Raketenalarm in Israel: Mehrere Explosionen erschüttern Tel Aviv

Gaza/Tel Aviv - Militante Palästinenser haben nach Angaben des israelischen Militärs bislang mehr als 200 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert.

Raketen werden von der islamistischen Hamas aus Gaza-Stadt in Richtung Israel abgefeuert.
Raketen werden von der islamistischen Hamas aus Gaza-Stadt in Richtung Israel abgefeuert.  © Mohammed Talatene/dpa

Die Erfolgsquote des Abfangsystems "Iron Dome" (Eisenkuppel) liege bei über 90 Prozent, sagte ein Armeesprecher am Dienstagmorgen. Rund ein Drittel aller abgefeuerten Raketen sei noch im Gazastreifen niedergegangen. Dies sei außergewöhnlich viel und habe dort wohl auch Opfer zur Folge.

Das von Israel entwickelte mobile Abwehrsystem "Iron Dome" soll das Land vor Kurzstreckenraketen schützen. Ein Radargerät erkennt anfliegende Geschosse und gibt die Information an einen Raketenwerfer weiter. Der startet eine Abfangrakete, um das feindliche Geschoss möglichst vor dem Einschlag noch in der Luft zu zerstören.

Warnsirenen ertönten in der Nacht vor allem in der Peripherie des Gazastreifens und in Aschkelon. Laut einem Fernsehbericht wurden zwei Wohngebäude in der Stadt getroffen. Rettungskräften zufolge seien sechs Menschen verletzt worden.

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Die Al-Kassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, teilte mit, der Beschuss von Aschkelon sei die Reaktion darauf, dass das israelische Militär ein Wohnhaus im Westen des Gazastreifens angegriffen habe.

Wenn die Armee damit fortfahre, werde Aschkelon in eine Hölle verwandelt. Auch in weiter entfernt gelegenen Städten wie Tel Aviv wurden öffentliche Schutzräume bereitgestellt und Bunker geöffnet.

Israel reagiert auf fortwährenden Raketenbeschuss

Israelische Polizisten inspizieren den Schaden an einem Haus, das von einem aus dem Gazastreifen abgefeuerten Raketenwerfer getroffen wurde, in einem Kibbuz nahe der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen.
Israelische Polizisten inspizieren den Schaden an einem Haus, das von einem aus dem Gazastreifen abgefeuerten Raketenwerfer getroffen wurde, in einem Kibbuz nahe der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen.  © Tsafrir Abayov/AP/dpa

Israels Armee reagierte auf den fortwährenden Raketenbeschuss mit Luftangriffen. Nach Angaben eines Sprechers flog das Militär mit Kampfflugzeugen und Drohnen bislang rund 130 Angriffe auf Ziele im Gazastreifen.

Beschossen worden seien Einrichtungen zur Produktion von Raketen, Lager- und Trainingseinrichtungen sowie militärische Stellungen. Zudem seien zwei Tunnel attackiert worden. Augenzeugen berichteten von lauten Explosionen.

Nach Angaben des Armeesprechers wurden nach derzeitigem Stand 15 Mitglieder der Hamas und des Islamischen Dschihads getötet.

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Das Gesundheitsministerium in Gaza gab die Zahl der Toten mit mindestens 22 an. Nach früheren Angaben des Ministeriums waren unter den Toten auch neun Kinder. Der israelische Armeesprecher sagte, man kenne diesen Bericht. Er werde geprüft.

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern ist in den vergangenen Tagen gefährlich eskaliert. Auf dem Tempelberg in Jerusalem gab es schwere Zusammenstöße. Palästinensische Rettungskräfte sprachen von Hunderten Verletzten. Nach Polizei-Angaben wurden fast zwei Dutzend Beamte verletzt.

Am frühen Montagabend begannen militante Palästinenser im Gazastreifen damit, Raketen auf Israel abzuschießen. Ein Hamas-Sprecher sagte, diese seien eine "Botschaft" an den Feind Israel und eine "Reaktion auf seine Verbrechen und Aggression gegen die heilige Stadt". Zu den Angriffen bekannte sich auch die Gruppe Islamischer Dschihad.

