Meteorologe Kachelmann kritisiert Behörden nach Todesflut: "Hätte Evakuierungen geben können"

Düsseldorf - Schon Tage vor der Hochwasser-Katastrophe zeichnete sich nach Einschätzung des Wetterexperten Jörg Kachelmann (63) ein extremes Wetterereignis für den Südwesten von Nordrhein-Westfalen ab.

Nach Einschätzung des Wetterexperten Jörg Kachelmann (63) hatte sich schon Tage vor der Hochwasser-Katastrophe ein extremes Wetterereignis abgezeichnet.
Nach Einschätzung des Wetterexperten Jörg Kachelmann (63) hatte sich schon Tage vor der Hochwasser-Katastrophe ein extremes Wetterereignis abgezeichnet.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Am Montag, dem 12. Juli, sei nach den Wettermodellen eigentlich bekannt gewesen, dass etwas Großes passieren würde, sagte Kachelmann am Freitagabend bei seiner etwa zweistündigen Befragung als Zeuge im Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags zur Flut in Düsseldorf.

Die Wettermodelle hätten bereits an jenem Montag die große Gefahr einer Extremwetterlage mit sehr großen Regenmengen bestätigt, nachdem sie am Sonntag eindeutige Hinweise auf eine Extremwetterlage durch Stark- und Dauerregen in Nordrhein-Westfalen geliefert hätten.

Kachelmann schilderte die außergewöhnliche Wetterkonstellation im Juli: dass feuchte Luftmassen von Nordosten statt von Westen gegen die Eifel gedrückt worden seien, dass ein sehr großflächiges Gebiet unter Starkregen gestanden habe, dass der Boden nicht mehr aufnahmefähig gewesen sei.

Viele hätten gerettet werden können: Hochwasser-Katastrophe an der Ahr schon am Vortag absehbar
Hochwasser Viele hätten gerettet werden können: Hochwasser-Katastrophe an der Ahr schon am Vortag absehbar

"Die Informationen waren alle da", betonte Kachelmann. Warum seien die Menschen von den Behörden nicht darüber informiert worden, dass etwas komme, was man noch nicht gesehen habe?, fragte er mit Blick auf die Ereignisse am 13. und 14. Juli, als Rekord-Regenmengen zu Hochwasser und Überflutungen führten und 49 Menschen starben.

Es hätte Evakuierungen geben können. "Wir haben immer genug Zeit." Bei einer Wiederholung der Ereignisse müsse kein Mensch ums Leben kommen.

Kachelmann warnte vor Hochwasser via Twitter

Die Wassermassen im Sommer 2021 hatten in Teilen NRWs eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Unzählige Existenzen wurden zerstört.
Die Wassermassen im Sommer 2021 hatten in Teilen NRWs eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Unzählige Existenzen wurden zerstört.  © Jonas Güttler/dpa

"Das ist die gute Nachricht, wenn es eine gute Nachricht gibt: Sie können das verhindern", sagte Kachelmann zu den Landtagsabgeordneten. Bei einer Extremwetterlage dürfe keiner schlafen gehen.

Als Kachelmann am Ende auf die mögliche Kostenerstattung für seinen Aufwand zur Zeugenbefragung hingewiesen wurde, erklärte er, das Geld solle lieber einem Opferfonds gespendet werden.

Der Wetterexperte hatte am 13. Juli mittags per Tweet gewarnt, es werde "womöglich Zeit, Menschen allmählich behördlicherseits und medial auf ein Hochwasser-Szenario vorzubereiten".

Nach Hochwasser: Traumazentrum für Flutopfer in NRW gefordert
Hochwasser Nach Hochwasser: Traumazentrum für Flutopfer in NRW gefordert

In der folgenden Nacht kam es dann zu den ersten Überschwemmungen.

Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa, Jonas Güttler/dpa (Bildmontage)

Mehr zum Thema Hochwasser: