Jede Menge Sex: Was hat es mit OnlyFans auf sich?

Netz - "Wenn Ihr mehr von mir sehen wollt, schaut doch einfach mal bei OnlyFans vorbei": Solche und ähnliche Sätze liest man in letzter Zeit häufiger. Doch was hat es mit der ominösen Plattform eigentlich auf sich?

US-Schauspielerin Bella Thorne (23) verdiente auf OnlyFans mit sexy Bildern ein Vermögen.
US-Schauspielerin Bella Thorne (23) verdiente auf OnlyFans mit sexy Bildern ein Vermögen.  © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Wird den etablierten sozialen Netzwerken langsam das Wasser abgegraben? Seit 2016 gibt es das Webportal OnlyFans, auf dem sich Nutzer einen Account erstellen und über diesen Fotos und Videos teilen können.

Klingt soweit erstmal ganz nach Facebook, Instagram, TikTok, Twitter und Co: Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied! Auf OnlyFans kann der Nutzer seinen Kanal jederzeit kostenpflichtig machen, sodass die eigenen Inhalte nur noch gegen Bezahlung von anderen Usern angesehen werden können.

Die Idee dahinter ist simpel: Influencern und Künstlern soll eine direkte Möglichkeit gegeben werden, Geld zu verdienen - unabhängig von Werbepartnern und deren Produkten.

Und siehe da, das Konzept geht erstaunlich gut auf. Aktuell hat der Webdienst mindestens 60 Millionen Nutzer, davon circa 750.000 Produzenten. Über die genaue Anzahl hält sich die in London ansässige Betreiberfirma, Fenix International Limited, jedoch bedeckt.

Auf OnlyFans entscheidet jeder Content-Ersteller selbst über Abo-Modelle und Preise

Im hauseigenen Blog liefert das Unternehmen professionelle Tipps und Inspirationen für Inhaltsschaffende.
Im hauseigenen Blog liefert das Unternehmen professionelle Tipps und Inspirationen für Inhaltsschaffende.  © Screenshot blog.onlyfans.com

Bisher sind die Inhalte auf OnlyFans hauptsächlich erotischer Natur: So tummeln sich auf der Plattform beispielsweise Models, die von ihren Einnahmen über Instagram enttäuscht sind und zudem gern Content zeigen würden, der auf dem populären Foto-Portal nicht erlaubt ist.

Ob nun der nackte menschliche Körper in all seiner Pracht oder gleich ein kompletter Liebesakt: OnlyFans macht's möglich.

Wichtig: Anders als bei der Konkurrenz wie etwa Pornhub Premium abonniert Ihr hier keinen kompletten Dienst, sondern einzelne Kanäle.

Wie viel Geld Ihr für ein Profil und dessen Inhalte hinlegen müsst, entscheidet nicht OnlyFans, sondern der jeweilige Medienschaffende. In den meisten Fällen liegt der Betrag bei circa 10 bis 20 US-Dollar (8 bis 16 Euro) im Monat.

Je nach abonnierter Account-Anzahl kann somit ziemlich schnell eine hohe Summe auf Euch zukommen. Aber keine Sorge: Ebenso schnell, wie man einen Kanal abonniert hat, kann man ihn zum Folgemonat auch wieder abbestellen. Gezahlt wird per Kreditkarte.

Von der Nische zum Mainstream: Bekannte Gesichter vertreiben die kleineren Akteure

Stilecht mit Lack und Leder: Reality-TV-Teilnehmerin Georgina Fleur (30) räkelt sich in Dessous auf einer Couch. Seit Juni 2020 ist sie auf OnlyFans aktiv.
Stilecht mit Lack und Leder: Reality-TV-Teilnehmerin Georgina Fleur (30) räkelt sich in Dessous auf einer Couch. Seit Juni 2020 ist sie auf OnlyFans aktiv.  © Privat/Georginafleur.tv/dpa

Von den monatlichen Einnahmen bekommt der Inhaltsersteller 80 Prozent, der Rest geht an OnlyFans.

Wie viel man auf der neuartigen Plattform verdienen kann, hängt von der Qualität der Inhalte, aber auch vom eigenen Bekanntheitsgrad ab.

Genau an dieser Stelle offenbart sich dann auch das große Problem von OnlyFans: Je bekannter der Dienst wird, desto namhaftere Persönlichkeiten wirken dort mit. Es besteht die Gefahr eines harten Verdrängungswettbewerbs.

Sehr gut beobachten ließ sich das im Fall der früheren Disney-Schauspielerin Bella Thorne (TAG24 berichtete). Die 23-Jährige landete auf OnlyFans einen enormen Erfolg und verdiente mehrere Millionen Dollar innerhalb kurzer Zeit, nicht zuletzt auch mit hocherotischen Einzelbildern, für die sie eine Sondergebühr verlangte.

Sexarbeiterinnen zeigten sich von der prominenten Konkurrenz wenig begeistert, denn viele von ihnen sind - gerade in Zeiten der Corona-Krise - auf regelmäßige Geldeinnahmen durch ihre digitalen Dienstleistungen angewiesen.

Pornos und Erotik: Wird der thematische Fokus zum Image-Problem für OnlyFans?

Schriftsteller Jonathan Phang kennt sich mit kulinarischen Köstlichkeiten aus. Auf OnlyFans widmet er sich daher mit viel Liebe und Humor dem Thema Kochen.
Schriftsteller Jonathan Phang kennt sich mit kulinarischen Köstlichkeiten aus. Auf OnlyFans widmet er sich daher mit viel Liebe und Humor dem Thema Kochen.  © Screenshot Facebook @OnlyFansOfficial

Die ursprüngliche Gründungsidee von OnlyFans, den kleinen und unbekannten Künstlern eine Plattform und Einnahmequelle zu bieten, wird durch die immer größer werdende Flut an Stars und Promis zunehmend ad absurdum geführt.

Der Hobby-Koch, der sich beim Zubereiten seiner Lieblingsgerichte filmt, sowie die Gitarristin, die ihren Followern Tutorials zum Erlernen des Musikinstruments anbietet, werden es auf absehbare Zeit schwerer haben.

Hinzu kommt die klare Tendenz der meisten Nutzer, vor allem erotische und pornographische Inhalte zu erstellen - nicht unbedingt das beste Aushängeschild für eine Plattform, die ihren Besuchern eigentlich eine vielfältige Content-Landschaft zur Verfügung stellen möchte.

Nicht umsonst wird in den offiziellen Nutzungsbedingungen mittlerweile ein Mindestalter von 18 Jahren für alle User vorgeschrieben.

Für deutschsprachige Nutzer gibt es darüber hinaus noch Verbesserungsbedarf, was die Übersetzung der Texte auf der Website anbelangt. So findet sich etwa unter dem Stichpunkt "Hilfe und Support" bislang nur der gleichermaßen seltsam und amüsant anmutende Platzhalter "Willkommensbegeisterter Text".

Dass sich viele davon nicht abschrecken lassen, beweist die Zahl von derzeit rund 4000 Nutzern aus Deutschland, die kostenpflichtige Inhalte anbieten. Schaut man sich deren Themengebiete näher an, ergibt sich übrigens auch hier ein klarer Favorit. Pornos und Erotik liegen weit vorne auf dem ersten Platz: Sex sells!

Titelfoto: Privat/Georginafleur.tv/dpa, Screenshot onlyfans.com

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