Kommentar: Kindesmissbrauch unter staatlicher "Aufsicht"

Leipzig - TAG24-Redakteur Alexander Bischoff kritisiert in seinem Kommentar das staatliche Kontrollversagen bei der Überwachung rückfallgefährdeter Sexualstraftäter.

Mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei werden in Sachsen täglich Corona-Kontrollen durchgeführt, Sexualstraftäter unter Führungsaufsicht bleiben hingegen von Kontrollen unbehelligt.
Mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei werden in Sachsen täglich Corona-Kontrollen durchgeführt, Sexualstraftäter unter Führungsaufsicht bleiben hingegen von Kontrollen unbehelligt.  © Ove Landgraf

Leipzig in diesen Tagen: Polizeistreifen patrouillieren nahezu im Minutentakt durch die fast menschenleere City. Bereitschafts- und Revierpolizisten kontrollieren die Einhaltung von Maskenpflicht und Abstandsregeln.

Passanten werden nachts angehalten – es könnte ja kein triftiger Grund vorliegen, weshalb sie ihre Wohnung verlassen.

Die andere Seite: Während Hunderte sächsische Polizisten seit Monaten penibel die Einhaltung der Corona-Regeln überwachen, wird Kontrolle an anderer Stelle vernachlässigt. Beispielsweise bei der Überwachung von Sexualstraftätern, die unter Führungsaufsicht stehen.

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Ein Prozess am Leipziger Landgericht offenbart erschütterndes Behördenversagen (TAG24 berichtete). Ein Mann, der seit 20 Jahren Kinder missbraucht und dafür mehrfach verurteilt wurde, der erst Ende 2018 aus dem Gefängnis kam und unter Führungsaufsicht steht, wird monatelang nicht kontrolliert.

Ein Polizist schaut, ob der Laden auch wirklich geschlossen ist. Bei der Überwachung rückfallgefährdeter Sexualstraftäter geben sich sächsische Behörden weit weniger Mühe.
Ein Polizist schaut, ob der Laden auch wirklich geschlossen ist. Bei der Überwachung rückfallgefährdeter Sexualstraftäter geben sich sächsische Behörden weit weniger Mühe.  © Ove Landgraf

Zwei traumatisierte Kinder, weil Polizei und Justiz nicht kontrollierten

Über Wochen empfing ein unter Führungsaufsicht stehender Sexgangster in seinem Delitzscher Kleingarten Kinderbesuch - keine Behörde kümmerte es.
Über Wochen empfing ein unter Führungsaufsicht stehender Sexgangster in seinem Delitzscher Kleingarten Kinderbesuch - keine Behörde kümmerte es.  © picture alliance / David Inderlied/Kirchner-Media

Während im März 2020 am Cospudener See eine Heerschar an Polizisten wegen vermeintlicher Ausgangsverstöße Jagd auf Jogger und Radfahrer machte, wurde nur 40 Kilometer entfernt ein fünfjähriges Mädchen Opfer eines unter Führungsaufsicht stehenden Sexualverbrechers.

Weil sich kein Polizist und auch kein Justizbeamter fand, der mal kontrolliert hat, ob sich der rückfallgefährdete Intensivtäter in seinem Wohngebiet an das gerichtlich verfügte Kontaktverbot zu Kindern hält.

Im Mai und Juni 2020 missbrauchte der Mann in seinem Kleingarten eine Siebenjährige mehrfach.

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Weder die Beamten der Führungsaufsichtsstelle noch die der Polizei hatten es zuvor für nötig erachtet, den an Kindern reichen Kleingartenverein zu informieren, wer sich hier in einer Parzelle neu eingenistet hatte.

Keinem Beamten fiel es zudem auf, dass Nachbarskinder wochenlang im Pool des unter Führungsaufsicht stehenden Pädophilen planschten. Es wurde einfach nicht kontrolliert.

Das Resultat: Zwei traumatisierte Kinder, die den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge Opfer schwersten Missbrauchs wurden!

Dutzende rückfallgefährdete Sexualstraftäter in Sachsen

TAG24-Kommentator Alexander Bischoff fordert Justiz- und Innenministerium zum Handeln auf.
TAG24-Kommentator Alexander Bischoff fordert Justiz- und Innenministerium zum Handeln auf.  © Ralf Seegers

Ein Einzelfall? Keineswegs. Schon 2019 war in Leipzig ein mehrfach vorbestrafter Sexualtäter aufgeflogen, der es unter behördlicher Führungsaufsicht zum Konfirmanden-Beauftragten einer evangelischen Kirchgemeinde gebracht hatte.

Kurz vor einem Zeltlager mit gemeinsamer Übernachtung konnte er gestoppt werden. Nicht etwa durch behördliche Kontrolle – sondern durch journalistische Recherche!

In Sachsen sind derzeit Dutzende rückfallgefährdete Sexualstraftäter auf freiem Fuß. Sie alle stehen unter Führungsaufsicht, dürfen sich Kindern und Jugendlichen nicht nähern. Doch das muss auch überwacht werden!

Sollte das staatliche Kontrollversagen weiterhin die Regel sein, dann wird es immer neue Opfer geben. Justiz- und Innenministerium sollten das Thema schleunigst auf die Tagesordnung heben!

Titelfoto: Bildmontage / Ralf Seegers / picture alliance/David Inderlied/Kirchner-Media

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