Meine Meinung zur Krawall-Nacht von Stuttgart: Die Polizei ist kein Freiwild!

Stuttgart - Baden-Württembergs Landeshauptstadt gilt gerne mal als ruhig, gar als spießig. Doch mit der Ruhe ist es spätestens seit der Krawallnacht auf Sonntag vorbei. Die Polizei ist mittlerweile regelrecht zum Freiwild geworden, kommentiert TAG24-Redakteur Patrick Hyslop.

Beamte in Schutzmontur in Stuttgart.
Beamte in Schutzmontur in Stuttgart.  © Simon Adomat/dpa

An sommerlichen Abenden pulsiert die Stuttgarter Innenstadt. Da sind feierwütige Nachtschwärmer unterwegs, oftmals nicht mehr ganz nüchtern.

Das Nachtleben hat aber auch eine andere Seite: Polizisten werden in schöner Regelmäßigkeit im Dienst bespuckt, getreten, geschlagen. Manche sind danach nicht mehr dienstfähig. Die entsprechenden Meldungen laufen in allen Redaktionen ein. Seit Jahren.

Doch die zügellose Gewalt, die der Stuttgarter Polizei jetzt entgegenschlug, ist neu. In einer Pressekonferenz vom Sonntagnachmittag fallen immer wieder die Worte: "noch nie da gewesen".

Und in der Tat: So kenne ich Stuttgart nicht. Die Krawallnacht schockt. Insgesamt 19 Polizisten wurden verletzt, neun Geschäfte wurden geplündert. 24 Personen wurden verhaftet - die Hälfte davon hat keinen deutschen Pass.

Der angerichtete Sachschaden muss derzeit erst noch ermittelt werden. Die psychischen Folgen für die in den Straßenschlachten eingesetzten Beamten sind noch gar nicht abzuschätzen.

Randalierer rufen "Allahu Akbar" und beschimpfen Polizei als "Hurensöhne"

Die Twitter-Videos dieser Nacht, sie verstören. Mal schreien junge Männer während ihrer Randale "Allahu Akbar", mal werden Polizisten als "Hurensöhne" beschimpft. Einem Beamten springt ein junger Mann mit Anlauf in den Rücken (hier zu sehen), zur Freude des Mobs.

Beim Betrachten der Clips, die oftmals junge Männer mit Migrationshintergrund zeigen, könnte man meinen, man sehe Videoschnipsel aus französischen Banlieues. Oder aus der arabischen Welt. Doch Aggression und Gewalt sind ganz nah, mitten im beschaulichen Stuttgart.

Dass in zahlreichen Szenen zu sehen ist, wie Geschäfte angegriffen und geplündert und Polizeiwagen kaputt gedroschen werden, verkommt da schon fast zur Nebensache.

Seit Wochen: Beamte werden aus Menschenmengen heraus attackiert

TAG24-Redakteur Patrick Hyslop.
TAG24-Redakteur Patrick Hyslop.  © privat

Wie konnte es so weit kommen, dass Polizeibeamtinnen und -beamte zum Prügelknaben werden? Zum Freiwild, mit dem man offenbar machen kann, was man will? Bespucken, schlagen, treten und mit Steinen bewerfen?

Sicher ist: Seit dem gewaltsamen Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd in Minneapolis (TAG24 berichtete) kocht die Stimmung gegen die Polizei hoch - sogar hier in Deutschland. 

Pauschale Rassismusvorwürfe wurden in den vergangenen Wochen erhoben, die völlig hanebüchen sind. Politiker hierzulande sind sich nicht zu schade, der Polizei in den Rücken zu fallen. Eine taz-Autorin wünscht sich Polizisten gar auf die Müllkippe.

Und noch etwas ist zu beobachten. "Beim Einschreiten gegen Einzelne werden Beamte seit Wochen aus Menschenmengen heraus angegangen", sagt Thomas Berger, Vize-Präsident der Stuttgarter Polizei am Sonntag. "Bis hin zu massiver Gewalt."

Beamte überlegten schon im Vornherein, welche Folgen ein Einschreiten nun haben könnte. Soweit ist es schon gekommen. Da müssen doch bei jedem die Alarmglocken schrillen!

Apropos Einschreiten: Erst vor Kurzem hatten Hunderte das Polizeirevier in Stuttgarts Partymeile, der Theodor-Heuss-Straße, nach einer Anti-Rassismus-Demo angegriffen (TAG24 berichtete). Die Beamten im Revier hielten damals die Füße still. "Wir haben versucht, die Lage nicht noch weiter zu befeuern", so ein Polizeisprecher am Telefon. "Wir sind drinnen geblieben und haben das erduldet."

Nach den ungeheuerlichen Vorfällen vom vergangenen Wochenende ist klar: So kann es nicht weitergehen! Die Polizei ist nicht der Sandsack, auf den Krawallos einprügeln können und sich am stillen Wissen erfreuen, dass ihnen (ganz anders als etwa in den USA) nicht wirklich viel Schlimmes drohen wird.

Mein Appell an Gesellschaft und Politik ist klar: Stärkt den Frauen und Männern den Rücken, die täglich ihren Kopf für unsere Sicherheit hinhalten!

Und Politiker sollten es unter allen Umständen vermeiden, durch billige Pauschalaussagen die Polizei ins offene Messer laufen zu lassen. Denn fest steht: Was in Stuttgart passiert ist, kann ganz schnell überall geschehen.

Titelfoto: Montage: Simon Adomat/dpa, privat

Mehr zum Thema Kommentar:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0