Meine Meinung: Der Gastro-Lockdown ist völliger Quatsch, das Problem liegt woanders ...

Stuttgart - Das Coronavirus tobt weiter in Deutschland, die Zahl der Neuinfektionen steigt und steigt. Doch mit dem Schließen von Gaststätten setzt man an der falschen Stelle an, meint TAG24-Redakteur Patrick Hyslop.

Überlebt die Branche den Winter? (Symbolbild)
Überlebt die Branche den Winter? (Symbolbild)  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Nach den hohen Infektionszahlen im Frühjahr war der Sommer relativ ruhig. Abends konnte man das in der Redaktion gut beobachten, wenn die neuen Zahlen des Landesgesundheitsamtes eintrudelten. 

Teils waren diese sogar zweistellig. Von solchen Zahlen sind wir inzwischen Lichtjahre entfernt.

Am Abend ist die Zahl der Neuinfektionen mittlerweile vierstellig. Am gestrigen Mittwoch waren es satte 2402 neue Infizierte in Baden-Württemberg. In ganz Deutschland meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) 16.774 neue Fälle.

Nun folgt also wieder ein neuer Lockdown. 

Verniedlichend wurde das Wörtchen "light" beigefügt. "Light" ist da aber gar nichts für die Gastro-Szene. Die hat ab Montag zu. Da ist nichts mehr mit light, das ist heavy. Bei Gastronomen und Hoteliers geht's an die Existenz. Schon wieder!

"Ein Drittel der Betriebe unserer Branche wird den Winter nicht überstehen", berichtet Ingrid Hartges vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga (der Verband prüft derzeit rechtliche Schritte gegen die Maßnahmen) gegenüber der Bild-Zeitung. Der Nürnberger Gastwirt Thomas Förster geht sogar noch einen Zacken weiter: "Merkel tötet unsere Branche."

Wer in den vergangenen Monaten mit offenen Augen durch die Welt gelaufen ist, der hat gesehen: Im Gastgewerbe reißt man sich den Arsch auf, um den Betrieb irgendwie coronakonform am Laufen zu halten. Viel weniger Tische. Ausreichende Abstände. Belüftung. Mundschutz. Ständiges Desinfizieren.

Gastgewerbe ist kein Pandemie-Treiber

TAG24-Redakteur Patrick Hyslop ist kein Fan des Gastro-Lockdowns.
TAG24-Redakteur Patrick Hyslop ist kein Fan des Gastro-Lockdowns.  © privat

Und in der Tat: Das Gastgewerbe hat nur einen kleinen Anteil am Coronavirus-Geschehen. Ein Pandemie-Treiber ist die Branche insgesamt nicht, wie das RKI selbst sagt

Der (vorübergehende?) Lockdown ist deshalb völliger Quatsch. Er trifft die Falschen. Für eine fleißige Verbreitung des Erregers sorgen stattdessen ganz andere Infektionsorte.

Welche das sind? 

Nun, laut Institut sind es vor allem die Privathaushalte, die Arbeitsplätze, die Alten- und Pflegeheime, die Asylunterkünfte und darüber hinaus die zahlreichen Freizeitaktivitäten, bei denen das Coronavirus sich munter ausbreiten kann.

Ob man deshalb gleich soweit gehen sollte, wie es der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (57) fordert und die im Grundgesetz verbriefte Unverletzlichkeit der Wohnung aushebelt? 

Klares Nein!

Aber klar ist auch, dass die Maßnahmen dort ansetzen müssen, wo die Infektionsschwerpunkte liegen. Und die liegen im Zweifelsfall eher bei der Großhochzeit als in der Gastwirtschaft.

Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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