Kommentar: Der zweite Corona-Lockdown ist notwendig, jammern hilft nicht

Kommentar zur Corona-Krise und zum zweiten Lockdown in Deutschland: "Erneut auf Kneipe oder Fitnessstudio zu verzichten ist verhältnismäßig", meint TAG24-Redakteur Florian Gürtler.

Der zweite Corona-Lockdown steht uns unmittelbar bevor, am kommenden Montag (2. November) ist es soweit. Angesichts dieser erneuten massiven Einschränkungen der Grundrechte ist es nicht nur richtig, sondern sogar äußert wichtig, dass Kritik an den Entscheidungen der Landesregierungen geübt und artikuliert wird.

Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 ist noch immer für viele Menschen eine potentiell tödliche Bedrohung.
Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 ist noch immer für viele Menschen eine potentiell tödliche Bedrohung.  © Center for Disease Control/Planet Pix via ZUMA Wire/dpa

Diese Kritiken können sich auf grundsätzliche Fragen beziehen, wie die nur mangelhaft bis gar nicht erfolgte Einbeziehung der Parlamente (Christian Rath in der Tageszeitung), oder sie wenden sich gegen einzelne Lockdown-Maßnahmen, deren Sinn oder Verhältnismäßigkeit angezweifelt wird.

Insbesondere die Schließung der Gastronomie-Betriebe stößt auf breite Kritik. Dabei wird gerne auf Untersuchungen verwiesen, die belegen sollen, dass es in Kneipen, Bars und Restaurants kein hohes Infektionsrisiko in Sachen Coronavirus gebe. Doch so einfach ist es leider nicht.

Dem gegenüber steht eine Aussage des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (68, CDU). In der Fernsehsendung Hessenschau vom Mittwochabend sprach er von einem "explosiven Infektionsgeschehen" und verwies darauf, dass inzwischen bei 80 Prozent der Corona-Infektionen nicht mehr nachweisbar sei, auf welchem Weg die Betroffenen sich angesteckt hätten.

Es ist also offenbar alles andere als klar, ob Fitnessstudios, Restaurants und Bars wirklich so sicher sind wie bisher angenommen.

Corona-Lockdown: "Erneut auf Kneipe oder Fitnessstudio zu verzichten ist verhältnismäßig"

TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.  © Florian Gürtler

Die verantwortlichen Politiker standen angesichts der mit Macht heran rollenden zweiten Corona-Welle und der nun offenbar sehr unklaren Infektionswege vor der Aufgabe, Prioritäten zu setzen und festzulegen, welche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens still gelegt werden sollten und welche nicht.

Die gewählten haben entschieden, dass Schulen und Einzelhandel weiter laufen sollen, während die Freizeit der Bürger – bislang bis Ende November – massiven Einschränkungen unterworfen wurde.

Es ist verständlich, dass die davon Betroffenen nun laut jammern und klagen, doch das hilft nicht. Irgendwie musste auf die zweite Infektionswelle reagiert werden.

Ob es bei dem sogenannten "Lockdown Light" bleibt ist zudem unsicher. Steigen die Infektionszahlen weiter so drastisch an, kann daraus schnell wieder ein umfassender Lockdown wie im Frühjahr werden.

Letztendlich bleibt es an uns allen, durch unser Verhalten die Verbreitung des Coronavirus so weit wie möglich einzudämmen, denn Covid-19 ist eben keine harmlose Erkältung. Für sehr viele Menschen aus sogenannten Risikogruppen stellt das Virus nach wie vor eine tödliche Bedrohung dar.

Deshalb für einen begrenzten Zeitraum erneut auf Kneipe oder Fitnessstudio zu verzichten ist verhältnismäßig – insbesondere wenn die Betreiber für ihre ökonomischen Verluste wie angekündigt vom Staat Entschädigung erhalten.

Titelfoto: Center for Disease Control/Planet Pix via ZUMA Wire/dpa, Florian Gürtler

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