Meine Meinung zu den Krawallen von Frankfurt: Darum sollte der Migrations-Hintergrund Thema sein

Frankfurt/Stuttgart - Erst Krawalle in Stuttgart, dann auf dem altehrwürdigen Frankfurter Opernplatz (TAG24 berichtete). Die Randalierer sind junge Männer. Überwiegend mit Migrationshintergrund. Das muss thematisiert werden, findet TAG24-Redakteur Patrick Hyslop.

Diese Haltestelle wurde am Opernplatz in blinder Wut zerlegt.
Diese Haltestelle wurde am Opernplatz in blinder Wut zerlegt.  © ---/Hit Radio FFH/

Am gestrigen Montag hat mein Kollege Florian Gürtler seine Meinung zur Randale von Frankfurt niedergeschrieben (seinen Kommentar findet Ihr HIER). Er kritisierte dabei die Erwähnung des Migrationshintergrundes der Tatverdächtigen. Die Debatte darüber könnte Hetze befeuern, so seine Sorge.

Bei allem Verständnis: Ich denke nicht, dass man diesen Punkt bei der Analyse des nunmehr zweiten größeren Vorfalls dieser Art in kurzer Zeit unter den Teppich fallen lassen sollte.

Denn wenn es um die Krawalle geht, dann fallen mir derzeit immer zwei Leitsätze ein. Der erste ist vom Spiegel-Gründer Rudolf Augstein.

Nicht nur im Journalismus finde ich sein Motto "Sagen, was ist" elementar. Beispielsweise auch in einer Beziehung sollte man sagen, was ist. Oder in der Politik. Und ganz besonders dann, wenn die Nation geschockt auf Gewaltexzesse mitten in deutschen Großstädten schaut.

Es ist nicht nur Quatsch, Dinge schönzureden. Es hilft auch nicht dabei, sich womöglich viel zu lange übersehener Probleme gewahr zu werden - und diese zu lösen. Und da kommen wir zum zweiten Leitsatz.

Dieser prangte eingerahmt und in Plakatgröße im Büro meines ehemaligen Chefs: "Be part of the solution, not the problem." ("Sei Teil der Lösung, nicht des Problems.")

Die Polizei in Frankfurt sprach Klartext

TAG24-Redakteur Patrick Hyslop hat selbst einen Migrationshintergrund.
TAG24-Redakteur Patrick Hyslop hat selbst einen Migrationshintergrund.  © privat

Denn eher zum Problem als zur Lösung hatte zunächst die Stuttgarter Polizei nach den aufsehenerregenden Krawallen in der Nacht auf den 21. Juni beigetragen. 

Als es um die Täter der Krawallnacht ging, wurde nebulös von einer "Party- und Eventszene" gesprochen. Der Begriff hat mittlerweile höhnisch Einzug ins Internet-Vokabular gefunden und bezeichnet kriminelle Ausländer.

Dabei konnte jeder in den Videos der Südwest-Krawalle sehen, wer da unterwegs war: Überwiegend junge Männer mit Migrationshintergrund. Sie schrien etwa "Allahu Akbar" oder "Fuck the Police". Die Beamten waren für sie "Hurensöhne".

Während Stuttgarts Polizeipräsident Franz Lutz erst später sagte, was ist (TAG24 berichtete), ging man in Frankfurt gleich in den Klartext-Modus über. Dort wurden Dutzende Personen vorübergehend festgenommen.

"Bei den insgesamt 39 Personen hat die überwiegende Mehrzahl einen Migrationshintergrund", schrieben die Beamten. Auf dem Opernplatz johlte der Mob "ACAB" ("All cops are bastards", zu deutsch: "Alle Bullen sind Bastarde") und auch "Allahu Akbar".

Die Frage, die sich für mich zum Hintergrund der Tatverdächtigen stellt, ist nicht, ob dies Rassisten nützen könnte. Sondern was hier offenbar gesellschaftlich und integrationspolitisch schiefgelaufen ist. Wer sind die jungen Leute, die lieber zerstören und randalieren, als aufzubauen und mitzugestalten?

"Es sind Jugendliche, die sich abgehängt fühlen und Deutschland nicht als ihr Land ansehen", sagt etwa der Frankfurter Club-Betreiber Rusbeh Toussi gegenüber der Welt. Laut Toussi habe man es "mit Leuten zu tun, die zwar Deutsche sind, aber sich trotzdem nicht zugehörig fühlen und einen enormen Frust verspüren".

Das Schweigen löst keine Probleme

Was bedingt den Frust? Den Zorn? Und letztlich die Gewalt? Und vor allem: Was kann man dagegen tun? Braucht es etwa mehr Sozialarbeiter? Braucht es mehr Polizei? Oder gar beides?

Um ein Problem zu lösen, muss man sich erstmal eingestehen, dass es überhaupt eines gibt. Und dann in die Analyse gehen. Insofern ist es richtig, dass die Polizei mittlerweile genauer hinschaut und sagt, was ist. Die Bevölkerung tut es nämlich auch - was die regen Debatten im Netz beweisen.

Wer also Teil der Lösung sein will, der sollte sagen, was ist. Denn Schweigen löst gar nichts.

Im Fall des Schweigens stellt sich nämlich nicht die Frage, ob uns neuerliche Krawallbilder aus deutschen Städten erreichen, sondern nur noch aus welcher...

Titelfoto: Montage: Screenshot Twitter.de, privat

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