Meine Meinung zu Mundschutz und Corona-Abstand: Der Ehrliche ist der Dumme

Stuttgart - Wer sich derzeit an die Corona-Regeln hält, hat einiges zu beachten. Und bei Verstößen drohen satte Bußgelder. Doch nicht jeder wird gleich behandelt und der Ehrliche ist oftmals der Dumme, kommentiert TAG24-Redakteur Patrick Hyslop.

Berlin: Eine Frau trägt in der U-Bahn einen Mundschutz. Andere Fahrgäste nicht.
Berlin: Eine Frau trägt in der U-Bahn einen Mundschutz. Andere Fahrgäste nicht.  © Christoph Soeder/dpa

Seit Beginn der Corona-Epidemie hat sich im Alltag vieles geändert, wenn ich mich an die Regeln halten und niemanden anstecken will. 

Kein Supermarktbesuch und keine Fahrt in den Öffis mehr ohne Mundschutz, kein Tankstellenbesuch mehr ohne Handschuhe, Mindestabstand zu anderen Menschen (sorgt beim Einkaufen regelmäßig für skurrile Szenen).

Was aber nach monatelanger Corona-Dauerbeschallung in den Medien auch auffällt: Viele Menschen haben vom Coronavirus offenbar den Kanal voll. Für die ist das Thema abgehakt. Dabei ist das Virus nach wie vor da.

Ein Stadtbummel am vergangenen Wochenende war sehr aufschlussreich. 

Die Innenstadt war voll. Wie an einem ganz normalen Sommerwochenende saßen und standen die Menschen dicht gedrängt beieinander. 

Vor den Schaufenstern der Geschäfte zog ein endloser Strom aus Menschen vorbei. Mindestabstand? Fehlanzeige. Vereinzelt konnte ich Leute sehen, die beharrlich den anderen auswichen, um ihnen nicht zu nahe zu kommen. Manche trugen gar Masken. Wären die nicht gewesen, man könnte meinen, Corona habe fertig.

Dass das aber nicht so ist, machte ein Schild am Eisstand deutlich. Darauf war zu lesen, dass man mindestens 50 Meter vom Stand entfernt sein müsse, ehe man sein Eis schlecken darf. Sonst gibt's Ärger. Da erinnert man sich an ein Paar, dass satte 400 Euro deshalb berappen sollte.

Ob Fußball-Aufstieg oder Imbiss-Eröffnung: Alle pfeifen auf Corona

TAG24-Redakteur Patrick Hyslop.
TAG24-Redakteur Patrick Hyslop.  © privat

Dass Corona offenbar vielen wurscht ist, dafür bekam ich kurz später das nächste Beispiel geliefert. 

Auf Facebook lief ein Live-Video des Senders Radio Gong. Die Würzburger Kickers haben am Samstag den Aufstieg in die zweite Liga perfekt gemacht. Die Fans waren aus dem Häuschen.

Beim letzten Aufstieg des Drittligisten 2016 war ich als Reporter dabei. Konnte also gut nachvollziehen, wieso alle außer Rand und Band waren. Dass sich die Emotionen da Bahn brechen, ist logisch. Aber dann der Schockmoment: Keiner der Fans hält Abstand, keiner trägt Mundschutz. Corona? Egal!

Es ärgert mich ungemein, wenn so viele Leute versuchen, der Pandemie irgendwie Einhalt zu gebieten und Infektionsketten zerschlagen wollen, aber andererseits viele Menschen offenbar drauf schei***.

Von Aufrufen wie dem einst viral gegangenen Hashtag #socialdistancing sehe ich schon länger nicht mehr viel im echten Leben.

Nur mal zwei Beispiele: In Berlin treffen sich 300 Leute (u.a. FDP-Chef Christian Lindner) im Nobelrestaurant Borchardt, pfeifen auf die Regeln. Konsequenzen? Nix. Die Polizei rückte zwar an, unternahm aber nichts. Weil das "von der Führung nicht erwünscht" gewesen sei.

In Bonn eröffnet Xatar (38, bekannt für Rap-Musik und den Überfall auf einen Goldtransporter) einen Imbiss. Massenhafter Andrang. Hunderte Xatar-Fans setzen alle Corona-Regeln kurzerhand außer Kraft.

Wer so handelt, der macht klar: "Mir doch egal, was mit Eurer Gesundheit passiert. Mit der von älteren oder gesundheitlich angeschlagenen Menschen. Sollen die doch am Beatmungsgerät hängen. Hauptsache, ich habe meinen Spaß." Solidarität geht anders.

Und auch ein weiterer Aspekt muss angesprochen werden. Wenn Regeln aufgestellt werden, aber Verstöße folgenlos bleiben, dann fragt sich auch irgendwann der Letzte: Warum halte ich mich eigentlich noch dran?

Wenn der ehrliche, regeltreue Bürger nicht der Dumme sein soll, dann muss künftig konsequent auf die Einhaltung der Regeln gepocht werden. Ansonsten kann man sich das alles an den Hut stecken und wieder anfangen, Klopapier zu bunkern...

Titelfoto: Screenshot: Facebook.de/Radio Gong Würzburg

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