Neue Seuche auf dem Vormarsch: Affenpocken breiten sich in Deutschland aus

Berlin - Viele werden sich aktuell an das Frühjahr 2020 erinnert fühlen. Damals erreichte eine völlig unbekannte Krankheit namens Corona Deutschland. Hoffte man nach den ersten sporadisch auftretenden Fällen noch, Schlimmeres vermeiden zu können, breitete sich das Virus rasch aus und bescherte uns zwei Pandemie-Jahre mit Zehntausenden Toten. Nun sind die Affenpocken auf dem Vormarsch. Geht jetzt alles wieder von vorne los?

Dieses Foto aus dem Jahr 1997 zeigt, wie Affenpocken auf einem menschlichen Körper aussehen können.
Dieses Foto aus dem Jahr 1997 zeigt, wie Affenpocken auf einem menschlichen Körper aussehen können.  © dpa/CDC

München, Berlin, die Schweiz, Spanien und Großbritannien ... Überall wurden in den vergangenen Tagen Fälle von Affenpocken gemeldet. Die Krankheit, die mit Symptomen wie Fieber, bläschenartigem Ausschlag, geschwollenen Lymphknoten sowie Rücken-, Kopf- und Muskelschmerzen einhergeht, breitet sich aktuell rasant in Europa aus.

Grund genug für die Weltgesundheitsorganisation (WHO), Alarm zu schlagen. Es sei jetzt "dringend notwendig", das Bewusstsein für die Viruserkrankung zu schärfen. Ansteckungen müssten umfassend ausfindig gemacht, isoliert und Infektionsketten nachverfolgt werden.

Klingt auf den ersten Blick verdächtig nach dem Beginn der Corona-Pandemie. Könnten Affenpocken zu einer ähnlichen Gefahr werden? Nein, sagt das Robert-Koch-Institut (RKI). Es rechnet zwar mit einer Infektionswelle, aber nicht mit einer Gefährdung für die breite Bevölkerung.

Mehr Fälle: So viele Menschen haben sich im Ländle mit Affenpocken infiziert
Gesundheit Mehr Fälle: So viele Menschen haben sich im Ländle mit Affenpocken infiziert

"Nach derzeitigem Wissen ist für eine Übertragung des Erregers ein enger Kontakt erforderlich, deshalb kann gegenwärtig davon ausgegangen werden, dass der Ausbruch begrenzt bleibt."

Tödliche Verläufe treffen bei Affenpocken oft nur zwei Gruppen

So sehen Affenpocken-Viren unter dem Mikroskop aus.
So sehen Affenpocken-Viren unter dem Mikroskop aus.  © dpa/Cynthia S. Goldsmith/Russell Regner/CDC/AP

Ein weiterer wichtiger Unterschied zu Covid-19 ist, dass Infizierte nach aktuellem Kenntnisstand häufig nur mit milden Verläufen zu kämpfen haben und sich meist binnen weniger Wochen wieder erholen. Dennoch warnt Charité-Experte Leif Erik Sander (45) auf Twitter, das Virus sei "eine ernste und in Einzelfällen tödliche Erkrankung".

Doch für wen ist eine Erkrankung besonders gefährlich? In Afrika waren von den tödlichen Verläufen vor allem Kinder betroffen. Auch bei Schwangeren gibt es ein erhöhtes Risiko, dass bei einer Übertragung des Virus auf das ungeborene Kind zu Komplikationen kommen kann. Für Probleme können auch bakterielle Infektionen sorgen, die parallel zu einer Erkrankung mit den Affenpocken auftreten.

Eine Impfung gegen Affenpocken gibt es aktuell nicht. Allerdings soll eine allgemeine Pockenimmunisierung wohl gut und lebenslang vor dem Virus schützen. Ebenso gibt es auch keine zielgerichtete Behandlung. Behandelt werden die Symptome sowie mögliche bakterielle Sekundärinfektionen.

Impfstoffforscher Leif Erik Sander erklärt Affenpocken

Wo kommen die Affenpocken her?

Affenpocken stammen ursprünglich wohl von Nagetieren.
Affenpocken stammen ursprünglich wohl von Nagetieren.  © dpa Grafik

Bislang waren Infektionen mit Affenpocken vor allem in Regionen West- und Zentralafrikas bekannt. 1970 wurde das Virus in der Demokratischen Republik Kongo (Zaire) erstmals bei einem Menschen nachgewiesen, 2003 gab es dann den ersten bestätigten Fall außerhalb des Kontinents.

Ursprünglich stammt das Virus wohl von Nagetieren wie Ratten oder Eichhörnchen, von denen es dann auf Mensch und Affe übergriff. Sind die Tiere infiziert und ein Mensch isst deren Fleisch, kann eine Ansteckung genauso erfolgen wie durch den Kontakt mit infizierten Tieren oder tierischem Blut und Sekreten.

Von Mensch zu Mensch breiten sich Affenpocken laut Epidemiologe Paul Hunter dann aus, wenn das Virus von den Pusteln Erkrankter in Wunden oder die Augen von Kontaktpersonen gelangt. Auch sei das Einatmen von Tröpfchen mit den Partikeln ein Weg, so der Experte zur BBC.

Das sagt Gesundheitsminister Karl Lauterbach zu den Affenpocken

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (59, SPD) hatte mit Affenpocken-Fällen in Deutschland gerechnet.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach (59, SPD) hatte mit Affenpocken-Fällen in Deutschland gerechnet.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

"Es war nur eine Frage der Zeit, bis Affenpocken auch in Deutschland nachgewiesen werden", teilte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (59, SPD) mit. Die Ärzte seien durch die Meldungen aus anderen Ländern sensibilisiert. "Aufgrund der bisher vorliegenden Erkenntnisse gehen wir davon aus, dass das Virus nicht so leicht übertragbar ist und dass dieser Ausbruch eingegrenzt werden kann."

Weiter sei vorerst davon auszugehen, dass in Europa aktuell westafrikanische Variante kursiere, die weniger schwere Verläufe verursacht.

Titelfoto: Montage: dpa/CDC, dpa/Cynthia S. Goldsmith/Russell Regner/CDC/AP

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