Kampf gegen Rebellen: 500 Tote bei heftiger Militäroffensive

Addis Abeba - Während der andauernden Militäroffensive der äthiopischen Regierung gegen die Regierungspartei der Region Tigray sind nach Angaben von Addis Abeba Hunderte Menschen getötet worden.

Äthiopisch-orthodoxe Christen zünden während eines Gottesdienstes in der Kathedrale von Medhane Alem im Stadtteil Bole Medhanealem Kerzen an und beten für den Frieden.
Äthiopisch-orthodoxe Christen zünden während eines Gottesdienstes in der Kathedrale von Medhane Alem im Stadtteil Bole Medhanealem Kerzen an und beten für den Frieden.  © Mulugeta Ayene/AP/dpa

Der staatliche Sender Fana zitierte am Dienstag einen führenden Militärvertreter, der von 500 getöteten Mitgliedern der "Extremistengruppe" sprach. Allerdings konnten diese Angaben nicht unabhängig nachgeprüft werden, da Tigray derzeit von der Außenwelt weitgehend abgeschnitten ist und Internet- und telefonische Kommunikation kaum möglich ist.

Äthiopiens Verteidigungsminister Kenea Yadeta betonte am Mittwoch erneut die Angaben der Regierung, die Offensive in Tigray sei kein Bürgerkrieg, sondern eine "Maßnahme des Gesetzesvollzugs".

Das äthiopische Rote Kreuz berichtete unterdessen in den sozialen Medien des Landes von Attacken gegen drei Krankenwagen und forderte zur Einhaltung internationaler Regeln auf. Sie fanden demnach am Montag statt. Wer hinter den Angriffen steckte, ließ das Rote Kreuz offen.

Die Kämpfe in Äthiopien haben nach Angaben der Behörden im Sudan etliche Menschen in die Flucht in das Nachbarland getrieben. "Es sind Tausende äthiopische Flüchtlinge angekommen, darunter Familien mit Frauen und Kindern und auch einige bewaffnete Kämpfer", sagte Fatah al-Rahman al-Amin, ein hochrangiger Beamter im sudanesischen Bundesstaat Kassala. Demnach haben Kassala und der Bundesstaat Al-Qadarif ihre Grenzen mit Äthiopien dicht gemacht.

100.000 Menschen wurden bereits aus der äthiopischen Tigray-Region vertrieben

Äthiopien, Addis Abeba: Menschen gehen durch einen Busbahnhof in der Hauptstadt.
Äthiopien, Addis Abeba: Menschen gehen durch einen Busbahnhof in der Hauptstadt.  © Mulugeta Ayene/AP/dpa

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bestätigte am Abend diese Angaben und sprach von bisher rund 7000 Männern, Frauen und Kindern, die aus Tigray geflohen seien. "Angesichts tausender ankommender Flüchtlinge an der sudanesischen Grenze innerhalb von 24 Stunden und eines Konflikts, der zu eskalieren scheint, ist ein scharfer Anstieg der Zahl wahrscheinlich", betonte das UNHCR in einer Erklärung.

Es zeigte sich zudem äußerst besorgt über die Lage der in vier äthiopischen Lagern lebenden 96.000 Flüchtlinge sowie die beim Start der Offensive bereits vertriebenen 100.000 Menschen aus der Tigray-Region. "Straßen sind blockiert und Strom, Telefonverbindungen und das Internet gekappt, was eine Kommunikation fast unmöglich macht; es gibt Benzinknappheit und eingestellte Bankgeschäfte, was das Bargeld verknappt", schrieb das UNHCR, das sich zugleich besorgt über die Sicherheit der humanitären Helfer äußerte.

Addis Abeba hatte nach Monaten der Spannungen zwischen der äthiopischen Regierung und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) vor einer Woche eine Offensive gegen die Rebellengruppe und Regierungspartei von Tigray begonnen.

Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Krise infolge der Offensive. Die TPLF war die dominante Partei in der Parteienkoalition, die Äthiopien mehr als 25 Jahre lang mit harter Hand regierte. Dies änderte sich, als Abiy Ahmed 2018 an die Macht kam: Der Ministerpräsident brachte Reformen auf den Weg, entfernte Funktionäre der alten Garde und gründete eine neue Partei, der die zuvor in der Parteienkoalition vertretene TPLF nicht beitrat.

Abiy Ahmed (M), Premierminiister von Äthopien, trifft zur Eröffnungssitzung des 33. Gipfels der Afrikanischen Union (AU) im AU-Hauptquartier ein.
Abiy Ahmed (M), Premierminiister von Äthopien, trifft zur Eröffnungssitzung des 33. Gipfels der Afrikanischen Union (AU) im AU-Hauptquartier ein.  © Uncredited/AP/dpa

Die TPLF und viele Menschen in Tigray fühlen sich von der Zentralregierung nicht vertreten und wünschen sich größere Autonomie. Unter Abiy - der im Vorjahr den Friedensnobelpreis erhielt - haben die ethnischen Spannungen und Konflikte in dem Vielvölkerstaat Äthiopien mit seinen rund 112 Millionen Einwohnern zugenommen. Analysten warnen bereits vor einem Konflikt, der die Region destabilisieren könnte.

Titelfoto: Mulugeta Ayene/AP/dpa

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