Markus Söder gibt keine Ruhe: Der Heckenschütze kann der Union noch schaden

Stuttgart - In der Union ist der Machtkampf zwischen CDU-Chef Armin Laschet (60) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (54) entschieden. Sollte man meinen. Doch der Unterlegene feuert munter gegen seinen Kontrahenten - ohne Rücksicht aufs Wahlergebnis, findet TAG24-Redakteur Patrick Hyslop.

Wollte der erste CSU-Kanzler werden: Markus Söder (54).
Wollte der erste CSU-Kanzler werden: Markus Söder (54).  © Sven Hoppe/dpa-pool/dpa

Markus Söder gibt keine Ruhe. Der Machtkampf ist vorbei, doch der 54-Jährige stichelt ständig weiter gegen NRW-Landesvater Armin Laschet.

Letzterer soll jetzt das Umfragehoch der Grünen bis September wieder einebnen, so ganz nebenbei auch sein verbeultes Image als CDU-Chef wieder aufpolieren - und die Bundestagswahl gewinnen.

Nach der Doppel-Schlappe in Baden-Württemberg sowie Rheinland-Pfalz und seinem Abtauchen am Wahlabend keine leichten Aufgaben.

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Dabei hilft es wenig, wenn sein ehemaliger Kontrahent sich entweder selbst bei jeder (unpassenden) Gelegenheit zu Wort meldet oder seine Getreuen das für ihn tun.

Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung attestierte er sich und Laschet jüngst "ein unterschiedliches Verständnis von Demokratie".

Und all denen, die vom Merkel-Kurs die Nase voll haben und sich eine Union früherer Tage wünschen, denen machte er klar: "Ich glaube nicht, dass es klug ist, nach den progressiven Merkel-Jahren eine Politik 'Helmut Kohl 2.0' aus der Vergangenheit zu machen."

Denn: "Keiner will die alte Union aus den 90er Jahren zurück." Ob der "Kandidat der Herzen" (O-Ton CSU-Generalsekretär Markus Blume, 46) so richtig liegt? Jüngst wurde bekannt, dass sich Laschet den ehemaligen Oppositionsführer Friedrich Merz (65, CDU) ins Wahlkampfteam holt. Die Konservativen jubeln.

Söder ist Macht wichtiger als das Wohl der Union

Armin Laschet (60) ist Kanzlerkandidat der Union. Keine leichte Aufgabe.
Armin Laschet (60) ist Kanzlerkandidat der Union. Keine leichte Aufgabe.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Die sind aber auch nicht Söders Zielgruppe. Das sollte jedem Unionswähler klar sein.

Im Februar machte er keinen Hehl daraus, dass er gerne die Grünen als Koalitionspartner hätte. "Es wäre ein spannendes Zukunftsteam, das Inspiration bieten könnte, weil es die ganz große Frage unserer Zeit in den Blick nimmt: die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie", so der 54-Jährige gegenüber dem Stern.

Wer Söder gewählt hätte, der bekäme die Grünen, ließe sich das zusammenfassen. Am schleichenden Niedergang von CDU/CSU hätte das sicherlich nichts geändert. Den von Merkel eingeleiteten Linkskurs auch nicht.

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Die ständigen Attacken des Heckenschützen aus Franken lassen für mich nur einen Schluss zu: Söder war (und ist) die Option auf die Macht offensichtlich wichtiger als das Wohl der Union.

Und auch wichtiger als der Eindruck, den der (nicht enden wollende) Machtkampf bei potentiellen Wählern und Parteimitgliedern machen könnte.

Beim Stichwort Macht erinnere ich mich an eine Begegnung mit dem 1,94-Meter-Mann zurück. Es ist schon einige Jahre her, da traf ich Markus Söder in Augsburg. Ein kurzes Interview fürs Radio stand an.

Machtmensch Strauß: Söders Vorbild

Auch heute noch in Bayern übermächtig zu spüren: Franz Josef Strauß (†73). (Archiv)
Auch heute noch in Bayern übermächtig zu spüren: Franz Josef Strauß (†73). (Archiv)  © Istvan Bajzat/dpa

Der gebürtige Nürnberger war damals noch Finanzminister in Bayern.

Im Gespräch wurden schnell zwei Sachen klar: Zum einen, dass ein längeres Interview mir arg in den Nacken gegangen wäre. Musste ich doch zu Söder (elf Zentimeter größer als ich) ständig aufblicken.

Zum anderen spürte ich schnell: Der Mann will Macht.

Da passte es auch, dass er später ein Foto von sich in jungen Jahren auf Facebook postete.

Während andere junge Menschen etwa Poster von Popstars an der Wand hängen haben, war das bei dem Franken anders.

Söder zeigte sich mit einem Poster seines Idols Franz Josef Strauß (†73). "Das war das Poster über meinem Bett in der Jugendzeit, was hing bei Euch?", fragte der Franke seine Follower.

Auch Strauß war Machtmensch. Auch Strauß griff nach dem Kanzleramt. Doch der bayerische Ministerpräsident scheiterte 1980 bei den Bundestagswahlen als Kandidat der Union.

Markus Söder kam gar nicht so weit. Zumindest diesmal nicht. Doch bis er Armin Laschet das Feld (und somit die Macht) überließ, wurde einiges an Geschirr zwischen den Schwesterparteien CDU und CSU zerschlagen. Am Ende gar zu viel? Das wird die Zeit zeigen.

Sicher ist: Im Herbst besteht die reale Chance, dass die Unionsparteien in der Opposition landen und es ein grün-rot-rotes Bündnis an die Regierung schafft. Ob der Heckenschütze aus Bayern dann dafür die Mitverantwortung übernimmt? Ich habe daran meine Zweifel.

Wenn am Wahlabend die Grünen gemeinsam mit SPD und Linken an die Macht kommen, dann sollte man in der oberbayerischen Gemeinde Rott am Inn übrigens die Ohren spitzen.

Man wird dort wahrscheinlich deutlich hören, wie sich Franz Josef Strauß im Grabe umdreht...

Titelfoto: Montage: Rolf Vennenbernd/dpa, Sven Hoppe/dpa-Pool/dpa

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