Kommentar zu Corona und Rente: Wir müssen uns wehren, es droht große Gefahr!

Eine Erhöhung des Rentenalters ist eine versteckte Rentenkürzung für sehr viele Menschen, meint TAG24-Redakteur Florian Gürtler in seinem Kommentar. Er ruft dazu auf, bei der Bundestagswahl auch darüber abzustimmen, wer die Kosten der Corona-Krise trägt.

Deutschland steckt mitten in der dritten Welle der Coronavirus-Pandemie, doch während das Land über Lockdown-Verschärfungen und Ausgangssperren streitet, wirft ein anderer Konflikt bereits seine Schatten voraus – es droht eine große Gefahr!

Eine alte Frau hält verschiedene Münzen – würde das Rentenalter erhöht, so droht eine Verschärfung der Altersarmut.
Eine alte Frau hält verschiedene Münzen – würde das Rentenalter erhöht, so droht eine Verschärfung der Altersarmut.  © picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Im Grunde war es vorherzusehen: Wenn es um die Frage der immensen Kosten der Corona-Krise geht, werden früher oder später Politiker oder Ökonomen um die Ecke kommen, um das Geld bei den kleinen Leuten einzusammeln.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass angeblich führende Wirtschaftswissenschaftler sich wegen der stark ansteigenden Staatsschulden dafür aussprechen, ein höheres Rentenalter in Deutschland einzuführen.

Nur zur Erinnerung: Wir haben jetzt schon die Rente mit 67, eine Erhöhung des Eintrittsalters würde also eine Rente mit 69 oder gar 70 bedeuten.

Was die Ökonomen nicht sagen, obwohl sie es sicher genau wissen, ein derart hochgeschraubtes Rentenalter ist nichts anderes, als eine versteckte Rentenkürzung für sehr viele Menschen.

Schon jetzt – mit der Rente mit 67 – ist klar, dass die allermeisten Dachdecker, Maurer, Krankenpfleger, Bäcker, Köche, Feuerwehrleute, sowie alle anderen, die körperlich anstrengenden Berufen nachgehen, nicht bis zum regulären Renten-Eintrittsalter in Vollzeit durcharbeiten werden. Dementsprechend werden sich ihre Rentenansprüche verringern.

Bei einer Rente mit 70 sieht es dann noch schlimmer aus, eine Verschärfung der Altersarmut wäre die Folge.

Es gibt eine Alternative zu Kürzungen bei den Renten und im Sozialbereich

TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.  © Florian Gürtler

CDU und FDP, die auch den Mietern in Berlin ihre Befreiung von Wuchermieten nicht gönnten, werden ohne Zweifel auch für versteckte Rentenkürzungen für unzählige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein offenes Ohr haben.

Die Politiker der sogenannten bürgerlichen Parteien werden dann die üblichen Worthülsen schwadronieren, dass man den Gürtel enger schnallen müsse, weil der Staat eine schwäbische Hausfrau sei, die nicht über ihren Verhältnissen leben dürfe.

Diesem Geschwätz sollten wir alle nicht mehr glauben.

Wenn die Finanzkrise 2008 und die Corona-Krise eines gezeigt haben, dann dass der Staat mühelos Geld mobilisieren kann, wenn es um die Rettung von Banken und Konzernen geht. Auch für die kleinen Leute kann und sollte sich der Staat stark machen.

Zudem gibt es eine Alternative zu Kostenreduzierungen durch Kürzungen bei den Renten und im Sozialbereich: Steuererhöhungen für die Reichen und Superreichen!

Im September wird der Bundestag neu gewählt und diese Wahl wird ohne Zweifel darüber entscheiden, wer die Kosten der Corona-Krise trägt. Daran sollten wir alle denken, wenn wir unsere Stimmen abgeben.

Titelfoto: picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand/dpa, Florian Gürtler

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