Hochwasser-Katastrophe in NRW: Trauer-Geläut und Gebete für Opfer

Essen - Vor dem Wiederaufbau der vom Hochwasser besonders betroffenen Städte in Nordrhein-Westfalen warnen Experten vor vorschnellen Entscheidungen.

Sperrmüll aus überfluteten Wohnungen liegt in der Fußgängerzone von Gemünd. Das Hochwasser hat erhebliche Schäden an der Infrastruktur in der Eifel angerichtet.
Sperrmüll aus überfluteten Wohnungen liegt in der Fußgängerzone von Gemünd. Das Hochwasser hat erhebliche Schäden an der Infrastruktur in der Eifel angerichtet.  © Oliver Berg/dpa

"Es kann durchaus möglich sein, dass in Zukunft in bestimmten Lagen keine Baugebiete mehr neu ausgewiesen werden können, weil eine aktuelle Gefährdungseinschätzung besondere Gefahren feststellt", sagte Thomas Kufen (47, CDU), stellvertretender Vorsitzender des Städtetages NRW, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Donnerstag).

"Es könnten beispielsweise auch mehr Überflutungsflächen gebraucht werden, die nicht bebaut werden dürfen. Die jetzt betroffenen Ortschaften werden dann anders aussehen als vor der Überflutung", zitiert das Blatt den Oberbürgermeister von Essen.

Der Landschaftsplaner Dietwald Gruehn von der TU Dortmund fordert ebenfalls in der "WAZ" Konsequenzen für Neubaugebiete: "Sie können eine Schwachstelle im System darstellen, vor allem dann, wenn sie in nicht geeigneten Lagen, zum Beispiel überschwemmungsgefährdeten Gebieten ausgewiesen werden."

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Künftige Baugebiete sollten nur noch auf geeigneten Standorten entstehen. Und sie müssten - nach dem Prinzip einer Schwammstadt - Wasser durchlassen und speichern können.

Alle Meldungen des gestrigen Tages findest Du im TAG24-Ticker zum Geschehen in NRW von Mittwoch.

Update, 21.43 Uhr: WDR: Hätten in Unwetternacht "engmaschiger" berichten müssen

Der Westdeutsche Rundfunk hat Lücken in seiner Berichterstattung in der Unwetternacht der vergangenen Woche eingeräumt.

In seinen Programmen habe der WDR deutlich und wiederholt über die Gefahren und Auswirkungen des Hochwassers informiert, teilte der Sender am Donnerstag mit. Dazu seien lokale Warnmeldungen der Behörden aufgegriffen und redaktionell verarbeitet worden.

"Nach sorgfältiger Prüfung hätte dies in der Nacht engmaschiger passieren müssen, zum Beispiel mit einer durchgehenden Sondersendung bei WDR 2", heißt es in der Mitteilung.

Der WDR prüfe derzeit mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und dem nordrhein-westfälischen Innenministerium, wie die Bevölkerung mit Warnungen vor Gefahren besser erreicht werden könne.

Update, 18.23 Uhr: Weiteres Todesopfer gefunden

Einsatzkräfte haben im schwer von der Unwetterkatastrophe getroffenen Kreis Euskirchen ein weiteres Todesopfer gefunden.

Die Leiche sei am Mittwochnachmittag in der Stadt Schleiden in der Eifel entdeckt worden, teilte die Kölner Polizei am Donnerstag mit.

Update, 17.33 Uhr: Kirchen rufen zu Glockengeläut und Gebet für Flutopfer auf

Als Zeichen der Solidarität und im Gedenken an die vielen Opfer der Flutkatastrophe läuten in Nordrhein-Westfalen am Freitagabend (18.00 Uhr) in vielen Kirchen die Glocken. Die evangelischen Landeskirchen haben gemeinsam mit katholischen Bistümern zum Geläut mit anschließender Andacht aufgerufen.