EU und USA verurteilen Raketenangriffe aus dem Gazastreifen

Ein Mann inspiziert die Trümmer einer Fabrik, die nach israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen - als Reaktion auf den Beschuss aus dem Palästinensergebiet - zerstört wurde.
Ein Mann inspiziert die Trümmer einer Fabrik, die nach israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen - als Reaktion auf den Beschuss aus dem Palästinensergebiet - zerstört wurde.  © Mohammed Talatene/dpa

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (71) drohte mit einer harten Reaktion. "Die Terrororganisationen in Gaza haben am Abend des Jerusalem-Tags eine rote Linie überschritten und uns in den Vororten Jerusalems mit Raketen angegriffen", sagte Netanjahu bei einer Ansprache in der Stadt.

Und weiter: "Wir werden keine Angriffe auf unser Gebiet, unsere Hauptstadt, unsere Bürger und Soldaten dulden. Wer uns angreift, wird einen hohen Preis bezahlen." Er bereitete die israelischen Bürger auf einen längeren Konflikt vor.

Die EU und die USA verurteilten die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen und forderten ein sofortiges Ende der Gewalt in dem abgeschotteten Küstengebiet und im von Israel besetzten Westjordanland.

"Auch wenn alle Seiten Schritte zur Deeskalation unternehmen (müssen), hat Israel natürlich das Recht, sein Volk und Territorium vor diesen Angriffen zu schützen", betonte US-Außenminister Antony Blinken (59).

Schwere Auseinandersetzungen in Jerusalem

Sicherheitskräfte, sowohl in Uniform als auch in Zivil, verhaften einen palästinensischen Mann in der Nähe des Damaskustors in der Altstadt von Jerusalem während Zusammenstößen zwischen der Polizei und palästinensischen Demonstranten.
Sicherheitskräfte, sowohl in Uniform als auch in Zivil, verhaften einen palästinensischen Mann in der Nähe des Damaskustors in der Altstadt von Jerusalem während Zusammenstößen zwischen der Polizei und palästinensischen Demonstranten.  © Mahmoud Illean/AP/dpa

Der Tempelberg in Jerusalem mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist für Juden wie Muslime von herausragender Bedeutung. Es ist die drittheiligste Stätte im Islam.

Zugleich standen dort früher zwei jüdische Tempel, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Überrest jenes zerstörten Tempels und die heiligste Stätte der Juden.

Die Spannungen im Westjordanland und im arabisch geprägten Osten Jerusalems hatten sich seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan verschärft. Viele Palästinenser sind zornig, weil die Polizei Bereiche der Altstadt abgesperrt hatte, um Versammlungen zu verhindern.

Zudem drohen einigen palästinensischen Familien im Stadtteil Scheich Dscharrah Wohnungsräumungen durch israelische Behörden.

Seit Freitag gab es nachts in Jerusalem jeweils Auseinandersetzungen. In zahlreichen arabischen Ortschaften in Israel sowie in Teilen des Westjordanlands kam es ebenfalls zu Konfrontationen.

Gewaltsame Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen

Seit der gewaltsamen Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen im Jahre 2007 haben sich Israel und die radikale Palästinenserorganisation drei Kriege geliefert. Israel und Ägypten halten das Gebiet unter Blockade und begründen dies mit Sicherheitserwägungen.

Im August 2020 verkündete die Hamas nach Vermittlung Katars eine Waffenruhe mit Israel. Aber auch danach gab es immer wieder Verstöße.

Die Hamas wird von Israel, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft. Sie hat die Zerstörung Israels zu ihrem Ziel erklärt.

Update, 11. Mai 2021, 20.29 Uhr: Raketenalarm in Israel ausgelöst

In Israels Küstenmetropole Tel Aviv ist am Dienstagabend Raketenalarm ausgelöst worden. Im Stadtzentrum waren mehrere Explosionen zu hören.

