Meinung: Lyon, Nizza und Dresden, der Islam-Terror hat keine Corona-Pause

Lyon - Innerhalb weniger Tage gibt es in unserem Nachbarland Frankreich zwei islamistische Anschläge. Gezielt auf und in christlichen Einrichtungen. Die Frage könnte lauten: War Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (42) zu lange zu zögerlich? Sie könnte aber auch heißen: Ist Nizza und Lyon so weit weg von Dresden?

Eine Kirche in Lyon, an der ein griechisch-orthodoxer Priester von einem mutmaßlichen Terroristen angeschossen wurde.
Eine Kirche in Lyon, an der ein griechisch-orthodoxer Priester von einem mutmaßlichen Terroristen angeschossen wurde.  © Laurent Cipriani/AP/dpa

Die Neue Zürcher Zeitung am Sonntag spricht von einer Nation, die seinem Präsidenten "entgleitet". Haben die Autoren recht?

Das Problem mit dem radikalen Islamismus gerade in Frankreich ist kein neues, wenngleich es dieser Tage aktueller denn je scheint.

Bereits Anfang Oktober sprach der 42-jährige Präsident der Franzosen von einer Art Gegengesellschaft. Eine Parallelgesellschaft, die sich oft auch am Rande der großen Städte gebildet habe. Es ist ein strukturelles Problem in unserem Nachbarland. Ein Ergebnis von Jahrzehnten wohl verfehlter Asyl-, Flüchtlings- und Integrationspolitik.

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Macron darf hierfür also nicht alleine seinen Kopf hinhalten. Es ist ein ebenso trauriger wie erbarmungslos ehrlicher Spiegel, der den handelnden Personen der letzten Jahrzehnte vorgehalten wird.

Und, das muss ebenfalls erwähnt werden, auch über die Grenzen des 67-Millionen-Staates hinaus. Hallo Deutschland.

Den Islam allerdings als Grund allen Übels auf der Gegenseite pauschal an den Pranger zu stellen, wäre hingegen ebenso zu kurz gesprungen.

Gehört der Islam zu Europa? Die falsche Frage zum richtigen Thema

Der französische Präsident Emmanuel Macron (42).
Der französische Präsident Emmanuel Macron (42).  © Thibault Camus/AP/dpa

Eine Religion, eine Kultur, die wie zu erwarten nicht ganz reibungslos in eine mit westlichen Werten geprägte Gesellschaft zu integrieren sein konnte, als Hauptakteur auszumachen, darf man nicht gelten lassen. 

Wer dies jedoch glaubte und auch nach außen mit einer "Wird schon werden"-Attitude ernsthaft vertrat, schloss entweder die Augen, oder ihm war die Aufgabe der Integration nicht einmal im Ansatz so wichtig, wie sie hätte sein sollen.

Es ist müßig darüber zu debattieren, ob der Islam zu Frankreich, Deutschland oder Europa gehört. 

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Historisch gesehen und nüchtern betrachtet natürlich nicht, in einer globaliserten Welt wie dieser, in der man per Mausklick mit Menschen aus aller Herren Länder kommunizieren kann und der kulturelle Austausch nur wenige Flugstunden entfernt ist, tut er das. Wir schreiben 2020, nicht 1900.

Und das ist auch gut so. Es gibt letztlich nichts fruchtbareres auf dieser Erde als Vielfalt und Offenheit für "das Fremde".

Haben Kohl und Chirac, Merkel und Macron versagt?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (66).
Bundeskanzlerin Angela Merkel (66).  © Kay Nietfeld/dpa

Neben gleichermaßen zu verstehenden wie auch ernstzunehmenden Ängsten der Bürger gegenüber dem "Fremden", bleibt dann aber die Frage im Raum: Hat die Politik versagt? 

Haben Kohl, Schröder und Merkel versagt? Ebenso wie Chirac, Sarkozy, Hollande und Macron?

Auch hier wäre ein einfaches "Ja" vermessen. Integration ist keine Einbahnstraße. Das Angebot MUSS vonseiten des Staates kommen. Doch der Grund für das Scheitern, oder zumindest der Probleme, darf dann wiederum nicht pauschal mit dem Satz begründet werden: "Dann war das Angebot nicht ausreichend".

In einer funktionierenden Gesellschaft läuft es wie auf dem Fußballfeld. Der Trainer gibt die Marschroute vor, die Spieler müssen daran anknüpfend 90 Minuten eigene Entscheidungen treffen.

Politik ist nur mehr als 22 Trikots und ein Ball. Und Politik funktioniert nicht nach Lehrbuch. Politik wird in der Regel und hoffentlich nach Abwägung verschiedenster Gedankenspiele betrieben. Ins Blaue hinein.

Fehler sind eigentlich nicht erlaubt, wenn auch menschlich.

Messerattacke von Dresden zeigt: Der Kampf gegen jedwede radikale Einstellung bleibt ein fortwährender

Blumen und Kerzen liegen an der Stelle in Dresden, an der zwei Touristen mit einem Messer von einem Islamisten angegriffen wurden. Dabei starb ein Mann.
Blumen und Kerzen liegen an der Stelle in Dresden, an der zwei Touristen mit einem Messer von einem Islamisten angegriffen wurden. Dabei starb ein Mann.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Und so blickt man nun auf zwei Attentate in Frankreich. Nizza und Lyon. Und wem das zu weit weg scheint, der denkt an das Attentat inmitten der Dresdner Altstadt

Ein den Behörden einschlägig Bekannter Radikaler stach zwei Touristen aus Nordrhein-Westfalen auf offener Straße ab. Aus dem Nichts. Diese Fehler sind nicht erlaubt (wenn auch menschlich?)

Die Rufe von Rechts waren sofort zu vernehmen. Die Zurückhaltung von Links mindestens ebenso erwähnenswert. Ein Phänomen, welches Sascha Lobo im Spiegel kürzlich als "Verniedlichungsrassismus" titulierte. Treffend. 

Radikalismus, egal von welcher Seite, darf kein Instrument sein. 

Doch die Instrumentalisierung dessen scheint das Lieblingsspielzeug vieler Politiker zu sein. Diesen Vorwurf muss man sich nicht nur in Berlin gefallen lassen.  

Der französische Scherbenhaufen ist indes groß, der hierzulande ebenso nennenswert. Es bedarf großer Anstrengung diesen aufzukehren. 

Und das beginnt bei Politik, geht über Bevölkerung bis hin zu den vielen friedlichen und gut integrierten Muslimen.

TAG24-Redakteur Eric Ranninger.
TAG24-Redakteur Eric Ranninger.  © TAG24

Der Islam darf nicht herhalten für kranke Ideologien. Er darf auch nicht das Bild bestimmen, welches Nicht-Muslime über diese Religion haben.

Doch dazu braucht es auch eine klare Abgrenzung und Distanzierung von nichtfreiheitlichen Einstellungen und Motiven durch ebenjene Muslime, die ein Teil unserer Gesellschaft sind. (Islam)-Terror kennt nämlich keine Corona-Pause.

Titelfoto: Thibault Camus/AP/dpa , Kay Nietfeld/dpa , Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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