Verstörend: Instagram trieb Mädchen fast in den Tod!

New South Wales (Australien) - Die Social-Media-Plattform Instagram zeigt jungen Mädchen angeblich Content an, der Essstörungen verherrlicht. Eine Australierin (20) hätte dies beinahe das Leben gekostet.

Ashlee Thomas (20) musste wegen ihrer Anorexie in die Kinderpsychiatrie eingewiesen werden.
Ashlee Thomas (20) musste wegen ihrer Anorexie in die Kinderpsychiatrie eingewiesen werden.  © Screenshot/Instagram/Ashlee Thomas

Ashlee Thomas war nur 14 Jahre alt, als sie im Queensland Children's Hospital (deutsch: Queensland Kinderkrankenhaus) eingewiesen wurde. Sie wog gerade mal 39 Kilo, zweimal erlitt sie einen Herzstillstand. Die Ärzte dachten nicht, dass sie überleben würde. Wie konnte es so weit kommen?

Laut Ashlee fing alles mit Instagram an. Als sie auf der Plattform nach Sport- und Ernährungs-Tipps suchte, stieß sie auf zahlreiche Extrem-Diät-Konten. Von da aus ging es bergab: Ihre Timeline war irgendwann voll mit super-schlanken, abgemagerten Körpern, die auf Instagram großen Anklang fanden.

"Ich wollte genauso gemocht und geliebt werden wie die", sagt Ashlee jetzt im Interview mit CNN. "Ich wollte wissen, wie sich das anfühlt."

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So kam es in der Realität aber nicht: Statt sich geliebt zu fühlen, hat Ashlee angefangen, sich und ihren Körper zu hassen.

Trotz einer Diagnose gab es zunächst keine Hilfe für Ashlee

Irgendwann konnte Ashlee Thomas nicht mehr essen, was ihr und ihrer Familie großen psychischen Stress bereitete.
Irgendwann konnte Ashlee Thomas nicht mehr essen, was ihr und ihrer Familie großen psychischen Stress bereitete.  © Screenshot/Instagram/Ashlee Thomas

Zuerst aß sie immer weniger, bis sie schließlich komplett mit dem Essen aufhörte. Verzweifelt versuchten ihre Eltern, sie schließlich dazu zu zwingen: "Es wurde so schlimm, dass mein Vater mir den Kiefer aufhielt und meine Mutter mir Essen in den Rachen spritzte, weil ich mich geweigert habe, etwas zu essen", erzählte Ashlee. Schließlich rief jemand wegen dieser Vorfälle das Jugendamt.

Obwohl Ashlee offiziell mit Anorexie diagnostiziert wurde, wollten Kliniken sie zuerst nicht aufnehmen.

Unter einem Instagram-Posting beschreibt die Australierin, dass es erst richtig schlimm werden musste, bevor sie behandelt wurde: Für medizinisches Einschreiten wog sie angeblich anfangs noch zu viel.

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Ganze 22 Wochen lang musste ihre Familie kämpfen, bis sie endlich Hilfe bekam. Als sie ins Krankenhaus eingeliefert wurde, war sie dem Tode nah: Die Ärzte waren sich nicht sicher, ob sie überleben würde.

Instagram wusste von der Gefahr und tat angeblich nichts

Die Whistleblowerin Frances Haugen wird bei ihrer Anhörung auf dem Capitol Hill vom US-Senator Richard Blumenthal begrüßt.
Die Whistleblowerin Frances Haugen wird bei ihrer Anhörung auf dem Capitol Hill vom US-Senator Richard Blumenthal begrüßt.  © Jabin Botsford/Pool The Washington Post/dpa

Ashlees Geschichte ist herzzerreißend, aber bei Weitem kein Einzelfall. Besonders bei Mädchen und jungen Frauen können Essstörungen zu einem Problem werden. Social-Media kann dabei eine große Rolle spielen - ein Phänomen, das Instagram bekannt ist, wenn nicht sogar aktiv unterstützt.

Dass Facebook, zu dessen Unternehmensgruppe Instagram gehört, über diese toxische Gefahr für junge Mädchen informiert war, wurde durch mehrere geleakte Dokumente bestätigt. Diese wurden von der Whistleblowerin Frances Haugen veröffentlicht, wie zum Beispiel das Handelsblatt berichtete.

Konten, die extreme Diäten oder Essstörungen verherrlichen, verstoßen offiziell gegen Instagram-Regeln. Dennoch werden angeblich genau solche Konten von Instagrams Algorithmen für junge Mädchen hervorgehoben.

Ein Team vom US-Senator Richard Blumenthal (75) erstellte einen Account als 13-jähriges Mädchen und folgte ein paar Konten, die Essstörungen verherrlichten. Bald wurde dem Account nur noch solche Konten angezeigt, wie zum Beispiel die Neue Schweizer Zeitung berichtete.

Laut Frances Haugens Aussagen wüsste Facebook genau, wie man die Plattform sicherer gestalten könnte. Sie weigern sich aber vermeintlich einzugreifen, aus Angst, dass sich dadurch Profite verringern könnten.

Ashlee versucht jetzt, das Positive aus der Geschichte zu ziehen

Ashlee Thomas setzt sich mit ihrem Instagram Konto für einen besseren Umgang mit Essstörungen ein.
Ashlee Thomas setzt sich mit ihrem Instagram Konto für einen besseren Umgang mit Essstörungen ein.  © Screenshot/Instagram/Ashlee Thomas

Ashlee Thomas' Geschichte hat sich glücklicherweise zum Guten gewendet. Nach einem langen, harten Weg und intensiver Behandlung kann sie inzwischen auf ihrem Instagram-Kanal ihre Geschichte teilen. Die jetzt 20-Jährige hofft, dass sie damit den öffentlichen Umgang mit Essstörungen verbessern kann.

Trotzdem ist der Schaden erheblich, den Instagram offenbar bei ihr und Tausenden von anderen jungen Mädchen angerichtet hat. Ashlee sagt dazu: "Es kann nicht sein, dass wir im Krankenhaus landen, künstlich ernährt werden müssen, unsere Eltern gezwungen sind, sich von uns zu verabschieden oder ihr Sorgerecht verlieren, nur weil eure Plattform uns dazu ermutigt zu hungern oder extreme Diäten zu machen."

Facebook und Instagram wehren sich gegen Vorwürfe wie diese: "Wir erlauben keinen Content, der Essstörungen verherrlicht oder ermutigt und haben die Konten, die gegen diese Regeln verstoßen, sofort nach ihrer Meldung entfernt", sagte ein Pressesprecher der Firma. Auch Mark Zuckerberg meint im CNN-Bericht, von Facebook würde ein falsches Bild dargestellt werden.

Ob die Plattformen in Zukunft weitere Maßnahmen ergreifen werden, um Jugendliche vor psychischen Problemen, die durch Social-Media entstehen, zu schützen, bleibt abzusehen.

Wenn du, oder eine Person, die du kennst, an einer Essstörung leidet, kannst du hier Hilfe finden.

Titelfoto: Montage: Screenshot/Instagram/Ashlee Thomas (2)

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