Die israelische Armee hatte zuvor ein Gebäude mit Büros von Mitgliedern des Hamas-Politbüros und Sprechern der islamistischen Palästinenserorganisation im Gaza-Streifen zerstört. Die Anwohner des Gebäudes wurden vor dem Angriff von den israelischen Streitkräften gewarnt und angehalten, das Haus zu verlassen, wie Augenzeugen am Dienstagabend berichteten.

Ein Sprecher der Hamas hatte zuvor mit einem "harten" Raketenangriff auf Tel Aviv gedroht, sollte der "Hanadi-Turm" zerstört werden.

Auch in der israelischen Stadt Lod kam es zu Zusammenstößen. Hier brennt ein Auto.
Auch in der israelischen Stadt Lod kam es zu Zusammenstößen. Hier brennt ein Auto.  © Oren Ziv/dpa

Update, 11. Mai 2021, 15.41 Uhr: Zwei Frauen verlieren bei massiven Raketenangriffen ihr Leben

Bei massiven Raketenangriffen militanter Palästinenser im Gazastreifen auf die israelische Küstenstadt Aschkelon sind am Dienstag zwei Frauen getötet worden.

Die Rettungsorganisation Zaka teilte mit, die Frauen seien in zwei verschiedenen Wohnhäusern durch Treffer von Raketen ums Leben gekommen. Es sei auch schwerer Sachschaden entstanden.

Die Palästinenser hätten in einer besonders heftigen Salve mehr als 100 Raketen auf die Stadt gefeuert - offenbar, um die israelische Raketenabwehr zu überfordern und damit auszuschalten.

Die Stadt Ashkelon wurde von aus dem Gazastreifen abgefeuerten Raketen getroffen.
Die Stadt Ashkelon wurde von aus dem Gazastreifen abgefeuerten Raketen getroffen.  © Ilia Yefimovich/dpa

Update, 11. Mai, 12.52 Uhr: Militante Palästinenser weiten Raketenangriffe auf Israel aus

Militante Palästinenser im Gazastreifen haben ihre Raketenangriffe auf Israel nach Norden ausgeweitet.

Nach Angaben der Armee ertönten am Dienstagmittag auch in der Hafenstadt Aschdod Warnsirenen. Die Stadt liegt nördlich von Aschkelon an der Mittelmeerküste, das zuvor massiv beschossen wurde.

Nach Angaben der Polizei gab es sechs Einschläge in Aschkelon und zwei in Aschdod. In Aschkelon wurde Medienberichten zufolge eine Schule getroffen, in der aber kein Unterricht stattfand.

Menschen sitzen auf den Stufen in einem Haus, als die Stadt Ashkelon von Raketen aus dem Gazastreifen beschossen wird. Nach Angaben der Armee ertönten am Dienstagmittag auch in der Hafenstadt Aschdod Warnsirenen. Die Stadt liegt nördlich von Aschkelon an der Mittelmeerküste.
Menschen sitzen auf den Stufen in einem Haus, als die Stadt Ashkelon von Raketen aus dem Gazastreifen beschossen wird. Nach Angaben der Armee ertönten am Dienstagmittag auch in der Hafenstadt Aschdod Warnsirenen. Die Stadt liegt nördlich von Aschkelon an der Mittelmeerküste.  © Ilia Yefimovich/dpa

Update, 11. Mai, 12.28 Uhr: Bundesregierung verurteilt Raketenangriffe auf Israel

Die Bundesregierung hat die Raketenangriffe auf Israel aus dem Gazastreifen "auf das Schärfste" verurteilt.

"Es handelt sich um eine durch nichts zu rechtfertigende Eskalation in einer angespannten Lage", sagte ein Regierungssprecher am Dienstag in Berlin.

Update, 11. Mai, 11.51 Uhr: 5000 Reservisten der Armee werden in Israel mobilisiert

Nach der Zuspitzung des Konflikts mit den Palästinensern hat Israels Verteidigungsminister Benny Gantz die Mobilisierung von 5000 Reservisten genehmigt. Dies teilte dessen Büro am Dienstag mit.

Die zusätzlichen Kräfte sollen demnach unter anderem dem südlichen Regionalkommando der Streitkräfte zugeteilt werden.

Titelfoto: Oren Ziv/dpa

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