"Viele von uns sind traumatisiert": Erste größere Demo von Ahr-Flutopfern

Bad Neuenahr-Ahrweiler - Rund zehn Monate nach dem tödlichen Hochwasser im Ahrtal haben etwa 150 bis 200 Demonstranten an der ersten größeren Kundgebung von Flutopfern teilgenommen.

Bis zu 200 Demonstranten haben sich am heutigen Donnerstag zur ersten größeren Kundgebung im Ahrtal seit der Hochwasser-Katastrophe im vergangenen Jahr getroffen
Bis zu 200 Demonstranten haben sich am heutigen Donnerstag zur ersten größeren Kundgebung im Ahrtal seit der Hochwasser-Katastrophe im vergangenen Jahr getroffen  © dpa/Thomas Frey

Sie kritisierten unter anderem die oft sehr schleppende Auszahlung von Geld aus dem Wiederaufbaufonds von Bund und Ländern für Flutopfer mit beschädigten oder zerstörten Häusern.

Viele Anwohner seien "wütend, traurig, enttäuscht und schockiert", heißt es im Aufruf von "Ahrtal - Wir stehen auf", einem Zusammenschluss von rund 80 Betroffenen, für den Demonstrationszug am Donnerstag in Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Manche Teilnehmer pfiffen laut und trugen Transparente, auf denen es beispielsweise hieß: "Wir leben in Ruinen" und "Wir stehen auf - vergesst uns nicht"."Viele von uns sind traumatisiert, das tägliche Ansehen der zerstörten Landschaft und Infrastruktur, besonders für unsere Kinder, macht uns sehr traurig", hieß es in dem Aufruf für die Demo.

Filme, Dokus, Talkshows: Das planen ARD und ZDF zum Jahrestag der Flut-Katastrophe
Hochwasser Filme, Dokus, Talkshows: Das planen ARD und ZDF zum Jahrestag der Flut-Katastrophe

Mit Verbesserungen gehe es nur langsam voran. Nötig seien gerade für Anwohner noch ohne Küchen weiterhin kostenlose Essensausgaben an Versorgungsstationen sowie eine Gratis-Entsorgung von Abfällen auf offenen Mülldeponien.

Lokalpolitiker zeigen Verständnis für die Forderungen der Flutopfer

"Wir leben in Ruinen" oder "Wir stehen auf - vergesst uns nicht" hieß es auf den Plakaten der Demonstranten.
"Wir leben in Ruinen" oder "Wir stehen auf - vergesst uns nicht" hieß es auf den Plakaten der Demonstranten.  © dpa/Thomas Frey

Die Landrätin des Kreises Ahrweiler, Cornelia Weigand (51, parteilos), und der Bürgermeister von Bad Neuenahr-Ahrweiler, Guido Orthen (56, CDU), hatten vorab in einem Video Verständnis für die Forderungen gezeigt.

Weigand räumte ein, dass die umfangreichen Anträge auf Finanzhilfe, für die auch teils überlastete Gutachter angefragt werden müssen, nicht von "jedem leicht auszufüllen sind". Es gebe dafür aber Hilfe.

Orthen sagte zum Stadtbild von Bad Neuenahr-Ahrweiler: "Ja, viele Bereiche sind noch verwüstet." Doch der Wiederaufbau laufe "mit Hochdruck". In seiner Stadt gebe es weiter auch Anlaufstellen mit ehrenamtlicher Hilfe.

Hochwasser 2021: Sachsen bekommen Schäden komplett erstattet!
Hochwasser Hochwasser 2021: Sachsen bekommen Schäden komplett erstattet!

Weigand ergänzte, Müllabgabestellen teils mitten in Dörfern würden zwar geschlossen, aber andernorts könne Schutt weiter abgegeben werden, auch mit finanzieller Unterstützung.

Bei der etliche Meter hohen Sturzflut im Juli 2021 nach extremem Regen waren im engen Ahrtal 134 Menschen getötet und mehr als 750 verletzt worden. Tausende Häuser wurden beschädigt oder zerstört, ebenso Straßen, Brücken und Schienen.

Titelfoto: dpa/Thomas Frey

Mehr zum Thema Hochwasser: