Israel: Schon mehr als 2000 Raketen aus Gazastreifen abgefeuert

Tel Aviv (Israel) - Militante Palästinenser im Gazastreifen haben nach Angaben des israelischen Militärs seit Montagabend mehr als 2000 Raketen auf Israel abgefeuert. Das Abfangsystem Eisenkuppel ("Iron Dome") fing davon nahezu 1000 ab, wie die Armee am Freitagabend mitteilte.

Gebäude, das mit der Terrororganisation Hamas in Verbindung steht, explodiert, nachdem es von einem israelischen Luftangriff getroffen wurde.
Gebäude, das mit der Terrororganisation Hamas in Verbindung steht, explodiert, nachdem es von einem israelischen Luftangriff getroffen wurde.  © dpa/Mohammed Talatene

Das System erkennt mittels eines Radargeräts anfliegende Geschosse und startet eine Abfangrakete, um das feindliche Geschoss möglichst vor dem Einschlag noch in der Luft zu zerstören.

Nach Medienberichten hat das israelische Militär strikte Order, Abfangraketen nur zu starten, wenn bei einem Angriff bewohnte Gebiete bedroht sind. Der Einsatz einer Abfangrakete kostet nach Medienberichten umgerechnet rund 66.000 Euro.

Israels Armee reagiert auf den Beschuss seit Montag mit Angriffen auf Ziele im Gazastreifen, vor allem durch die Luftwaffe. Israel macht die im Gazastreifen herrschende, islamistische Hamas für alle Angriffe aus dem Gazastreifen verantwortlich.

Netanjahu in Israel vor dem Aus? Gegner wollen neue Regierung bilden
Israel Netanjahu in Israel vor dem Aus? Gegner wollen neue Regierung bilden

Die Palästinensergruppe wird von Israel und der EU als Terrororganisation eingestuft.

Israel greift Hamas-Tunnelnetz an: Feuerpause nicht in Sicht

Ein Soldat der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) ruht sich auf einem Rohr einer Artilleriebatterie aus.
Ein Soldat der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) ruht sich auf einem Rohr einer Artilleriebatterie aus.  © dpa/Ilia Yefimovich

Der Schlagabtausch zwischen Israels Militär und militanten Palästinensern geht weiter. Mit einem Großangriff hat Israels Armee ein bedeutendes Tunnelsystem der im Gazastreifen herrschenden Hamas attackiert.

"Viele Kilometer" des Netzes seien beschädigt worden, teilte das Militär am Freitag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Militante Palästinenser setzten derweil den Beschuss Israels aus dem Gazastreifen am Mittelmeer fort.

Nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums wurden in Gaza seit Beginn der Eskalation des Konflikts am Montagabend mehr als 120 Menschen getötet und 900 verletzt. Wie die israelische Armee mitteilte, kamen in Israel durch den Raketenbeschuss der vergangenen Tage acht Menschen ums Leben. Ägyptischen Sicherheitskreisen zufolge lehnte Israel ein Angebot der Regierung in Kairo zur Vermittlung einer Feuerpause ab.

Die Vereinten Nationen forderten, die Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen für Treibstoff- und Hilfslieferungen zu öffnen. In dem abgesperrten Gebiet leben etwa zwei Millionen Palästinenser. Nach UN-Schätzungen mussten rund 10.000 Palästinenser aufgrund der anhaltenden Kämpfe ihre Häuser in Gaza verlassen.

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hatte sich während des muslimischen Fastenmonats Ramadan und nach der Absage der palästinensischen Parlamentswahl zugespitzt. Als Auslöser gelten etwa Polizei-Absperrungen in der Jerusalemer Altstadt, die viele junge Palästinenser als Demütigung empfanden.

Israels Ministerpräsident mit Angriffen auf Tunnelsystem zufrieden

Benjamin Netanjahu (71), Ministerpräsident von Israel.
Benjamin Netanjahu (71), Ministerpräsident von Israel.  © dpa/AP/Pool Yedioth Ahronoth/Amit Shabi

Hinzu kamen Auseinandersetzungen von Palästinensern und israelischen Siedlern im Jerusalemer Viertel Scheich Dscharrah wegen Zwangsräumungen sowie heftige Zusammenstöße auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif). Die Anlage mit Felsendom und Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam.

Sie ist aber auch Juden heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Die islamistische Hamas hat sich zum Verteidiger Jerusalems erklärt. Sie wird von Israel und der EU als Terrororganisation eingestuft.

Nach Angaben der Armee hat die Hamas das in der Nacht auf Freitag attackierte Tunnelsystem über Jahre aufgebaut. Es liegt zu Teilen unter der Stadt Gaza. Es handele sich um eine Art "Stadt unter der Stadt", sagte ein Armeesprecher.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (71) zeigte sich zufrieden mit den Angriffen auf das Tunnelsystem.

Die Überreste der "Production Bank", einer Einrichtung, die mit der Terrororganisation Hamas in Verbindung steht, nachdem sie von israelischen Luftangriffen zerstört wurde.
Die Überreste der "Production Bank", einer Einrichtung, die mit der Terrororganisation Hamas in Verbindung steht, nachdem sie von israelischen Luftangriffen zerstört wurde.  © dpa/Mohammed Talatene

"Ich habe gesagt, wir würden die Hamas und die anderen Terrororganisationen sehr hart schlagen. Und genau das tun wir", sagte Netanjahu. Die Hamas habe gedacht, sie könnte sich in dem Tunnelsystem verstecken. Dies sei aber nicht gelungen.

Titelfoto: Montage: dpa/Mohammed Talatene (2)

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