Beschlossene Sache: Bundestag entscheidet über milliardenschweren Hilfsfonds nach Flut

Berlin/NRW/Rheinland-Pfalz – Die Schäden durch die Flutkatastrophe im Juli sind immens. Häuser und Betriebe sind zerstört oder schwer beschädigt, Brücken und Straßen kaputt: Der Wiederaufbau kostet viel Geld. Nun sollen Millionen fließen.

In Hagen (Südwestfalen) stellten Anwohner ihren durch das Hochwasser zerstörten Hausrat auf den Bürgersteig.
In Hagen (Südwestfalen) stellten Anwohner ihren durch das Hochwasser zerstörten Hausrat auf den Bürgersteig.  © David Inderlied/dpa

Denn der Bundestag hat am Dienstag den milliardenschweren Hilfsfonds für die Opfer der Hochwasserkatastrophe Mitte Juli im Westen Deutschlands beschlossen.

Für den Wiederaufbau sollen in den nächsten Jahren rund 30 Milliarden Euro ausgezahlt werden. Am Freitag soll der Bundesrat die Neuregelungen in einer Sondersitzung billigen.

Unwetter mit ungewöhnlich starken Regenfällen hatten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen eine Hochwasserkatastrophe ausgelöst. Ganze Landstriche wurden von den Wassermassen regelrecht weggerissen oder verwüstet. Bislang wurden rund 190 Tote gezählt, mehrere Menschen gelten noch immer als vermisst.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (67, CDU) sagte den von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Regionen langfristige Unterstützung zu.

Beim Wiederaufbau brauche es "einen langen Atem", sagte Merkel in der wohl letzten Plenarsitzung vor der Bundestagswahl.

Die betroffenen Menschen würden nicht vergessen.

Bund will Geld vorstrecken

In der Debatte im Bundestag sprach auch Kanzlerin Merkel (67, CDU). Die Flutkatastrophe und beschlossene Hochwasser-Aufbaufonds waren Thema.
In der Debatte im Bundestag sprach auch Kanzlerin Merkel (67, CDU). Die Flutkatastrophe und beschlossene Hochwasser-Aufbaufonds waren Thema.  © Kay Nietfeld/dpa

16 Milliarden Euro aus dem Wiederaufbaufonds sollen noch in diesem Jahr fließen. Aufbauhilfen werden geleistet, soweit die Schäden nicht durch Versicherungen abgedeckt sind.

Die Aufbauhilfe wird zusätzlich zu den schon im Juli beschlossenen Millionen-Soforthilfen gewährt, die bei der Überbrückung von akuten Notlagen direkt nach der Starkregen- und Flutkatastrophe helfen sollten.

Zwei Milliarden Euro für die Wiederherstellung der Bundes-Infrastruktur wie Autobahnen und Brücken trägt der Bund allein. Die restlichen 28 Milliarden werden hälftig zwischen Ländern und Bund geteilt.

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Dabei müssen die Länder ihren Anteil aber nicht sofort einzahlen. Erst einmal streckt der Bund das Geld vor, die Länder stottern ihre Hälfte dann über einen Zeitraum von 30 Jahren beim Bund ab.

Unions-Fraktionsvize Andreas Jung (46) sagte, Geld könne den Schmerz der Angehörigen nicht lindern. Es werde nun aber das Versprechen eingelöst, dass man die Menschen nicht allein lasse.

Jung sagte außerdem: "Wir müssen schneller werden beim Klimaschutz". Extremwetterereignisse häuften sich. Der Grünen-Politiker Sven-Christian Kindler (36) sagte: "Wir haben keine Zeit zu verlieren, wir müssen jetzt handeln." Man brauche Mut zu Veränderungen.

Die Beseitigung der Schäden und der Wiederaufbau seien eine "nationale Aufgabe"

Auch das Ahrtal in Rheinland-Pfalz, hier die Gemeinde Insul, wurde von den Wassermassen schwer getroffen.
Auch das Ahrtal in Rheinland-Pfalz, hier die Gemeinde Insul, wurde von den Wassermassen schwer getroffen.  © Boris Roessler/dpa

Konkret wurde ein Gesetz zur Errichtung eines Sondervermögens "Aufbauhilfe 2021" beschlossen. In der Begründung heißt es, die Starkregen- und Hochwasserkatastrophe habe in einigen Regionen Schäden ungeahnten Ausmaßes und außergewöhnliche Notsituationen verursacht.

Viele Bürgerinnen und Bürger, Betriebe und andere Einrichtungen stehen nun buchstäblich vor dem Nichts und sind dringend auf solidarische Hilfe angewiesen. Die Beseitigung der Schäden und der Wiederaufbau seien eine "nationale Aufgabe".

Um eine Pleitewelle zu verhindern, soll außerdem bis Ende Januar 2022 die Pflicht zur Stellung eines Insolvenzantrags für Firmen ausgesetzt werden, die wegen der Flut in finanzielle Not geraten sind - solange die betroffenen Unternehmen "ernsthafte Finanzierungs- oder Sanierungsverhandlungen" führen und dadurch begründete Aussichten auf Sanierung bestehen.

Titelfoto: Boris Roessler/dpa

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