So haben auch viele Gemeinden in den Katastrophengebieten große Schäden durch das Hochwasser erlitten, hieß es beim Erzbistum Köln.

Beeindruckt zeigten sich Vertreter der Kirchen von der großen Hilfsbereitschaft. Es seien unzählige Engagierte aus den Gemeinden landesweit an Hilfsaktionen beteiligt.

Auch viele Notfallseelsorger seien seit der vergangenen Woche im Einsatz. Die rheinische Kirche überträgt auch eine Andacht aus Ratingen im Internet.

Update, 17.24 Uhr: Journalistin schminkt sich mit Schlamm

In Bad Münstereifel zerstörten die Wassermassen große Teile der Stadt.
In Bad Münstereifel zerstörten die Wassermassen große Teile der Stadt.  © Montage: Instagram/SusannaOhlen / Oliver Berg/dpa

Eine Journalistin von RTL hat sich im Katastrophengebiet Bad Münstereifel offenbar absichtlich mit dem Schlamm des Starkregens "geschminkt".

Bei Youtube soll ein verzehrtes Video die Aktion von Reporterin Susanna Ohlen (39) zeigen.

Darauf ist zu sehen, wie sich die Moderatorin nach etwas Schlamm bückt und sich im Anschluss das Gesicht und ihren schwarzen Hut berührt. Ein Kameramann und ein Ton-Mann stehen daneben.

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RTL bezog Stellung und beurlaubte die Journalistin. Den ausführlichen Text liest Du hier.

Update, 16.24 Uhr: Schadenserfassung aus der Luft: Strassen.NRW setzt Luftschiff ein

Der Landesbetrieb Straßenbau setzt im Raum Erftstadt ein kleines, unbemanntes Luftschiff zur Schadenserfassung ein.

Wie "Strassen.NRW" am Donnerstag auf Twitter mitteilte, liefert das ferngesteuerte zwölf Meter lange Luftschiff aus 200 Metern Höhe präzise Daten und Bilder.

Gesichter und Kennzeichen würden nicht erkannt. Bereitgestellt worden sei es von der Firma Airbus.

Update, 15.30 Uhr: Laschet will Solidarbeiträge aller Länder zur Flutkatastrophe klären

CDU-Chef Armin Laschet (60) möchte in einer Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) klären, welchen Anteil jedes Bundesland an den Folgekosten der Flutkatastrophe übernehmen wird. Auch nicht direkt von dem Unwetter betroffene Länder müssten dort die Größenordnung ihres Beitrags benennen, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident am Donnerstag in Düsseldorf nach einer Sondersitzung seines Kabinetts zur Flutkatastrophe. Dazu werde die MPK in den nächsten Wochen zusammenkommen.

"Wenn eine Notsituation da ist, darf man die, die das alles ertragen müssen, nicht alleine lassen", betonte der Kanzlerkandidat der Union. "Da muss das ganze Land und die gesamte Bundesrepublik Deutschland denen helfen, die in Not geraten sind."

Einige Bundesländer hätten bereits einen Hilfsbeitrag benannt. Das müsse nun aber in einer MPK mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (67, CDU) zusammengetragen werden, "dass wir wirklich zu dieser großen nationalen Solidaritätsaktion kommen". Parallel zu den Aufräumarbeiten sei nun der Finanzbedarf für den großen Aufbaufonds zu ermitteln.

Deutschland habe bei der Unwetterkatastrophe inzwischen auf jeden Fall die Schadensgröße erreicht, um Mittel aus dem Europäischen Solidaritätsfonds beantragen zu können, sagte Laschet. Darum werde er sich jetzt bemühen. "Denn Deutschland war sehr häufig solidarisch in Europa."

Update, 14.58 Uhr: Viele Hochwasser-Messstationen nach Flut gestört oder kaputt

Die Flutkatastrophe hat in Nordrhein-Westfalen an vielen Stellen Wasser-Messtationen an Flüssen beschädigt. Mindestens drei Pegelhäuschen - eines an der Erft, zwei an der Urft - seien so kaputt, dass sie nicht wiederherstellbar seien, teilte ein Sprecher des Landesamtes für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz am Donnerstag auf Anfrage mit. Außerdem zeige sich, dass einige Pegelmessungen nicht mehr zuverlässig Daten erheben.

