Ermittlungen zu Hochwasser-Erdrutsch: Razzia bei Verdächtigen

Köln/Erftstadt - Wegen des schweren Erdrutschs in Erftstadt während des Hochwassers im Sommer hat die Staatsanwaltschaft Köln umfangreiche Durchsuchungen bei Verdächtigen veranlasst.

In Erftstadt-Blessem nahe Köln war in der Nacht zum 16. Juli 2021 der Boden nahe einer Kiesgrube am Fluss Erft weggerutscht.
In Erftstadt-Blessem nahe Köln war in der Nacht zum 16. Juli 2021 der Boden nahe einer Kiesgrube am Fluss Erft weggerutscht.  © --/Rhein-Erft-Kreis/dpa

Mehr als 140 Beamtinnen und Beamte der Polizei würden aktuell mehr als 20 Büro- und Wohnanschriften durchsuchen, teilte die Behörde am Dienstagvormittag mit.

Das Ermittlungsverfahren richte sich nun gegen den Eigentümer und Verpächter des Tagebaus in Erftstadt, fünf Beschuldigte der Betreibergesellschaft sowie vier Beschuldigte der Bezirksregierung Arnsberg, die nach dem Bundesberggesetz die zuständige Aufsichts- und Genehmigungsbehörde sei.

In Erftstadt-Blessem nahe Köln war in der Nacht zum 16. Juli 2021 der Boden nahe einer Kiesgrube am Fluss Erft weggerutscht, nachdem Starkregen die Grube geflutet hatte. Mehrere Gebäude wurden mitgerissen. Tote gab es nicht.

Ministerin Scharrenbach soll zu Flut-Katastrophe Rede und Antwort stehen - tut sie aber nicht
Hochwasser Ministerin Scharrenbach soll zu Flut-Katastrophe Rede und Antwort stehen - tut sie aber nicht

Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall wegen des Verdachts des fahrlässigen Herbeiführens einer Überschwemmung, der Baugefährdung sowie Verstoßes gegen das Bundesberggesetz. Zu Beginn hatte sich das Verfahren noch gegen unbekannt gerichtet.

Hätten die Beschuldigten die Gefahr erkennen müssen?

Ein Haus steht an der Abbruchkante zum Krater neben der Kiesgrube. Mehrere Sachverständige waren zur Klärung der Unglücksursache eingeschaltet worden.
Ein Haus steht an der Abbruchkante zum Krater neben der Kiesgrube. Mehrere Sachverständige waren zur Klärung der Unglücksursache eingeschaltet worden.  © Oliver Berg/dpa

Den bisherigen Ermittlungen zufolge könnte sich am Südrand des "Altbereichs" der betroffenen Kiesgrube kein den Bestimmungen entsprechender Hochwasserschutzwall befunden haben, ebenso unzulässig steile Böschungen, so die Ermittler. Beide Aspekte könnten ursächlich für das Eindringen großer Wassermassen gewesen sein.

"Es besteht der Verdacht, dass die Beschuldigten die Zustände an dem Hochwasserschutzwall und den Grubenböschungen aufgrund ihrer beruflichen Befassung mit der Kiesgrube hätten erkennen und für Abhilfe hätten sorgen können und müssen", erklärte der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer zu den Vorwürfen.

Die Beschuldigten seien zwischen 29 und 65 Jahre alt. Mehrere Sachverständige waren zur Klärung der Verantwortlichkeiten eingeschaltet worden. Durchsucht wurden am Dienstag vor allem Räumlichkeiten in Bergheim, Erftstadt, Köln und Dortmund.

Wasserpegel in Köln steigt: Erste Einschränkungen bei Schifffahrt auf dem Rhein
Hochwasser Wasserpegel in Köln steigt: Erste Einschränkungen bei Schifffahrt auf dem Rhein

In Bergheim bei Köln habe die Betreibergesellschaft ihren Sitz, so die Staatsanwaltschaft. Allerdings seien - "zur Auffindung und Sicherstellung verfahrensrelevanter Unterlagen" - auch Räume unverdächtiger Beratungs- und Tiefbauunternehmen sowie Sachverständigen- und Vermessungsbüros durchsucht worden.

Ein durchsuchtes Objekt befand sich in Thüringen. Dort befinde sich die Zweigstelle eines Beratungsunternehmens.

Titelfoto: --/Rhein-Erft-Kreis/dpa

Mehr zum Thema Hochwasser: