Meine Meinung zu Geisterspielen: Kein Grund, unsolidarisch zu werden!

Stuttgart - Seit vergangener Woche kommt es in Sachsen wegen steigender Infektionszahlen wieder zu Geisterspielen. Auch in Baden-Württemberg droht dieses Szenario. Vielen Fußballfans fehlt dafür das Verständnis, sie äußern ihren Unmut. Stattdessen sollten sie sich lieber solidarisch zeigen. Ein Kommentar.

Beim Kick zwischen Erzgebirge Aue und dem SV Darmstadt 98 durften schon keine Fans mehr ins Stadion.
Beim Kick zwischen Erzgebirge Aue und dem SV Darmstadt 98 durften schon keine Fans mehr ins Stadion.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

"Es ist klar, dass im Profifußball Geisterspiele kommen", verkündete Baden-Württembergs Regierungssprecher Arne Braun (56) am Sonntagnachmittag und löste damit bei vielen Fußballfans Empörung aus.

Stadien seien keine Pandemietreiber, und es kämen sowieso nur noch Geimpfte mit negativem Test hinein, war unter anderem in den sozialen Medien zu lesen.

Viele fragen sich außerdem: Warum werden jetzt ausgerechnet Geimpfte dafür bestraft, dass in Deutschland immer noch zu wenige Menschen bereit sind, sich die rettende Immun-Spritze zu geben?

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Ja, Geisterspiele sind ein Graus. Auch ich habe keine Lust darauf, aus einem emotionslosen leeren Stadion zu berichten oder einen müden Kick bei gespenstischer Stimmung vor dem Fernseher zu verfolgen.

Aber die pandemische Lage lässt leider - mal wieder - nichts anderes zu.

Antigen-Tests könnten nicht ausreichen

Beim Bundesligaspiel zwischen dem VfB Stuttgart und Mainz 05 waren am Samstag noch 25.000 Zuschauer in der Mercedes-Benz Arena.
Beim Bundesligaspiel zwischen dem VfB Stuttgart und Mainz 05 waren am Samstag noch 25.000 Zuschauer in der Mercedes-Benz Arena.  © Tom Weller/dpa

Denn Fußballstadien sind eben keine coronafernen Oasen - auch nicht unter "2Gplus"-Bedingungen, wie alarmierende Expertenmeinungen deutlich machen.

"Die Menschen infizieren sich nicht im Stadion, aber die Anreise und die Feiern nach dem Spiel sind die Infektionsherde. Daher sind Spiele im vollen Stadion aktuell nicht akzeptabel", äußerte sich SPD-Mann und Mediziner Karl Lauterbach (58) in der Bild am Sonntag.

Zudem mahnte Virologe Christian Drosten (49) vor einer falschen Sicherheit durch Antigen-Tests, die vor allem bei frischen Infektionen nicht aussagekräftig genug seien.

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Unter solchen Voraussetzungen ist das Risiko von Massenevents trotz immens steigender Infektionszahlen und Pflegekräften, die auf Intensivstationen am Limit und darüber hinaus arbeiten, einfach zu groß.

Nachdenklich stimmte mich außerdem ein Video der Tagesthemen, das zuletzt durchs Netz ging. Eine Frau aus Sachsen berichtete unter Tränen von ihrem Schicksal: "Mein Mann ist an Corona gestorben, ich war im Krankenhaus und jetzt halte ich mich von meinen Enkeln fern, weil ich Angst habe, dass sie aus der Schule was nach Hause bringen. Und ich fahre jetzt auf den Friedhof."

"...Und ich fahre jetzt auf den Friedhof"

Bei solch tragischen Geschichten wird mir schmerzlich bewusst, wie unwichtig der Fußball nun wieder ist. Jetzt gilt es eben erneut, seine eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen und sich solidarisch zu zeigen. Nicht mit freiwillig Ungeimpften und Corona-Leugnern, sondern mit Leuten wie der schicksalsgebeutelten Dame aus Sachsen und den Pflegekräften, die auf den Intensivstationen ums Leben der Menschen kämpfen.

Titelfoto: Tom Weller/dpa

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