Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz: Hotline für Angehörige vermisster Personen

Koblenz/Mainz - Knapp eine Woche nach der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz werden Aufräumarbeiten und Schadensprüfungen am Mittwoch fortgesetzt.

Einsatzkräfte der Bundeswehr bauen eine Behelfsbrücke über die Ahr im Weinort Rech im Landkreis Ahrweiler.
Einsatzkräfte der Bundeswehr bauen eine Behelfsbrücke über die Ahr im Weinort Rech im Landkreis Ahrweiler.  © Ira Schaible/dpa

Wie die Staatskanzlei in Mainz mitteilte, will sich Ministerpräsidentin Malu Dreyer (60, SPD) in Nürburg (Eifel) ein Bild von den Einsatzkräften, ihren Fahrzeugen und Gerätschaften machen (18 Uhr).

Dazu werde die SPD-Politikerin auf dem Nürburgring erwartet – das Fahrerlager der traditionsreichen Rennstrecke dient in diesen Tagen als Zentrum für die Bereitstellung der Helfer.

Ebenso wurde auf dem Gelände eine Sammelstelle für Sachspenden eingerichtet, die von Freiwilligen sortiert und den Einsatzkräften mitgegeben werden, die sie direkt an Flutopfer verteilen. Dreyer werde den Bereitstellungsraum besuchen und sich im Gespräch mit den Verantwortlichen bei einem Rundgang informieren, hieß es.

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Die Landesregierung hatte für Betroffene der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz am Dienstag Soforthilfen bis zu 3500 Euro pro Haushalt beschlossen. Das Geld soll ohne Bedürftigkeitsprüfung schnellstmöglich über die Kreisverwaltungen ausgezahlt werden, teilte die Staatskanzlei mit.

Darüber hinaus seien auf dem Spendenkonto der Landesregierung mehr als 6,2 Millionen Euro an Privatspenden eingegangen. Das Geld soll über Kreisverwaltungen verteilt werden.

Dreyer sprach von einer "beispiellosen Spendenbereitschaft". Das Leid vieler Menschen sei unermesslich. "Umso wichtiger ist dieses starke Signal der Solidarität mit der Region. Es ist für die Menschen vor Ort wichtig zu erfahren, dass sie in ihrem Leid nicht alleine sind."

122 Tote im Kreis Ahrweiler, noch 155 Menschen werden vermisst

Ein Sprecher der Polizei in Koblenz hatte die Zahl der Todesopfer der Unwetterkatastrophe im Kreis Ahrweiler am Dienstag mit 122 angegeben. Die Zahl der Verletzten stieg demnach auf 763. Aktuell würden noch 155 Menschen vermisst.

Außer den Kreis Ahrweiler hatte es etwa auch Trier-Ehrang getroffen. Hier kommen die Aufräumarbeiten gut voran, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Die Unterstützung sei groß, so gingen etwa Ehrenamtliche durch die Straßen und verteilten Essen.

Die Kommune suche aber weitere Helfer. In einigen Straßen sei schweres Gerät aufgrund der Enge schlecht einsetzbar. Daher müsse viel Sperrmüll mit der Hand in Fahrzeuge getragen werden.

Update, 21. Juli, 18.21 Uhr: Landtagsausschüsse beraten über Katastrophen-Management Mainz

Drei Fachausschüsse des Landtags Rheinland-Pfalz kommen an diesem Donnerstag (10 Uhr) zu einer Sondersitzung zur Hochwasserkatastrophe zusammen.

Die Beratungen wurden auf Antrag aller Fraktionen mit Ausnahme der AfD angesetzt, mit den Mitgliedern der Ausschüsse für Inneres, Klima und Finanzen. Einziger Tagesordnungspunkt ist die Hochwasserkatastrophe. Themen sollen die aktuelle Lage, die Katastrophenhilfe, finanzielle Hilfen und Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser und Starkregen sein.

Update, 21.Juli, 17.25 Uhr: Luftwaffe macht mit Tornado Aufnahmen vom Katastrophengebiet

Die Luftwaffe hilft mit einem Spezialflugzeug bei einer genaueren Bewertung der Unwetterschäden im Westen Deutschlands. Ein Tornado-Aufklärungsflugzeug habe das Gebiet der Eifel bei Ahrweiler am Mittwoch überflogen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin.

Die Bundeswehr setzt dabei Technik ein, die zuletzt auch bei der Fernaufklärung über Syrien und und dem Irak genutzt wurde. Die hochauflösenden Aufnahmen sollen nach Angaben des Ministeriums helfen, Schäden besser zu erkennen und festzustellen, wo noch Hilfe nötig ist. Pioniere der Bundeswehr, die am Boden eingesetzt sind, hatten die Unterstützung angefragt.

Die Tornado-Aufklärer kommen vom Taktischen Luftwaffengeschwader 51 "Immelmann" aus Jagel (Schleswig-Holstein). Die Fotos werden von Bundeswehrexperten in Schleswig ausgewertet. Sollten sich aus den Aufnahmen weitere Fragen ergeben, sind laut Verteidigungsministerium weitere Flüge möglich, bei denen die Mindestflughöhe von 1500 Metern unterschritten werden könne. Es habe eine entsprechende Anfrage des Heeres gegeben, berichtete ein Sprecher der Luftwaffe in Berlin.

