei Monaten, dann mit vier Monaten und die letzte Impfung sechs Monate später im Alter von 11 bis 14 Monaten.​

Was noch empfohlen wird

Besser ein kleiner Piks als Höllenqualen: Manche Patienten sind nach einer Gürtelrosen-Erkrankung suizidgefährdet.
Besser ein kleiner Piks als Höllenqualen: Manche Patienten sind nach einer Gürtelrosen-Erkrankung suizidgefährdet.  © Katarzyna Bialasiewicz/Photographee.eu

Außer der jährlichen Impfung gegen Influenza, einer Pneumokokken- und Gürtelrose-Impfung empfiehlt die Sächsische Impfkommission (STIKO) Erwachsenen über 60 Jahre auch Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus (Wundstarrkrampf), Polio (Kinderlähmung) und Keuchhusten.

"Sie sollten alle zehn Jahre aufgefrischt werden und sind für gesetzlich Versicherte kostenlos", sagt Dr. Sophie-Susann Merbecks, Mitglied STIKO.

Auch eine FSME-Impfung (Frühsommer-Meningoenzephalitis) kann hilfreich sein. Die auslösenden Viren werden durch Zeckenstiche übertragen, verursachen Gehirn-, Hirnhaut- oder Rückenmarksentzündungen. "Inzwischen zählen weite Teile Sachsens zu FSME-Risikogebieten", weiß der Impf-Experte Prof. Lorenz Hofbauer.

Vor Reisen bietet sich zudem eine Impfung gegen Hepatitis A und B an. Hepatitis A wird durch verunreinigte Lebensmittel oder Getränke (fäkal-oral) übertragen, Hepatitis B zumeist über den Blutweg oder Geschlechtsverkehr.

Wie funktioniert so eine Impfung eigentlich?

Eine Grippeimpfung kann übrigens keine Grippeerkrankung hervorrufen, weil der Impfstoff keine vermehrungsfähigen Krankheitserreger enthält.
Eine Grippeimpfung kann übrigens keine Grippeerkrankung hervorrufen, weil der Impfstoff keine vermehrungsfähigen Krankheitserreger enthält.  © Archiv

Um Vertrauen in Impfungen zu gewinnen, hilft es zu verstehen, wie sie funktionieren. Das Immunsystem hat ein Gedächtnis, merkt sich Erreger und bildet Antikörper zur Immunabwehr. Die schützen dann als Polizei für Monate oder sogar ein Leben lang.

Dieses Prinzip nutzen Impfstoffe aus. Sie gaukeln dem Immunsystem einen gefährlichen Erreger vor, obwohl der entweder abgestorben (bei Grippe-, Keuchhusten- oder Polio-Impfung) oder abgeschwächt (bei Masern-, Mumps-, Röteln- und Windpockenimpfung) ist. Dringen später echte Erreger ein, steht die Immunabwehr bereits parat. Eine Impfung stärkt und trainiert also unser Immunsystem.

Bei den neuen mRNA-Impfstoffen (Biontech, Moderna) wird der Bauplan für lediglich ein Oberflächen-Protein des Erregers gespritzt, das die Körperzellen dann selber herstellen. Diese Struktur erkennt die Immunabwehr und bildet Antikörper aus.

Mit der Impfung erlangt man einen Schutz vor Erkrankungen, ohne sich ihren Risiken aussetzen zu müssen.

Titelfoto: dpa/Robert Michael/Archiv

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