Porno-Studie: Social Media meist einfachster Zugang für Jugendliche zu Sex-Inhalten

München - Seit vielen Jahren ist es für Menschen mit Internet kein Problem, an pornografische Inhalte im Internet zu kommen. Die vorgeschaltete "Hürde", mit einem Mausklick zu bestätigen, dass man über 18 sei, stellt dabei für Jugendliche kein Hindernis dar.

Soziale Medien sorgen bei 63 Prozent der Jugendlichen eher für Zugang zu Sex-Inhalten, als entsprechende Internetseiten. (Symbolbild)
Soziale Medien sorgen bei 63 Prozent der Jugendlichen eher für Zugang zu Sex-Inhalten, als entsprechende Internetseiten. (Symbolbild)  © Jens Kalaene/ZB/dpa

Aus diesem Grund sind einzelne Länder bereits dabei, hier strengere Regeln per Gesetzentwurf einzufordern.

"Eine Idee dabei wäre, dass man sich in einem Geschäft entsprechende Zugangskarten kaufen muss. Dabei muss man an der Kasse seinen Ausweis vorzeigen und erhält schließlich den Freischaltcode für jeweilige Websites", erklärt Prof. Dr. Neil Thurman vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München.

Im Gespräch mit TAG24 zeigt sich der Wissenschaftler jedoch skeptisch, ob sich hierbei der erwünschte Erfolg zeigen wird: "In einer Studie haben wir herausgefunden, dass die Internetseiten mit expliziten Inhalten gar nicht der Hauptgrund für den Erstkontakt zu Pornografie für Jugendliche sind."

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Laut der Untersuchung, die mit 1000 Jugendlichen zwischen 16 und 17 Jahren gemacht wurde, entsteht der erste Zugang über soziale Medien: "Zwar suchen die Jugendlichen auf Pornoseiten nach entsprechenden Inhalten. Die ersten Kontakte zu derartigen Videos und Filmen entstehen jedoch bei 63 Prozent über Social-Media-Plattformen."

Mit 51Prozent liegen Internet-Suchmaschinen auf Platz 2. Die berüchtigten Internetseiten landen mit 47 Prozent erst auf Platz 3.

Mit anderen Worten: Nicht einmal die Hälfte der Befragten sah in den vergangenen 60 Tagen (so die Fragestellung) Pornografie auf Sex-Seiten, fast zwei Drittel jedoch auf Plattformen wie Instagram, Reddit und Twitter.

Altersnachweise auch für Social Media gefordert

Prof. Dr. Neil Thurman sieht Social Media als größeren Faktor für Jugendliche bei pornografischen Inhalten als entsprechende Websites.
Prof. Dr. Neil Thurman sieht Social Media als größeren Faktor für Jugendliche bei pornografischen Inhalten als entsprechende Websites.  © privat/Prof. Neil Thurman

Die Gesetzgeber hätten damit also noble Ziele, arbeiten aber an den Hauptquellen vorbei: "Es bringt wenig, Hürden auf derartigen Internetseiten einzurichten, wenn die Hauptquelle ganz woanders zu finden ist", so Prof. Thurman weiter.

Zusammen mit Fabian Obster, Statistiker an der Universität der Bundeswehr München, hat der Wissenschaftler durch die Umfrage herausgefunden, dass 78 Prozent der Jugendlichen im Alter von 16 und 17 Jahren bereits im Netz auf pornografische Inhalte gestoßen sind. Die meisten davon sind männlich.

"Der Umfrage zufolge war es im Schnitt sechs Tage her, dass auf solchen Seiten unterwegs waren. Viele von ihnen haben sich noch am Tag, an dem sie den Fragebogen ausfüllten, Pornovideos oder Galerien angeschaut", fasst eine Pressemeldung der LMU zusammen.

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Darin heißt es weiter: "Auf einschlägigen kommerziellen Websites sind die Jugendlichen im Schnitt gut zwei Stunden im Monat unterwegs, fast ausschließlich auf dem Handy oder dem Tablet. Auch in Social-Media-Portalen suchen sie nach entsprechenden Videos und Bildern."

"Die Umfrage wurde zwar bei Jugendlichen in Großbritannien durchgeführt, die Abweichungen zu anderen Ländern sollten jedoch gering ausfallen", so Thurman.

Was heißt das nun für die Gesetzgeber? "In Kanada will man nun verbesserte Altersverifizierungen nur für Pornoseiten gesetzlich vorschreiben. In Großbritannien auch für soziale Medien", nennt Prof. Dr. Neil Thurman stellvertretend diese beiden Nationen und merkt an, dass die Briten hier wohl einen optimalen Weg einschlagen.

Konkret schlägt der Kommunikationsexperte vor, nicht nur Druck auf die weltweit tätigen Pornografie-Anbieter auszuüben, sondern auch Social-Media-Plattformen einzubeziehen

Titelfoto: Jens Kalaene/ZB/dpa

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