Hive Social und Mastodon: Vielversprechende Alternativen zu Twitter bekommen Zulauf

Silicon Valley - Nach der turbulenten Übernahme von Twitter durch Elon Musk (51) konnten alternative Plattformen wie Hive Social und Mastodon neue Nutzer gewinnen. Mit innovativen Konzepten versuchen sie, sich gegen den Marktführer durchzusetzen.

Hive Social und Mastodon könnten ernstzunehmende Konkurrenten für Twitter werden.
Hive Social und Mastodon könnten ernstzunehmende Konkurrenten für Twitter werden.  © Andre M. Chang/ZUMA Press Wire/dpa

Schon bevor Elon Musk Twitter kaufte, gab es immer wieder Kritik an der Plattform. Nutzer beklagten sich über den Algorithmus, welcher gezielt Werbung fördert und über zu lasches Vorgehen gegen die Verbreitung von Fake News und Hassreden.

Nachdem Musk Twitter offiziell übernommen hatte, konnten Mastodon und Hive Social einen deutlichen Anstieg an Nutzern verzeichnen.

Ähnlich wie beim Marktführer können bei beiden Plattformen Bilder, Videos und Kommentare gepostet werden. Im Gegensatz zu Twitter gibt es jedoch keine Werbung und keinen Algorithmus, Beiträge werden streng chronologisch angezeigt.

Mastodon und Hive Social haben noch weitere individuelle Merkmale, die sie voneinander unterscheiden.

Hive Social lockt mit einzigartigen Möglichkeiten, sein eigenes Profil zu personalisieren

"Hive" bedeutet auf Deutsch Bienenstock, die Plattform hat mittlerweile eine Million Nutzer. (Symbolbild)
"Hive" bedeutet auf Deutsch Bienenstock, die Plattform hat mittlerweile eine Million Nutzer. (Symbolbild)  © Ulrich Perrey/dpa

Hive Social wurde von einer College-Studentin gegründet, die sich das Programmieren selber beibrachte, teilt das Unternehmen auf ihrer Website mit.

Die Kurznachrichten-Plattform besticht auf den ersten Blick mit einem bunten Design und der Möglichkeit, das eigene Profil an die ästhetischen Vorlieben anzupassen.

Neben einem Farbthema, Sternzeichen und bevorzugten Pronomen kann man einen oder mehrere Lieder auswählen, die anderer Nutzer hören, wenn sie das eigene Profil besuchen. Dafür verknüpft man entweder Spotify oder Apple Music mit dem Account.

Auch unterscheidet sich der Umgang mit Nacktheit. Es ist explizit erlaubt, Nacktfotos, Videos und Bilder von Geschlechtsverkehr zu posten. Es muss lediglich als "NSFW" markiert werden, so wird verhindert, dass Minderjährige diese Posts zu Gesicht bekommen.

Die Gründer glauben daran, dass solche Beiträge auch eine "künstlerische und kreative Essenz" haben.

Die Erfinder verbieten jede Art von Copyright-Verstößen und Hassreden. Bei Verstößen können Accounts temporär gesperrt oder komplett gelöscht werden.

Es ist jedoch fragwürdig, wie die Plattform mit wenigen Mitarbeitern dies konsequent durchsetzen möchte.

Auch zur Sicherheit der nutzerbezogenen Daten stellen sich noch ein paar Fragen, da Hive Social auf der Website explizit darauf hinweist, dass nichts im Internet 100 Prozent sicher sei. Auf eine Anfrage von The Independent zu dem Thema hat das Unternehmen nicht reagiert.

Mastodon zeichnet sich durch ein dezentralisiertes Netzwerk aus

Das Logo von Mastodon ist ein Mammut, die App hat mittlerweile rund sieben Millionen Nutzer.
Das Logo von Mastodon ist ein Mammut, die App hat mittlerweile rund sieben Millionen Nutzer.  © Davide Bonaldo/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

Während Hive Social ein amerikanisches Unternehmen ist, kommt Mastodon aus Deutschland.

Es wurde 2016 in Jena von Eugen Rochko gegründet und ist eine Non-Profit-Organisation.

Im Gegensatz zu Twitter ist Mastodon dezentralisiert und setzt sich aus verschiedenen kleinen Servern zusammen (bei Mastodon heißen sie Instanzen). Diese können privaten oder öffentlichen Hosts gehören.

Bei der Registrierung kann man zwischen verschiedenen Servern wählen, denen man beitritt, berichtet die Tagesschau.

Dabei muss man sich nicht nur an die Regeln von Mastodon halten (keine Homophobie, Transphobie oder Rassismus), Server-Hosts können zusätzlich eigene Regeln erschaffen. Es ist möglich, zwischen Servern zu wechseln, ohne dabei das Profil zu verlieren.

Die Benutzeroberfläche ist nach verschiedenen Kategorien sortiert. Es ermöglicht den Nutzern auszuwählen, ob man sich Beiträge von Freunden, Server-Mitgliedern, die beliebtesten Hashtags und noch weiteres anschaut.

Durch die Möglichkeit, dass jeder sein "eigenes Netzwerk" erstellen kann, gibt es zahlreiche Server zu verschieden Themen und lokaler Zugehörigkeit.

Kommentare, die man auf der Plattform postet, heißen "Tröts" und haben eine Begrenzung von 500 Zeichen.

Da es keine Werbung oder sonstige Finanzierung durch Unternehmen gibt und wegen der Struktur von Mastodon kann die Plattform in der Theorie nie pleitegehen und für immer bestehen. Denn sie finanziert sich ausschließlich durch Spenden und operiert unabhängig.

Titelfoto: Andre M. Chang/ZUMA Press Wire/dpa

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