Update, 21. Juli, 11.40 Uhr: Telefonhotline für Angehörige vermisster Personen

Die Polizei in Rheinland-Pflaz eine eigene Auskunftsstelle eingerichtete, an die sich Angehörige vermisster Personen richten können. Die Telefonhotline ist unter der Nummer 08006565651 erreichbar, wie auf Twitter mitgeteilt wurde.

In dem Tweet weit die Polizei zudem ausdrücklich darauf hin, dass die Hotline nur für Vermisstenanzeigen und Hinweise aus der Bevölkerung sei.

"Bitte nutzt die Nummer nicht für Hilfsangebote!", heißt es abschließend in der Twitter-Meldung der Polizei.

Update, 21. Juli, 9.50 Uhr: Bundeswirtschaftsminister macht Hoffnung auf schnelle und weitreichende Hilfen

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier macht Hoffnung auf schnelle und weitreichende Hochwasser-Hilfen. Der CDU-Politiker sagte dem Deutschlandfunk am Mittwoch vor einem entsprechenden Kabinettsbeschluss: "Wir werden heute Klarheit schaffen, dass es am Geld nicht scheitern wird."

Das Kabinett fasse heute den Beschluss, "damit wissen die Behörden der Länder, die kommunalen Behörden, die Landkreise aber auch die Landesbehörden, dass sie diese Soforthilfe auszahlen können".

Mit den Soforthilfen sollen die schlimmsten Schäden an Gebäuden und kommunaler Infrastruktur beseitigt und besondere Notlagen überbrückt werden.

Man werde dafür sorgen, dass keine Unternehmen insolvent gehen, versprach Altmaier. Mit Blick auf Privatpersonen, "die alles verloren haben", sagte er: "Das kann eigentlich nur die Verwaltung vor Ort genau einschätzen, da brauchen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht genaue Förderrichtlinien, sondern da muss zunächst einmal unbürokratisch geholfen werden. Die Leute brauchen ein Dach über dem Kopf, die Leute müssen die Gewissheit haben, dass sie sich wieder Kleider leisten können, dass die Kinder in die Schule gehen können."

FDP-Chef Christian Lindner nannte die geplanten Soforthilfen "angemessen und richtig". Gleichzeitig sprach sich Lindner im ARD-"Morgenmagazin" für einen langfristigen Aufbaufonds aus. "Wir haben einen Gesetzentwurf vorbereitet, den wir einbringen für einen Aufbaufonds. Der orientiert sich am Aufbauhilfegesetz des Jahres 2013. Das halte ich für einen klugen Rat, dass wir uns an den Methoden der Fluthilfe 2013 orientieren."

Die Menschen erwarteten schnell eine wirksame Hilfe. "Die Orientierung einer früher erfolgreichen Maßnahme könnte da hilfreich sein."

Update, 21. Juli, 7.35 Uhr: Wohl kaum noch Hoffnung, die Vermissten lebend zu finden

Eine Frau schiebt in Ahrweiler ihr Fahrrad durch den Schlamm. Anwohner versuchen, ihre Häuser vom Schlamm zu befreien und unbrauchbares Mobiliar nach draußen zu bringen.
Eine Frau schiebt in Ahrweiler ihr Fahrrad durch den Schlamm. Anwohner versuchen, ihre Häuser vom Schlamm zu befreien und unbrauchbares Mobiliar nach draußen zu bringen.  © Thomas Frey/dpa

Die Vizepräsidentin des Technischen Hilfswerks (THW), Sabine Lackner, sieht kaum noch Chancen, knapp eine Woche nach den Überschwemmungen im Westen Deutschlands noch Überlebende zu finden.

"Wir suchen aktuell noch nach Vermissten, etwa beim Räumen der Wege oder Auspumpen der Keller", sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch). "Zu diesem Zeitpunkt ist es aber leider sehr wahrscheinlich, dass man Opfer nur noch bergen kann, nicht mehr retten."

THW-Vize Lackner warnte vor schnellen Schuldzuweisungen, wonach ein besseres Warnsystem Tote hätte verhindern können. "Natürlich werden wir die Abläufe aufarbeiten müssen. Aber ich finde diese Debatte drei bis vier Tage nach der Katastrophe unglücklich." Sie riet davon ab, "jetzt von Versagen zu sprechen und Schuldige zu suchen".

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Nach wie vor stünden viele Menschen vor den Trümmern ihrer Existenz, viele Maßnahmen der Unterstützung liefen noch. "Es braucht für diese Debatte Ruhe - und auch die Expertinnen und Experten. Die sind aber aktuell noch größtenteils in den Überschwemmungsgebieten eingesetzt.

"Künftig brauche es wieder mehr bewährte Alarmsysteme, so Lackner. "Wieso nicht mit Lautsprechern vor Ort auf den Straßen warnen, wie zum Beispiel auch bei einem Bombenfund? Auch viele Sirenen sind in den letzten Jahren abgeschafft worden, die braucht es. Und die Bevölkerung sollte auch wieder die Warntöne unterscheiden können."

Titelfoto: Ira Schaible/dpa

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