Schattenseite der Digitalisierung: Immer mehr Kinder mit Sprachstörungen!

Leipzig - Smartphone statt persönliches Gespräch: Die Digitalisierung führt bei Kindern und Jugendlichen zu einer Zunahme von Sprachentwicklungsstörungen, warnen Experten der Deutschen Gesellschaft für Pädaudiologie und Phoniatrie (DGPP). Seit Donnerstag tagen sie in Leipzig.

Alle beschäftigt, keiner redet. Schweigen am Familientisch ist ein Grund für Sprachentwicklungsstörungen von Kindern.
Alle beschäftigt, keiner redet. Schweigen am Familientisch ist ein Grund für Sprachentwicklungsstörungen von Kindern.  © Imago / Westend61

Die Zahlen einer Studie der Kaufmännischen Krankenkasse sind alarmierend: Seit 2019 stieg die Zahl der Sprachentwicklungsstörungen bei den 6- bis 18-Jährigen um neun Prozent an. Am heftigsten war dabei der Anstieg in der Gruppe der Jugendlichen (15 bis 18 Jahre) - fast 21 Prozent!

"Die Ursachen sind auch gesellschaftlicher Art - die Kommunikationskultur in den Familien hat deutlich nachgelassen", begründet DGPP-Präsident Prof. Peter Kummer die Entwicklung. Es werde zu wenig mit den Kindern und auch miteinander gesprochen.

"Gemeinsame Mahlzeiten oder andere Gelegenheiten zum Sprechen sind auf dem Rückzug, gleichzeitig nimmt die Mediennutzung auch bei Kindern einen immer größeren Raum ein."

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Das sei ein Problem, denn Kinder bräuchten sprachliche Anregung, um ihre Fähigkeiten entwickeln zu können, erklärt der Experte.

Bei kleineren Kindern wirkten sich zudem Corona-Maßnahmen nachteilig aus. Das Tragen von Schutzmasken und Kontaktbeschränkungen hätten den Spracherwerb im Vorschulalter erschwert, so Kummer.

Titelfoto: Imago / Westend61

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