Kommentar zum Wendler-Skandal: Influencer und Künstler, werdet politisch!

Große Reichweite auf Social-Media-Kanälen wie Instagram oder Facebook bedeutet auch Verantwortung, meint TAG24-Redakteur Florian Gürtler in seinem Kommentar.

Klimawandel, Rechtspopulismus und krude bis menschenverachtende Verschwörungstheorien (TAG24 berichtete): Es kann nicht geleugnet werden, wir leben in politisch turbulenten Zeiten.

Das Foto aus dem März dieses Jahres zeigt den Sänger Michael Wendler (48) alias "Der Wendler".
Das Foto aus dem März dieses Jahres zeigt den Sänger Michael Wendler (48) alias "Der Wendler".  © Rolf Vennenbernd/dpa

Da verwundert es nicht, dass nach und nach auch einzelne Protagonisten der Popkultur ihre politischen Überzeugungen öffentlich machen und so zu Gesichtern der von ihnen jeweils propagierten Weltsicht werden.

Doch wenn populäre Entertainer wie "Der Wendler" (48) plötzlich öffentlich ins Lager sozial-chauvinistischer Corona-Leugner wechseln (TAG24 berichtete), wenn Größen der Popmusik wie Xavier Naidoo (49) zu Unterstützern rechter Menschenfeinde werden (TAG24 berichtete), dann sollte ihnen deutlich und laut widersprochen werden – auch und insbesondere von anderen Stars und Sternchen der Popkultur.

Musiker, Schauspieler und Influencer haben über Social-Media-Netzwerke wie Instagram oder Facebook großen Einfluss auf ihre Fans – und genau deswegen stehen sie auch in der Verantwortung, mit dieser Macht möglichst vorbildlich umzugehen.

Wer seine 10.000, 100.000 oder 500.000 Follower via Smartphone mit zum Einkaufen nimmt oder sie beim Kochen zuschauen lässt, der kann und sollte diese Reichweite auch nutzen, wenn sie oder er etwas von politischer Relevanz zu sagen hat.

Influencer sollen sich Meinung bilden und diese mitteilen

TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.  © Florian Gürtler

Stellen wir uns nur einmal vor, die Mehrzahl aller deutschen Instagram-Influencer würde sich eine Meinung zum Wendler-Skandal und damit auch zu den Corona-Querdenkern und Reichsbürgern bilden und diese der Welt via Instagram-Story mitteilen.

Oder wie wäre es mit einem Statement zum Klimawandel oder zum Problem der sozialen Spaltung in Deutschland?

Dabei stünde es den Social-Media-Recken selbstverständlich völlig frei, auf welche Seite der politischen Lager sie sich schlagen.

Das Wichtigste wäre, dass sie ihren wahrscheinlich größtenteils unpolitischen Fans politisches Bewusstsein näher brächten.

Der YouTuber Rezo (28) bewies im vergangen Jahr mit seinem berühmt-berüchtigten CDU-Video welche enorme Macht via Social Media ausgeübt werden kann.

Die Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretiker wissen dies schon seit langem, und sie nutzen die Social-Media-Welt virtuos.

Es ist an der Zeit, dass sich ihnen eine möglichst starke Front entgegen stellt.

Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

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