An den vom Hochwasser besonders betroffenen Flüssen in der Eifel, aber auch an der Lenne oder Volme im Sauerland sowie an der Wupper ist an einigen Messstationen die sonst kontinuierliche Messung zeitweise unterbrochen. Bei den historischen Wasserständen seien an vielen Stellen Pegel komplett überspült worden. Zum Teil sei die Elektronik gestört. Der WDR hatte zuvor über die Ausfälle berichtet.

Die Schadensaufnahme laufe derzeit noch, so der Sprecher weiter. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Messteams seien aktuell in den Hochwassergebieten unterwegs, um die Stationen zu prüfen und Reparaturen soweit möglich direkt durchzuführen. Es gebe häufig noch zusätzliche Messmethoden, mit denen weiterhin Daten geliefert würden. Allerdings seien die Fachleute nun dabei, möglichst schnell wieder ein lückenloses Messnetz zu gewährleisten.

Insgesamt wird an 85 Pegeln an Nordrhein-Westfalens Flüssen gemessen. Die dort gesammelten Daten sollen der Früherkennung von Hochwassergefahren dienen.

Update, 14.24 Uhr: Niedecken: Wer den Klimawandel leugnet, "hat sie nicht mehr alle"

BAP-Sänger Wolfgang Niedecken (70, "Verdamp lang her") hat kein Verständnis für Menschen, die den Klimawandel leugnen. "Es wird doch immer schlimmer", sagte der Kölner Musiker dem Sender Bayern 2 in einem am Donnerstag veröffentlichten Gespräch. Da seien die Waldbrände, die langen Trockenheiten - und der schwere Regen.

"Das nimmt ja zu. Wer das noch leugnen will, dass das Klima sich wandelt, der hat sie nicht mehr alle. Das ist so ähnlich, wie die Typen, die Corona leugnen", erklärte Niedecken.

Update, 14.22 Uhr: NRW richtet "Bürgertelefon Fluthilfe" ein

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat ein "Bürgertelefon Fluthilfe" eingerichtet. Unter der Nummer 0211-46844994 könnten Bürger, Unternehmer und Landwirte von 15 Uhr an Fragen stellen, erklärte Ministerpräsident Armin Laschet (60, CDU) am Donnerstag in Düsseldorf nach einer Sondersitzung des Landeskabinetts zur Unwetterkatastrophe. Dort werde etwa über die Anlaufstellen für die neuen Fluthilfe-Anträge informiert.

Bürgermeistern und Landräten, die Probleme mit zu langen Behördenwegen hätten, riet der Ministerpräsident, im Innenministerium anzurufen. "Viele Probleme man sich theoretisch gar nicht erdenken", ermunterte Laschet die kommunalen Spitzen. "Wir tun alles, das zu lösen."

Update, 14.18 Uhr: NRW wird Weg für Warnung per SMS auf Handy ebnen

Nach der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (60, CDU) die Warnung der Bevölkerung vor Gefahren auch per SMS gefordert. Die Information "hinein in eine Funkzelle direkt im Katastrophengebiet" müsse jetzt ermöglicht werden, sagte Laschet am Donnerstag nach einer Sitzung des Landeskabinetts in Düsseldorf.

Das so genannte Cell Broadcasting sollte am besten deutschlandweit eingeführt werden. "Wenn es bundesweit nicht geht, wird Nordrhein-Westfalen den Weg dafür ebnen", kündigte Laschet an. Daneben seien aber auch weiterhin Sirenen nötig.

Nach der Unwetterkatastrophe hatte es Vorwürfe gegeben, die Menschen in den betroffenen Gebieten seien nicht schnell genug gewarnt worden.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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