Milliardenschäden durch Flutkatastrophe: Deutsche Bahn schlägt Alarm!

Berlin - Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat nicht nur die Menschen in der Region hart getroffen. Am heutigen Freitag zog die Deutsche Bahn eine verheerende Bilanz. Zahlreiche Gleise, Bahnhöfe und Fahrzeuge sind schwer beschädigt oder ganz zerstört - die Schadenssumme beläuft sich ersten Einschätzungen zufolge auf 1,3 Milliarden Euro.

Ein Regionalzug steht in Kordel am Bahnhof im Wasser.
Ein Regionalzug steht in Kordel am Bahnhof im Wasser.  © dpa/Sebastian Schmitt

"In dieser Dimension wurde unsere Infrastruktur noch nie auf einen Schlag zerstört", sagte Volker Hentschel, Vorstand für Anlagen- und Instandhaltungsmanagement bei DB-Netz.

"Wir stehen vor einem gewaltigen Kraftakt (...) Monaten, wenn nicht sogar an einigen Stellen Jahren", bis die Schäden wieder vollends behoben sind. Derzeit liefen Gespräche mit dem Bund, wie das ganze finanziert werden könne.

In der Tat steht die Bahn vor einer Mammutaufgabe. Die gezogene Bilanz spricht von rund 600 Kilometern Gleisen, die beschädigt oder zerstört worden sind. Hinzu kommen 50 Brücken sowie Dutzende Stationen und Haltepunkte.

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Auch 40 Stellwerke, 1000 Oberleitungs- und Signalmaste und 180 Bahnübergänge müssen wahrscheinlich komplett erneuert werden.

Erneuerungsbedarf haben auch ganze Abschnitte. So sind beispielsweise mehrere Strecken über Euskirchen (südwestlich von Bonn) betroffen, wie die Erfttalbahn, die Eifelstrecke und die Voreifelbahn.

Auch in NRW muss teilweise neu gebaut werden.

80 Prozent der Infrastruktur soll bis Jahresende wieder funktionieren

Bahngleise hängen in der Luft. Das Hochwasser der Ahr hat zahlreiche Brücken zerstört und die Bahnstrecke in weiten Teilen weggespült.
Bahngleise hängen in der Luft. Das Hochwasser der Ahr hat zahlreiche Brücken zerstört und die Bahnstrecke in weiten Teilen weggespült.  © dpa/Thomas Frey
Volker Hentschel, Vorstand für Anlagen- und Instandhaltungsmanagement bei DB-Netz, zog am Freitag die Hochwasser-Schadensbilanz.
Volker Hentschel, Vorstand für Anlagen- und Instandhaltungsmanagement bei DB-Netz, zog am Freitag die Hochwasser-Schadensbilanz.  © dpa/Markus Scholz

Rund 2.000 Mitarbeiter seien aktuell fast rund um die Uhr mit Aufräumen und Reparieren beschäftigt, so Hentschel weiter. Alles läuft nach einem klaren Prinzip. Schnell zu bewerkstelligende Reparaturen mit hohem Nutzen für die Fahrgäste haben Vorrang. Ziel: Etwa 80 Prozent der Infrastruktur sollen bis Jahresende wieder fit gemacht werden.

Beim Rest wird es kompliziert. Teils müssen völlig neue Konzepte unter Berücksichtigung von landwirtschaftlichen Begebenheiten und klimatischen Veränderungen entworfen werden.

Fest steht für Hentschel: "Wir werden die beschädigten Anlagen nach neuestem technischen Stand wieder aufbauen."

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Das gelte sowohl für die digitale Ausstattung als auch andere bauliche Maßnahmen. Pfeiler von Brücken sollen etwa künftig weiter auseinander stehen, sodass sich Treibgut nicht mehr so gut an ihnen ablagern kann.

Die rot markierten Regionalverkehrs-Strecken werden wohl länger gesperrt bleiben. Die blau gefärbten Flächen könnten schneller repariert werden.
Die rot markierten Regionalverkehrs-Strecken werden wohl länger gesperrt bleiben. Die blau gefärbten Flächen könnten schneller repariert werden.  © dpa Grafik/A. Zafirlis/J. Schneider
In Kall wurden die Gleise unterspült. Unrat sammelte sich an Bahnübergängen und auf den Fahrtwegen der Bahn.
In Kall wurden die Gleise unterspült. Unrat sammelte sich an Bahnübergängen und auf den Fahrtwegen der Bahn.  © dpa/Oliver Berg

Parallel zu den Reparaturarbeiten prüft der Konzern außerdem, in welchem Umfang die Schäden versichert waren.

Titelfoto: Montage: dpa/Sebastian Schmitt, dpa/Oliver Berg, dpa/Thomas Frey

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