Leipziger Feuerwehr kehrt aus Hochwasser-Gebiet zurück: Anwohner-Kritik wegen "Gegröhle und Gelächter"

Leipzig - Vier Tage nach der Hochwasser-Katastrophe im Westen Deutschlands starteten 18 Fahrzeuge besetzt mit zunächst 71 Einsatzkräften aus Leipzig nach Rheinland-Pfalz. Am gestrigen Sonntag kehrten die zwischenzeitlich ausgetauschten Helfer zurück nach Sachsen.

Mit einem großen Fuhrpark machten sich Dutzende hauptsächlich ehrenamtliche Helfer am 19. Juli auf den Weg ins Hochwasser-Gebiet nach Rheinland-Pfalz.
Mit einem großen Fuhrpark machten sich Dutzende hauptsächlich ehrenamtliche Helfer am 19. Juli auf den Weg ins Hochwasser-Gebiet nach Rheinland-Pfalz.  © Bildmontage: Facebook/Feuerwehr Leipzig

Schon am Mittwoch verabschiedete Heiko Rosenthal (46, Linke) weitere ehrenamtliche Hilfskräfte mit drei Bussen ins besonders betroffene Gebiet um Bad Neuenahr-Ahrweiler, in dem auch Kräfte aus Grimma und Colditz sowie dem Landkreis Zwickau und dem Erzgebirge zum Einsatz kamen.

Für Leipzig machten sich Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren Baalsdorf, Holzhausen, Mölkau, Süd, Grünau, Plaußig, Lützschena-Stahmeln, Böhlitz-Ehrenberg, Lindenthal und Liebertwolkwitz sowie des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auf den etwa 500 Kilometer langen Weg.

An dessen Ende sollten sie Bilder zu sehen bekommen, die sie wohl eher in einer Kriegsregion erwartet hätten. Von vielen Häusern standen teilweise nur noch die Bodenplatten, Straßen wurden weggespült, Brücken stürzten unter den Wassermassen ein, Fahrzeuge wurden mit geschwemmt.

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Im Krisengebiet gab es für die Helfer viel zu tun: Zufahrtswege mussten beräumt, Keller ausgepumpt, Gebäude von Schlamm befreit und kleine medizinische Notfälle behandelt werden. Aber auch die Löschfahrzeuge kamen zum Auffüllen der mobilen Nutzwasserbehälter zum Einsatz.

Am Mittwoch wurden die Helfer durch frische Kräfte aus Leipzig ausgetauscht. Zu groß war die körperliche und mentale Anstrengung in Rheinland-Pfalz.

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Fälschliche Kritik zu nächtlichem "Gegröhle und Gelächter" der Feuerwehr Leipzig

Leider kein seltenes Bild in Bad Neuenahr-Ahrweiler: Ein Haus wurde teilweise von den Wassermassen mitgerissen und steht halbseitig offen im Hochwasser-Gebiet.
Leider kein seltenes Bild in Bad Neuenahr-Ahrweiler: Ein Haus wurde teilweise von den Wassermassen mitgerissen und steht halbseitig offen im Hochwasser-Gebiet.  © Thomas Frey/dpa

Nicht nur vor Ort, auch über die sozialen Medien erfuhren die sächsischen Helfer eine große Dankbarkeit. Viele hätten nicht erwartet, dass sie diese weite Fahrt quer durch Deutschland auf sich nehmen. Genau das haben sie aber getan.

Allerdings gab es auch überraschend heftige Kritik. Eine offensichtliche Anwohnerin bedankte sich zwar bei den Leipzigern, kritisierte aber angeblich von ihnen ausgehende Feierlichkeiten zum Ende des Hilfseinsatzes.

"Muss jetzt noch um diese Uhrzeit so laut der Abschied gefeiert werden, mit Gegröhle und Gelächter, Flaschen schmeißen?", fragte die Frau mitten in der Nacht via Facebook.

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"Ich wohne gegenüber der Grundschule, habe einen 4-jährigen Sohn, der sein halbes zu Hause verloren hat (...) Durch das laute Feiern ist er wach geworden und fragt, ob die Feuerwehr über uns lacht, sich über uns lustig macht... Das ist für uns beide ein bedrückender Abschied von tollen Helfern....", endete der Post.

Das konnte die Feuerwehr Leipzig so nicht auf sich sitzen lassen. Das Social-Media-Team unternahm Recherchen zu den geäußerten Schilderungen. Man habe sich zunächst beim zuständigen Verbandsführer erkundigt. Ihm ist das beschriebene Verhalten in der Nähe zur Unterkunft auch aufgefallen. Die Lautstärke ging definitiv nicht von unseren Einsatzkräften aus, diese haben nach den anstrengenden letzten Tagen und der bevorstehenden Heimreise zeitnah das Feldbett aufgesucht", stellten die Kameraden klar.

Titelfoto: Bildmontage: Facebook/Feuerwehr Leipzig

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