Bad Münstereifel: Angela Merkel verspricht Opfern unbürokratische Soforthilfe

Bad Münstereifel – Nach Rheinland-Pfalz jetzt Nordrhein-Westfalen: Die Bundeskanzlerin kommt erneut in die Katastrophengebiete und macht sich vor Ort ein Bild. Am Dienstag ist Angela Merkel (67, CDU) im Kreis Euskirchen.

Angela Merkel (67, CDU) besuchte am vergangenen Wochenende, gemeinsam mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (60, SPD) das Hochwassergebiet Adenau.
Angela Merkel (67, CDU) besuchte am vergangenen Wochenende, gemeinsam mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (60, SPD) das Hochwassergebiet Adenau.  © Thomas Frey/dpa

Angela Merkel macht sich am heutigen Dienstag um 11.55 Uhr ein Bild von der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen. Zusammen mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (60, CDU) kommt die Bundeskanzlerin nach Bad Münstereifel.

Der Ort im Kreis Euskirchen ist von dem Unwetter der vergangenen Tage heftig betroffen. Merkel spricht mit Vertretern von Hilfsorganisationen sowie Helferinnen und Helfern. Nach einem Treffen mit betroffenen Bürgern steht ein Gang durch das Gebiet auf dem Programm.

Merkel war am Wochenende in Rheinland-Pfalz und hatte sich dort mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (60, SPD) über die Lage im Hochwassergebiet rund um Adenau informiert.

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Am Samstag war der Bundespräsident nach NRW gekommen. Frank-Walter Steinmeier (65, SPD) hatte sich auf Einladung von Ministerpräsident Laschet die Situation im vom Hochwasser zerstörten Erftstadt angeschaut.

Dort waren in einem Stadtteil zahlreiche Häuser und Autos weggespült worden.

Hochwasser könnte zu steigenden Infektionszahlen führen

In Erftstadt ist die Lage noch immer kritisch. Nun beginnen die Aufräumarbeiten. Das gesamte Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht ersichtlich.
In Erftstadt ist die Lage noch immer kritisch. Nun beginnen die Aufräumarbeiten. Das gesamte Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht ersichtlich.  © Marius Becker/dpa

Seit Montag gibt es mehrere Tage nach Beginn der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen immerhin einen Grund zum Aufatmen: Die seit Tagen vom Hochwasser bedrohte Steinbachtalsperre in der Nähe von Euskirchen scheint zu halten. Ein Dammbruch war dort nicht mehr zu befürchten, hatten die Behörden mitgeteilt.

Nach Informationen des Innenministeriums vom Montag sind bei der Flutkatastrophe mindestens 47 Menschen ums Leben gekommen. Man könne noch immer nicht ausschließen, noch weitere Opfer zu entdecken. Viele Menschen gelten immer noch als vermisst. Die Flut hatte Häuser und Autos weggespült. Die Aufräumarbeiten sind noch im vollen Gange.

In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gibt es zugleich die Sorge, dass die Hochwasserkatastrophe auch zu steigenden Corona-Infektionszahlen führen könnte. "Eine erhöhte Gefahr der Ausbreitung von SARS-CoV-2 könnte sich vor allem durch die Unterbringung von Personen in Notunterkünften entwickeln", zitierte das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) das Düsseldorfer Gesundheitsministerium.

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Die Gesundheitsämter vor Ort seien sich aber der zusätzlichen Gefahr bewusst. Sie könne durch Testungen, Masken und Lüften reduziert werden.

David Freichel vom Corona-Kommunikationsstab der Staatskanzlei in Rheinland-Pfalz sagte dem RND: "Derzeit kommen viele Menschen auf engstem Raum zusammen, um die Krise gemeinsam zu bewältigen. Wir müssen jetzt aufpassen, dass die Bewältigung der Katastrophe nicht zu einem Superspreader-Event wird."

Update, 20. Juli, 15.04 Uhr: Merkel und Laschet unterstreichen Bedeutung von Warnsirenen

Sirenen könnten künftig im Katastrophenschutz Deutschlands wieder eine größere Rolle spielen. "Vielleicht ist die gute alte Sirene nützlicher als man gedacht hat", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Jetzt werde genau analysiert werden, was beim Katastrophenschutz und den Frühwarnsystemen geklappt habe und was nicht, sagte Merkel. In der Debatte dürfe aber nicht vergessen werden: "Dies ist ein Hochwasser, wies es es lange, lange nicht gegeben hat."

Auch Laschet äußerte sich positiv über die Bedeutung von Alarmsirenen. Lange Zeit seien diese vernachlässigt worden, weil man dachte, da es keine Kriegsgefahr mehr gebe, seien sie unnötig, sagte der CDU-Chef und Kanzlerkandidat der Union. Jetzt merke jeder, "wie vulnerabel die Gesellschaft ist, wenn der Strom plötzlich nicht mehr das ist."

Auch analoge Mittel seien künftig wieder nötig. Dies werde nun von Bund und Land gemeinsam mit dem Amt für Katastrophenschutz analysiert, "um beim nächsten Mal noch besser vorbereitet zu sein".

Update, 20. Juli, 15.02 Uhr: Merkel: Brauchen für Wiederaufbau "sehr langen Atem"

Angela Merkel hat den Menschen in den Hochwasserregionen unbürokratische Soforthilfe zugesagt. Man werde alles daran setzen, "dass das Geld schnell zu den Menschen kommt", sagte die CDU-Politikerin am Dienstag bei einem Besuch in der stark vom Hochwasser beschädigten Stadt Bad Münstereifel. "Ich hoffe, dass das eine Sache von Tagen ist." Die Formulare sollten noch in dieser Woche fertig werden, ergänzte NRW-Ministerpräsident Laschet.

Merkel ging davon aus, dass die Wiedererrichtung der zerstörten Infrastruktur wie Straßen und Bahnstrecken sowie der Wiederaufbau der Stadt länger als ein paar Monate dauern wird. Es sei sehr klar, "dass wir hier einen sehr langen Atem brauchen werden".

Die Kanzlerin hatte sich zunächst vom Landrat des Kreises Euskirchen, Markus Ramers, und von Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian über die Lage in Bad Münstereifel unterrichten lassen. Sie sah sich eine Halle mit gespendeten Hilfsgütern an und verschaffte sich dann bei einem Gang durch den Ort einen eigenen Eindruck.

Update, 20. Juli, 14.55 Uhr: Kleine Helfer erleben Merkel als "entspannt"

Kleine Helfer haben die Bundeskanzlerin bei ihrem Besuch im schwer vom Hochwasser getroffenen Bad Münstereifel als "entspannt" erlebt. In einem Notlager für Dinge des täglichen Bedarfs im Stadtteil Arloff unterhielt sich Merkel auch mit dem elfjährigen Kolja. Er und seine Freunde halfen beim Sortieren der Hilfsgüter. "Wir haben die Sachen sortiert, umgeräumt und auch in den Shop gebracht", sagte Kolja.

Was die Bundeskanzlerin von dem Elfjährigen im Gespräch wissen wollte? "Ob wir von dem ganzen Regen betroffen waren und wie der aktuelle Stand zu Hause so ist." Auf die Frage, wie er die Bundeskanzlerin erlebt habe, antwortete Kolja: "Entspannt."

Titelfoto: Thomas Frey/dpa

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