Mehrere Polizei-Hundertschaften im Hambacher Forst im Einsatz

Kerpen/Niederzier/Köln/Aachen - Die Polizei hat am Dienstag einen Einsatz im Hambacher Forst zwischen Köln und Aachen begonnen.

Die Polizei im Hambacher Forst am Dienstagmorgen.
Die Polizei im Hambacher Forst am Dienstagmorgen.  © David Young/dpa

Dabei ist sie nach eigenen Angaben mit mehreren Hundertschaften vor Ort. 

Es gehe im Wesentlichen darum, zwei große Barrikaden abzubauen, sagte ein Polizeisprecher. 

Wenn das reibungslos verlaufe, werde die Aktion relativ schnell wieder zu Ende sein. 

"Sollte es im Laufe des Einsatzes zu Straftaten kommen, müssen wir diese natürlich konsequent verfolgen." 

Dann könne sich der Einsatz auch über den ganzen Tag hinziehen.

Der Polizeisprecher betonte, dass der Einsatz im Hambacher Forst mit dem Energiekonzern RWE nichts zu tun habe. 

Vielmehr sei es die Pflicht der Polizei, die Wege durch den Wald frei zu halten, da dieser sonst für Streifen- oder auch Rettungswagen nicht mehr passierbar sei.

Update, 11.36 Uhr: Polizei baut Barrikaden im Hambacher Forst ab

Die Polizei vor dem Tagebau Hambach.
Die Polizei vor dem Tagebau Hambach.  © David Young/dpa

Die Polizei hat bei ihrem Einsatz im Hambacher Forst nach eigenen Angaben erfolgreich mehrere Barrikaden abgebaut. 

Das Ziel, das man sich gesetzt habe, sei damit grundsätzlich erreicht worden, teilte ein Polizeisprecher am Dienstag mit. 

Insgesamt seien drei Aufbauten an zwei Stellen in dem Wald zwischen Köln und Aachen abgebaut worden.

Im Großen und Ganzen sei der Einsatz zunächst friedlich abgelaufen, sagte der Sprecher. Zwei Ingewahrsamnahmen habe es gegeben. Eine Frau habe sich in den Weg gesetzt, als ein Bagger angerückt sei. 

Zudem habe es einen weiteren kleinen Zwischenfall gegeben, der sich aber schnell erledigt habe. 

Details waren zunächst unklar, die Person ließ sich den Angaben zufolge aber widerstandslos in Gewahrsam nehmen.

Update, 9.34 Uhr: "Ende Gelände" verteidigt besetzten Hambacher Forst und kritisiert Polizei

Polizisten betreten die Reste des Hambacher Walds.
Polizisten betreten die Reste des Hambacher Walds.  © Marius Becker/dpa

Das Anti-Kohle-Bündnis "Ende Gelände" verurteilte die Polizeiaktion als unnötige Provokation. 

"Das sieht nach einem typischen Fall von polizeilicher Schikane aus", sagte "Ende Gelände"-Sprecherin Ronja Weil. "Wir solidarisieren uns mit den BesetzerInnen." Die Barrikaden stellten für niemanden eine Gefahr dar.

Auch wenn im Rahmen des Kohle-Kompromisses die Erhaltung des Waldes vereinbart worden sei, bleibe seine Zukunft gefährdet. 

"Es wird immer wieder von RWE weitergebaggert, da gibt's immer wieder Provokationen", sagte Weil.

Die Grundwasserversorgung des Waldes sei gefährdet, weil der Braunkohletagebau so nah an ihn herangerückt sei. "Es müssen Menschen da bleiben, um sicherzustellen, dass profitgierige Konzerne ihre Interessen nicht gegen das Recht durchsetzen", sagte Weil. 

"Ende Gelände" sei nicht selbst an der Besetzung des Waldes beteiligt, unterstützt die Waldbewohner aber.

Besetzer haben etwa 100 Waldhütten im Hambacher Forst

Polizisten mit Kletterausrüstung und Kletterhelmen stehen im Hambacher Forst.
Polizisten mit Kletterausrüstung und Kletterhelmen stehen im Hambacher Forst.  © David Young/dpa

In dem Wald, der 2018 zum Symbol des Kampfes zwischen Klimaschützern und Kohlebranche geworden war, halten sich nach Polizeiangaben immer noch etwa 100 Waldbesetzer auf. 

Sie kämen aus einem breiteren politischen Spektrum. Die Waldbesetzer haben auch wieder an die 100 neue Baumhäuser gebaut. 

Diese reichen von einfachen Konstruktionen aus Paletten und Planen bis zu mehrstöckigen Hütten mit Fenstern, Dächern und Solartechnik. 

Bei dem Einsatz am Dienstag solle aber nicht gegen Baumhäuser vorgegangen werden, betonte der Polizeisprecher.

Titelfoto: David Young/dpa

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