Israel: Regierungs-Experten raten vorerst von vierter Corona-Impfung ab

Jerusalem - Experten des israelischen Gesundheitsministeriums gaben am Sonntag bekannt, dass sie eine vierte Corona-Impfung für die allgemeine Bevölkerung vorerst nicht empfehlen.

Der Beirat des israelischen Gesundheitsministeriums empfiehlt vorerst keine vierte Corona-Impfung.
Der Beirat des israelischen Gesundheitsministeriums empfiehlt vorerst keine vierte Corona-Impfung.  © Nir Alon/ZUMA Wire/dpa

Zuvor hatten Israels Gesundheitsminister, Nitzan Horowitz (56), und Premierminister Naftali Bennett (49) noch für eine vierte Injektion geworben.

Das Beratungsgremium zum Umgang mit der Coronavirus-Pandemie empfahl, die Entscheidung über das Verabreichen einer vierten Dosis zunächst auszusetzen.

Zudem sprachen sich die Berater dafür aus, die Genesungsphase nach einer Infektion mit der Omikron-Variante zu verlängern. Betroffenen sollte auch erst frühestens drei Monate nach der Erkrankung eine Auffrischungsdosis verabreicht werden, berichtet die Times of Israel.

Mit Fackeln und Bannern: Tausende Menschen demonstrieren gegen neue Regierung!
Israel Mit Fackeln und Bannern: Tausende Menschen demonstrieren gegen neue Regierung!

Eine weitere Forderung des Beirats sowie des Impfgremiums des Ministeriums war, den Zeitraum zwischen der zweiten und dritten Impfung nicht von derzeit sechs Monaten auf drei Monate zu verkürzen.

Hintergrund der Idee ist, damit die Gesamtimmunität in der Bevölkerung aufgrund der Verbreitung der neuen hochinfektiösen Omikron-Variante möglicherweise schneller zu erreichen.

Die allgemeine Erholungsphase für Corona-Patienten solle indes weiterhin zehn Tage betragen, danach können sie die Quarantäne verlassen. Für Omikron-Genesene empfahlen die Berater 14 Tage.

Beide Gremien sprachen sich auch dagegen aus, genesenen Covid-Patienten, die bereits eine erste Impfung erhalten haben, eine zweite Dosis zu verabreichen. Oder denen, die bereits zwei Dosen bekamen und sich dann trotzdem infizierten, eine Auffrischung zu geben.

Von einer vierten Impfung beziehungsweise der zweiten Booster-Impfung nur für ältere oder immungeschwächte Personen wurde ebenfalls abgeraten.

Premierminister beklagt "schreckliche" Impfrate

In Israel haben alle Einwohner über fünf Jahren Anspruch auf eine Corona-Impfung.
In Israel haben alle Einwohner über fünf Jahren Anspruch auf eine Corona-Impfung.  © Oded Balilty/AP/dpa

Die Empfehlungen werden nun zur Überprüfung und Genehmigung an den Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, Nachman Ash (60), weitergeleitet.

Sie kamen zustande, weil Bennett am Sonntag sagte, dass Israel sich "auf die Notwendigkeit vorbereitet", im neuen Jahr eine vierte Impfung zu verabreichen.

In seinen Ausführungen beklagte der Politiker Israels "schreckliche" Impfrate, da die Regierung auf höhere Impfzahlen, insbesondere beim Boostern, drängte, um die Ausbreitung der Omikron-Variante einzudämmen.

"Hitlerjunge Salomon": Holocaust-Überlebender Sally Perel (†97) gestorben
Israel "Hitlerjunge Salomon": Holocaust-Überlebender Sally Perel (†97) gestorben

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden am Sonntag fünfzehn neue Omikron-Fälle in Israel registriert. Damit stieg die Gesamtzahl auf 67. Es gibt außerdem weitere 80 Verdachtsfälle.

Doch wie wirksam sind die Impfstoffe gegen Omikron?

Impfschutz bei Omikron "etwa viermal niedriger als bei der Delta-Variante"

Eine israelische Studie zeigt, dass zwei Impfungen mit dem Vakzin von BioNTech/Pfizer die neue Virus-Variante kaum neutralisieren, jedoch sei die Booster-Impfung wirksam.

Die Leiterin der Studie, Prof. Gili Regev Yochay vom Sheba Medical Center in Ramat Gan, sagte, es gebe Anlass zu "Optimismus" hinsichtlich "der Immunität gegen Omikron nach dem Boostern". Denn die Auffrischungsdosis biete einen erheblichen Schutz. Allerdings sei der bei der zuerst in Südafrika bemerkten Variante etwa viermal niedriger als bei der Delta-Variante.

Die Tatsache, dass Omikron gegen den Impfstoff "einigermaßen resistent" ist, wenn jemand erst zwei Impfungen erhalten habe, "ist sehr offensichtlich", sagte die Forscherin. Sie räumte ein, dass die Studie vergleichsweise klein war und nur 40 Teilnehmer umfasste. Trotzdem hält sie die Ergebnisse für zuverlässig und signifikant, heiß es in einem weiteren Bericht der Times of Israel.

In Israel haben alle Einwohner über fünf Jahren Anspruch auf eine Corona-Impfung. Von den 9,5 Millionen Menschen des Landes haben bisher 6,4 Millionen mindestens eine Impfung erhalten, davon 5,8 Millionen eine zweite und 4,1 Millionen auch den Booster (Stand: 12. Dezember).

Titelfoto: Nir Alon/ZUMA Wire/dpa

Mehr zum Thema Israel: